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Der Vegetarierbund Deutschland fördert grüne Startups

© Bjørn Fehl

Es gibt eine Adresse für Vegetarier und Veganer in Deutschland, und das seit mehr als einem Jahrhundert: Der VEBU (Vegetarierbund Deutschland) unterstützt auch grüne Startups. Geschäftsführer Sebastian Joy im Interview.

1.06.2017

Grüne-Startups.de: Würden Sie uns VEBU kurz vorstellen und die bisherige Entwicklung schildern?

Sebastian Joy: Der VEBU ist die größte Interessenvertretung vegetarisch und vegan lebender Menschen in Deutschland. Seit 1867 setzt sich der VEBU dafür ein, den Fleischkonsum dauerhaft zu senken und eine pflanzliche Lebensweise als gesunde Alternative allen Menschen zugänglich zu machen. Für Experten und Verbraucher hat sich die Organisation als erste Anlaufstelle in allen Fragen des vegetarisch-veganen Lebens etabliert.

Der VEBU ist in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen und hat sich zunehmend professionalisiert. Von 3.500 Mitgliedern im Jahr 2008 sind wir auf mittlerweile 14.000 Mitglieder gewachsen. Der VEBU ist heute sehr breit aufgestellt. Er setzt sich auf politischer, wirtschaftlicher und sozialer Ebene für die Interessen vegetarisch und vegan lebender Menschen ein. Er bietet zum Beispiel Kochschulungen für Küchenchefs, die Lizenzierung von vegetarischen und veganen Produkten mit dem Qualitätssiegel “V-Label”, Aktionstage zu gesunder pflanzlicher Ernährung an Schulen im Rahmen der Aktion Pflanzen-Power oder die Beratung von Veggie-Unternehmen an.

Wie unterstützt der VEBU vegane Start-ups?

Für Gründer bieten die gegenwärtigen Entwicklungen optimale Möglichkeiten, den Veggie-Markt mit innovativen Geschäftsideen zu erobern. Seit 2013 unterstützt der VEBU künftige Existenzgründer mit Seminaren und Beratung rund um den Start eines eigenen Unternehmens. Das Ziel von VEBU-Start-Up besteht darin, engagierte Gründer bei ihrer Vorbereitung auf die Selbstständigkeit und während der Gründung zu begleiten. Dafür stellt VEBU-Start-Up sein Netzwerk aus Gastronomie-, Marketing- und Business-Experten zur Verfügung. Einblicke in aktuelle Marktdaten sowie eine Zielgruppenanalyse gehören zum Angebot. Die ersten gelungenen Geschäftskonzepte, die aus der Begleitung durch VEBU-Start-Up entstanden sind, haben sich am Markt bewährt.

Wie will VEBU zu einer nachhaltigeren Gesellschaft beitragen?

Viele der weltweit drängendsten Probleme haben eine gemeinsame Ursache: unsere Ernährung. Indem der VEBU die Aufmerksamkeit auf die Vorteile eines pflanzenbasierten Lebensstil lenkt, möchte er Menschen motivieren, sich stärker mit ihrer Ernährung auseinanderzusetzen. Eine pflanzliche Ernährung schützt die Tiere, die Umwelt und die eigene Gesundheit. Darüber hinaus schmeckt sie auch noch richtig lecker und bietet viel Raum zum ausprobieren. Der VEBU unterstützt beim Start in eine genussvolle Ernährung mit zahlreichen Angeboten und motivierenden Kampagnen. Er stellt Menschen praktische Tipps und vielfältige Informationen zur Verfügung, damit sie informierte und selbstbestimmte Entscheidungen in Bezug auf ihre Ernährung treffen können.

Welche Trends verfolgen Sie im Bereich vegane Ernährung mit Spannung?

