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Der Kampfsportgeist ist nachhaltig

© Vehement

Seine veganen Boxhandschuhe begeistern die Kampfsportszene bis in die Staaten, bieten eine echte Alternative und frischen das vegane Image auf. Doch Gründer Jan Lenarz ist weniger an Wachstum interessiert, als an echter Nachhaltigkeit.

1.06.2017

Grüne-Startups.de: Würdest Du uns Vehement kurz vorstellen und die bisherige Entwicklung schildern?

Jan Lenarz: Vehement ist die erste und einzige nachhaltige Kampfsportmarke der Welt. Wir produzieren vegane und sweatshop-freie Boxhandschuhe und Schutzausrüstung und betreiben ein Lager in Deutschland und eins in den USA.

Wie ist die Idee zu Vehement enstanden?

Ich trainiere seit einigen Jahren Kickboxen und als ich mich entschloss vegan zu leben, wollte ich keine Sportausrüstung aus Leder verwenden. Es gab zwar schon Kunstleder-Handschuhe auf dem Markt, diese waren aber immer nur eine billige Variante von Lederhandschuhen, furchtbar hässlich und minderwertig verarbeitet. Außerdem wird so ziemlich alle Sportausrüstung unter furchtbaren Bedingungen produziert. Das hat mich genervt, und so entschloss ich mich, eigene Handschuhe zu entwickeln.

Welches Geschäftsmodell verfolgt Vehement?

Vehement hat von Beginn an alles recht unkonventionell gemacht. Nicht als Marketing-Strategie, sondern weil ich keine Ahnung hatte, was ich eigentlich tue. Ich bin kein Unternehmer und kein Produktentwickler, hatte keine Ahnung von der Produktion und vom Import. Das war aber egal, denn der Bedarf nach nachhaltigen Alternativen ist enorm. Die erste Auflage der Boxhandschuhe wurde innerhalb eines Tages ausverkauft, da Vehement sehr schnell in der Szene auf großen Anklang stieß. Klar, viele haben sich über vegane Boxhandschuhe lustig gemacht, aber es gibt enorm viele Kampfportler*innen, die bewusst und nachhaltig leben. Was mich auch nicht wundert, denn Kampfsport ist ein sehr ganzheitlicher Sport und in vielen Kampfkünsten ist die Einheit von Mensch und Natur quasi in die Philosophie eingeimpft. Kampfsportler*innen, die auf das Wohl von Tier und Umwelt achten sind keine Seltenheit. So konnten wir von Anfang an auf die Unterstützung bekannter Kämpfer*innen und Bands zählen, wie z.B. die vegane MMA-Legende Mac Danzig oder US-Punkbands wie Boysetsfire. Dass wir von Beginn an quasi mit Preisen und Auszeichnungen überschüttet wurden, war sicher auch nicht verkehrt. Wir verkaufen unsere Produkte nur in unserem Onlineshop auf vhmnt.com und haben uns inzwischen in der Branche etabliert.

Welches Feedback bekommt ihr von euren Kunden?

Das Feedback der Kunden ist ausschließlich positiv. Uns erreichen zahlreiche Dankes-E-Mails. Viele Menschen schätzen es einfach sehr, dass sie ihr Hobby nun mit ihren moralischen Werten verbinden können. Wir positionieren uns nach wie vor als Unteground-Marke, die sich noch um soziale und ökologische Faktoren kümmert. Wir erhalten viele Reviews unseres Equipments und das Fazit ist meistens: besser als Tierleder. Denn unser Material Battleskin wird in Handarbeit genäht und die Nähte sind bei konventionellen Boxhandschuhen das Problem, nicht das Außenmaterial. Leder hält zwar ewig, aber wenn die Dämpfung und Nähte nach ein paar Trainingseinheiten kaputt gehen, geht dieser scheinbare Vorteil verloren. Unser Kunstleder ist extrem reissfest, so muss man keine Kompromisse eingehen. Und ich finde, das ist wichtig bei nachhaltigen Produkten. Wenn Nachhaltigkeit immer mit Abstrichen bei der Qualität verbunden ist, kann es nie bei der Masse ankommen.

Welche Trends verfolgst du im veganen Bereich mit Spannung?

