Öko-soziales Marketing für grüne Projekte

© Grüne Helden

„Allem voran benötigt ein erfolgreiches Geschäftsmodell Öffentlichkeit. Was nützen die noch so innovativen Ideen, die weltverbessernden und fairen Angebote, wenn keiner diese wahrnimmt?“ – so Andreas Sauer von Grüne Helden im Interview.

26.06.17

Grüne-Startups.de: Würden Sie uns Grüne Helden vorstellen und die bisherige Entwicklung schildern?

Andreas Sauer. © Grüne Helden
Andreas Sauer. © Grüne Helden

Andreas Sauer: Grüne Helden ist die „grüne“ Antwort in der Agenturen-Landschaft und steht für Wertschätzung, ganzheitliches Denken, Handeln im Einklang mit Natur, verantwortungsvolles Wirtschaften im Sinne des Nachhaltigkeitgedankens. „Gemeinsam für eine bessere Welt“ ist die Passion der Helden. Wir sehen uns als die Marketing- und GreenDesign Spezialisten für Initiativen, NGOs, öko-soziale Unternehmungen und für solche, die sich ganz bewusst in eine positive Richtung verändern wollen, um durch ein sinnerfülltes Handeln Mehrwerte für Mensch, Tier und Umwelt sowie für die Städte und Regionen zu erzielen.

Gegründet wurde Grüne Helden vor sieben Jahren als Netzwerk, um mit den Potentialen engagierter „Talente“ aus der Beratung, Grafik, Social-Media und Öffentlichkeitsarbeit konkurrenzfähige Full-Service-Angebote zu erzielen. Die Idee eines grünen Unternehmertums selbst reicht bis in die 80-ziger Jahre zurück.

Grüne Helden sieht sich heute auch als Förderer des öko-sozialen Unternehmertums und lobt erstmalig in diesem Jahr, zusammen mit hochkarätigen Partnern, einen Förderpreis aus.

Was bedeutet für Sie öko-soziales Marketing?

„Das wird sich schon regeln“ ist der Glaube der sogenannter „freier“ Marktwirtschaftsmodelle. Wir spüren gerade, wohin dies auch führen kann. Gewinnmaximierung auf Kosten von Menschen und Umwelt ist in den Managementstrukturen verankert. Jeder ist sich selbst der nächste, ist ein weiteres Schlagwort das gerade allzuhäufig weltweit die Runde macht.  Heute muss man Wirtschaften sehr viel komplexer auffassen, globaler und mit Weitblick in die Zukunft. Alles, was ich durch mein Handeln veranlasse hat unmittelbare Folgen. Das Ursache-Wirkungsprinzip ist eigentlich nichts neues, doch heute sind die Wirkungen in sehr komplexen Zusammenhängen zu betrachten. Insofern sollten wir ganz genau überlegen „wie“ wir handeln. Und noch ein Zitat, das mir mein sehr geschätzter Lehrmeister eingebläut hat und welches mich seitdem begleitet. „Das was bedenke, mehr bedenke wie“ Johann Wolfgang von Goethe, in Faust Teil 2 niedergeschrieben, lässt sich dieses Zitat eigentlich auf viele Lebenssituationen anwenden. Wenn ich eine Leistung/Ware in Anspruch nehme muss der Gegenwert stimmen und zwar über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg für die Menschen, wie für die Umwelt. Es ist fatal zu glauben wir können immer nur nehmen ohne darüber zu reflektieren auf wessen Kosten wir das tun und vor allem wie lange wir so verfahren können. Bei unserem augenblicklichen Lebensstil kann es nur Verlierer geben: wir alle und vorallem trifft es die zukünftigen Generation mit voller Härte. Öko-Soziales Marketing, um es in einem Satz zusammenzufassen, ist dann gegeben, wenn ich im Idealfall die sozialen und ökologischen Gegebenheiten zu gleichen Teilen bei meinen wirtschaftlichen Handeln berücksichtige.

Wie helfen Sie grünen Startups, auf die Beine zu kommen?

Ich möchte hier einmal vorweg stellen, dass Grüne Helden keine Spezialagentur für Startups der grünen Gründerszene ist. Insofern möchte ich diese Frage etwas allgemeiner beantworten. Grundvorraussetzung für unsere erfolgreiche Arbeit ist, sich zuerst einmal ein Bild von der Ist-Situation machen. Kein Unternehmen gleicht dem anderen, keine Situation gleicht oder wiederholt sich und kann auch nicht einfach adaptiert werden. Wenn wir herausbekommen haben wie das Unternehmen tickt, welche Ziele es über welche Zeitspanne erreichen will, setzen wir uns zusammen und entwickeln gemeinsam eine passende Strategie. Diese wird mit unserer Hilfe dann regelmäßig überprüft und an den „Stellschrauben“ die wir eingebaut haben, gegebenfalls nachjustiert.

