Fabrikneue Sachspenden für gemeinnützige Organisationen

Dr. Juliane Kronen

Die gemeinnützige innatura vermittelt fabrikneue Sachspenden an gemeinnützige Organisationen. Als erste Plattform dieser Art in Deutschland schlägt sie die Brücke zwischen Unternehmen und Gemeinnützigen Organisationen.

GRÜNE-STARTUPS.de: Frau Dr. Kronen, stellen Sie doch bitte Ihr gründes Startup „Innatura“ einmal vor

DR. JULIANE KRONEN: Die gemeinnützige innatura vermittelt fabrikneue Sachspenden an gemeinnützige Organisationen. Als erste Plattform dieser Art in Deutschland schlägt sie die Brücke zwischen Unternehmen, die Produkte spenden möchten, aber nicht wissen, wie und an wen, und Gemeinnützigen Organisationen, die dringend Produkte für ihre Arbeit brauchen, aber nicht wissen, wie sie Sachspenden erhalten und lagern können.

Unternehmen spenden uns Produkte, die aus verschiedenen Gründen – Überproduktion, Produktrelaunches – nicht auf den Markt kommen. Wir katalogisieren die Artikel in unserem Lager und bieten sie über unsere Online-Plattform gemeinnützigen Organisationen an. Diese bestellen in genau der Menge, die sie benötigen. Innatura leistet für die Spendenunternehmen also die Distributions- und Qualitätssicherungsfunktion, für die Empfänger die Sortimentsgestaltung und Lagerhaltung. Die Produkte dürfen ausschließlich für den Betrieb der gemeinnützigen Einrichtung verwendet werden oder müssen unentgeltlich an die verschiedenen Zielgruppen abgegeben werden. innatura ist seit dem Eintreffen der ersten Spende im Juli 2013 aktiv, beschäftigt 10 Menschen und wird durch Ehrenamtliche unterstützt.

Sie sind nominiert für den Next Economy Award 2016. Was denken Sie, war der ausschlaggebende Grund für Ihre Nominierung?

Der mehrfache Nutzen: Gemeinnützige Organisationen profitieren von hochwertigen, fabrikneuen Produkten zu geringen Kosten (sie zahlen eine geringe Vermittlungsgebühr in Höhe von 5 bis maximal 20 Prozent des Marktwerts der Spenden), die Umwelt wird durch Abfallvermeidung entlastet, und die Spenderunternehmen können mit überschüssigen, nicht marktfähigen Produkten sozialen Nutzen stiften und glaubhaft gesellschaftliches Engagement zeigen.

Welches „grüne“ Problem lösen Sie und welche Vision steckt hinter Ihrem Konzept?

In Deutschland werden jährlich fabrikneue Waren im Marktwert von mehr als 7 Milliarden Euro entsorgt – eine enorme Belastung für die Umwelt. Innatura hilft, dies teilweise zu vermeiden, denn ein Drittel der überflüssigen Produkte fällt in Warengruppen, die im sozialen Sektor dringend benötigt werden – entweder, um sie an Bedürftige zu verteilen, oder um Einrichtungen kostengünstiger zu betreiben. Innatura fokussiert also zwei gesellschaftliche Probleme – Konsumgüterverschwendung und Umweltbelastung durch die Entsorgung fabrikneuer Waren sowie fehlende Finanzmittel im sozialen Sektor trotz steigender Bedarfe.

Wie geht es Ihrer Branche aktuell?

Im gemeinnützigen Sektor sind die Gelder knapp; Geld- und Sachspenden sind unverzichtbar. Innatura trägt dazu bei, den Wirkungsgrad des gemeinnützigen Sektors zu verbessern.

Wie sieht Ihr Geschäftsmodell aus?

Das Modell der bedarfsgerechten Vermittlung fabrikneuer Sachspenden an soziale Organisationen über ein Online-Modell bei gleichzeitiger Abfallvermeidung ist in Deutschland einmalig. Für den sozialen Sektor ist die Sachspendenakquise nun so einfach wie online einkaufen, und überflüssige Produkte werden sinnvoll genutzt anstatt sie ungenutzt zu entsorgen.

Was waren und was sind die größten Herausforderungen für ihre Unternehmung auf dem bisherigen Weg?

Bei der Gründung traten viele neue Fragen auf – von der Versicherung der gespendeten Waren und deren steuertechnischer Bewertung bis hin zur steuerlichen Behandlung unserer Tätigkeit.

Ein Bremsklotz für die Spendenbereitschaft der Unternehmen ist das deutsche Umsatzsteuerrecht. Auf gespendete Waren entfällt die gleiche Umsatzsteuer wie auf Ware, die in den Handel kommt. Das Entsorgen ist für die Unternehmen also weitaus günstiger. Im sozialen Sektor wird „die Wirtschaft“ oftmals skeptisch betrachtet. Wir betonen deshalb immer wieder, dass innatura eine Charity ist.

Wie ist Ihr Gründerteam aufgestellt? Welche fachlichen und sozialen Kompetenzen waren für den bisherigen Erfolg ausschlaggebend?

innatura ist kein typisches Start-up, bei dem ein junges Team eine Idee hat, diese realisiert und sich schrittweise professionalisiert. Es war klar, dass wir die Brücke zwischen Unternehmen und dem sozialen Sektor nur schlagen können, wenn wir professionell und relativ groß anfangen. Zudem haben wir sehr heterogene Ansprechpartner – Vorstände von Unternehmen, Mitarbeiter in gemeinnützigen Einrichtungen. Ich habe innatura nach meinem 50sten Geburtstag gegründet und  habe mir die ersten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gesucht, die viel Erfahrung in den verschiedenen Funktionsfeldern haben.

Suchen Sie aktuell Mitarbeiter, und wenn ja, welche Qualitäten sollten diese mitbringen?

Wir suchen derzeit keine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, freuen uns aber, wenn uns Menschen ehrenamtlich unterstützen!

Wo soll die Reise für Ihr Startup in den nächsten 3 Jahren hingehen?

Die Aufbauphase eines Unternehmens wie innatura ist naturgemäß mit Anlaufverlusten verbunden.  Dass wir vor kurzem in ein neues Lager gezogen sind und personell aufgestockt haben zeigt, dass das Modell greift und wir uns etablieren. Wir sind optimistisch, den Breakeven 2018 zu erreichen.

Zum Abschluss: Welchen Tipp möchten Sie zukünftigen Gründern mit auf den Weg geben?

Es muss knistern! Es müssen nicht nur die Marktanalysen stimmen, sondern beim Gedanken an sein künftiges Unternehmen muss man auch „Schmetterlinge im Bauch“ haben! Man braucht Wagemut, darf aber keine unkalkulierbaren Risiken eingehen. GründerInnen müssen ihr Geschäftsmodell sehr genau verstehen und es immer wieder überprüfen.

Wer gründet, macht alles – Bereiche, für die es in großen Unternehmen ganze Abteilungen gibt, landen bei GründerInnen auf dem eigenen Schreibtisch. Es sind viele Aufgaben zu erledigen, die nicht den eigenen Interessen entsprechen. Die To-do-Liste ist lang, und ein paar Häkchen werden immer fehlen.

 

 

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