Ich beschäftige mich viel mit Branding und der Psychologie von Nachhaltigkeit. Also von der Innovation zur Marktakzeptanz. Hier finde ich es spannend zu sehen, wie Veganismus nach dem großen Hype und der oft ablehnenden Haltung der Bevölkerung nun langsam das Level der Akzeptanz erreicht. Hier gibt es aber noch viel zu tun, damit die vegane Lebensweise nicht als Nische nur für „Hippies und Hipster“ wahrgenommen wird, sondern als echte und praktikable Alternative.

Was waren die bisher größten Herausforderungen für Vehement?

Die größte Herausforderung war sicher die Einrichtung eines Versandlagers in Los Angeles. Außerdem ist die Aufklärung, dass vegane Produkte nicht automatisch schlechter sind, eine große Herausforderung, die immer noch andauert. Hier sehen wir uns mit vielen Vorurteilen gerade in der Sportszene konfrontiert. Da hilft aber stoische Informationsverbreitung. Z.B. dass Kunstleder wesentlich hygienischer im Sportbereich ist, da es abwaschbar ist und nicht brüchig wird und Lederprodukte deswegen im Vollkontaktsport eigentlich verbannt werden müssten.

Welche langfristigen Ziele verfolgt das Unternehmen?

Ich müsste jetzt wahrscheinlich sowas schreiben, wie dass ich Vehement bald in allen Märkten und Gyms sehe und wir radikal expandieren. Aber meine Ziele sind recht bescheiden. Wachstum ist nicht alles. Ich lege viel Wert auf Achtsamkeit und Stressvermeidung. Freizeit zu haben ist mir wichtiger als Geld.

In der Szene sind wir inzwischen sehr bekannt und wir sind die einzige Marke, auf die man stößt, wenn man nach veganen Boxhandschuhen im Internet sucht. Wir versuchen langsam das Sortiment auszubauen und auch in anderen Gebieten außer den USA und Europa verfügbar zu sein. Kunden aus Australien zahlen regelmäßig $80 USD um unsere Handschuhe zu bestellen, da sie unbedingt unser Equipment wollen. Hier suchen wir zurzeit nach internationalen Distributoren.

Ich selbst arbeite eigentlich als Autor und Verleger bei Ein guter Plan und bin nicht auf das ökonomische Wachstum von Vehement angewiesen. Mich interssiert eher, wie man unsere Produkte 100% nachhaltig bekommen kann, denn das sind sie trotz aller Bemühungen noch nicht. Da wir Kunstleder auf Kunststoffbasis verwenden verfolge ich Entwicklungen bei biologischen Kunststoffen sehr interessiert.

Welche Rolle werden deiner Meinung nach pflanzliche Produkte in zehn Jahren spielen?

Ich denke, dass wir gerade erst am Anfang der Entwicklung stehen. Die Menschen beschäftigen sich immer mehr mit nachhaltigen Lebensstilen und ich hoffe, dieser Trend setzt sich fort. Gerade bei Jugendlichen sehe ich einen Wandel zu mehr Nachhaltigkeit, da sie bereits mit einem Bewusstsein für die Probleme der Umweltzerstörung aufwachsen. Ich setze viel Hoffnung in die junge Generation und hoffe, dass ich mit Vehement ein bisschen helfen kann, zu zeigen, dass vegane Produkte aufregend und sogar martialisch sein können. Für viele junge Menschen ist das wichtig. Wohlfühl-Kuschel-Marken gibt es schon genug. Vehement ist radikal und politisch, auch wenn meine Marketing-Berater bei solchen Aussagen mit den Augen rollen. Die sagen immer, dass ich mainstreamiger auftreten muss, aber das passt nicht zu Vehement. Unser Claim ist: Bekämpfe deine Gegner, nicht deinen Planeten. Aber gerade so ein Auftreten hat uns viele Türen geöffnet.

Dein Insidertipp: Welches grüne Produkt hat Dich zuletzt fasziniert?

Meine Lieblingsprodukte sind Trinkflaschen aus Glas von Soulbottles, die mobile Po-Dusche von Happypo und Geschirr aus Kaffeesatz von Kaffeeform. Viele meiner Freunde arbeiten an nachhaltigen Ideen und es gibt ständig neue, nachhaltige Alternativen. In meiner Filterblase ist die Welt ein bisschen besser, als es in Wirklichkeit der Fall ist, aber das macht mir Hoffnung.

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