Was braucht eine innovative Idee am meisten, um zu einem finanziell erfolgreichen Geschäftmodell heranzuwachsen?

Startphasen sind oftmals nicht homogen, sehr ruppig, ich spreche hier auch aus den Erfahrungen bei meinen Gründungen. Man bekommt sich schnell in die Haare. Wenn hier das Team nicht zusammensteht hat man eigentlich schon verloren. Geschäftsmodelle mit Potential benötigen neben einem hochmotivierten Team, dessen Bereitschaft ein hohes Risiko zu gehen, dessen Leidensfähigkeit und vorallem Stabilität in den Krisen. Weitere Qualitäten sind Klarheit, kontinuierliche Reflexion, lösungsorientiertes arbeiten und Entscheidungsfreudigkeit. 

Allem voran benötigt ein erfolgreiches Geschäftsmodell Öffentlichkeit. Was nützen die noch so innovativen Ideen, die weltverbessernden und fairen Angebote, wenn keiner diese wahrnimmt?

Welche Phase ist für ein grünes Startup die schwierigste? Welche Besonderheiten gilt es im Vergleich zu konventionellen Startups zu beachten?

Ich denke, dass grüne Startups, wenn sie sich mit einer überschaubaren grün-affinen Zielgruppe zufrieden geben, es durchaus einfacher haben als so manche konventionelle Unternehmung. Seit einigen Jahren schon ist „grün“ absolut angesagt. Und je mehr negative Meldungen die Globalplayer über unsere Medien schicken umso mehr Zuspruch erhalten die „grünen“, alternativen Angebote. Aber auch für „Grüne“ Unternehmungen wird es heute immer schwieriger in einem Markt von vielen gleichen Angeboten, sich erfolgreich, langfristig abzusetzen. Ganz wichtig ist hier wesentliche Alleinstellungsmerkmale herauszuarbeiten und mit überzeugenden Mehrwerten zu Punkten.

Welche Fehler werden häufig im Bereich Nachhaltigkeitskommunikation und -marketing begangen und gibt es bestimmte Fettnäpchen, in die besonders junge Unternehmen gerne treten?

Ich finde Eitelkeit ist ein Problem. Natürlich bin ich als Unternehmer von meiner Idee absolut überzeugt, sie ist einmalig, toll. Dass diese von aussen als solche auch wahrgenommen wird ist ein Wunschdenken. Selbstläufer sind wie Lottogewinne, selten. In der Regel muss ich mir den Markt erobern. ich brauche die Öffentlichkeit, muss also kontinuierlich Präsenz zeigen. Erfolgsmodelle werden gerne kopiert. Wichtig ist immer, die Mitbewerber im Auge zu behalten, Alleinstellungsmerkmale ausbauen und zusätzliche Mehrwerte schaffen. Schnell sind, nach einem erfolgreich verlaufenen Start, die entscheidenden Wettbewerbsvorteile verspielt.

Welche drei Kriterien sind Ihrer Meinung nach unverzichtbar für den langfristigen Erfolg insbesondere von grünen Startups?

Die meisten der wesentlichen Kriterien habe ich bereits in den vorangegangenen Fragen angesprochen. Es ist schwierig hier zu werten, denn alle Kriterien, Angefangen von der Bereitschaft zum Risiko bis zur strategischen Positionierung und dem Ausbau von Wettbewerbsvorteilen, sind unverzichtbar. Langfristigen Erfolg kann ich sichern, wenn ich in der Lage bin die regelmäßig auftauchenden Krisen zu meistern. Und das kann ich nur mit in einem tollen Team und einer kontinuierlichen Reflexion mit oder ohne externen Partner.

In welchem Bereich liegt ihrer Meinung nach das größte Potential für die Zukunft grüner Startups?

Wenn ich das wüsste, würde ich selbst ein grünes Startup Unternehmen gründen. Hin und wieder habe ich Ideen, diese lassen sich aber schlecht skalieren, da wir, wenn wir „grün“ meinen, immer noch eine Nischenzielgruppe ansprechen. Die großen Themen der Zukunft bleiben weiterhin Mobilität, Sharing-Modelle und Community getragene Modelle, aber auch Energie, Recycling und Abfallvermeidungslösungen sind Dauerbrenner, wenn man davon ausgeht, dass Rohstoffe kapper und damit immer teurer werden.

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