Viele Veggie-Produkte sind ja erst kurz am Markt. Hier wird in den nächsten Jahren noch sehr viel passieren. Die Hersteller sind ständig dabei, Produkte weiterzuentwickeln, zu verbessern und den Anforderungen der Konsumenten anzupassen. Dafür werden auch immer neue Rohstoffe erschlossen, zum Beispiel Erbsen, Lupinen oder Hanf. Die Möglichkeiten, die sich den Produktentwicklern heute bieten, sind vielfältig. Das bietet Gründern vielen Chancen neue Produkten auf den Markt zu bringen. Und die vegane Lebensweise geht ja mittlerweile auch über die Ernährung hinaus: Vegane Kleidung oder vegane Kosmetik sind gerade sehr im Aufwind. Auf der VeggieWorld, der größten Publikumsmesse für den veganen Lebensstil, stellen sich Hersteller mit ihren Produktneuheiten vor.

Was waren die bisher größten Herausforderungen für den VEBU?

Während vegetarisch zu leben heute schon ganz normal ist, ist eine rein pflanzliche – also vegane – Lebensweise für einige noch eine Besonderheit. Hier wollen wir Aufklärungsarbeit leisten und Berührungspunkte bieten. Dieser Herausforderung stellen wir uns tagtäglich, indem wir das Bewusstsein schärfen und uns vor allem an all diejenigen wenden, die ihren Fleischkonsum reduzieren wollen, denen aber teilweise noch Informationen und praktische Tipps fehlen. In den nächsten Jahren wird es immer normaler werden, sich immer stärker pflanzlich zu ernähren.

Welche langfristigen Ziele verfolgt die Organisation?

Die Veggie-Bewegung hat in den vergangenen Jahren in vielen Ländern an Zugkraft gewonnen. Besonders in Deutschland nimmt diese Entwicklung an Fahrt auf und hat die öffentliche und mediale Wahrnehmung spürbar verändert. Ein gesellschaftlicher Wandel hin zu einer nachhaltigen, gerechten und tierfreundlichen Ernährung wird hierzulande schrittweise zu einer realistischen Zukunftsperspektive. Diese Entwicklung gilt es nun auch in anderen Ländern voranzutreiben. Daher tritt der VEBU ab August unter dem neuen Namen ProVeg auch auf internationaler Ebene auf und wird sich mit Organisationen und Akteuren weltweit noch stärker vernetzen. ProVeg ist die erste weltweit tätige Organisation, die sich für die vegetarisch-vegane Lebensweise einsetzt.

Welche Rolle wird Ihrer Meinung nach pflanzenbasierte Nahrung in zehn Jahren spielen?

Der Vorstandsvorsitzende von Nestlé hat bereits vor einigen Jahren diagnostiziert, dass der Trend ins Vegetarische unaufhaltsam ist. Dieser Aussage stimme ich vollkommen zu. Die Argumente gegen Fleisch und für eine verstärkt vegetarische Gesellschaft sind so vielschichtig. Unser Bild von der Zukunft ist eine Gesellschaft, in der statt tierischer Lebensmittel und Produkte pflanzliche Alternativen auf den Teller kommen. Damit können wir konkret dem Klimawandel entgegenwirken, das Welthungerproblem in den Griff bekommen und das unnötige Töten von Milliarden von Tieren verhindern. Gleichzeitig würden zahlreiche ernährungsbedingte Zivilisationskrankheiten wie Diabetes, Übergewicht oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen gelindert werden oder vollkommen verschwinden.

Experten schätzen, dass bis zum Jahr 2020 gut 20 Prozent der Deutschen überwiegend vegetarisch essen – und man kann ja schon mal mit einem fleischfreien Tag pro Woche anfangen, sozusagen als Flexitarier.

Ihr Insidertipp: Welches grüne Produkt hat Sie zuletzt fasziniert?

Ich wohne in Berlin und bin meistens mit dem Fahrrad unterwegs. Wenn ich dann doch mal ein Auto brauche, nutze ich gern das Angebot von Carsharing. Ich finde es klasse, weniger zu kaufen und mehr zu teilen. So reduzieren wir unseren Ressourcenverbrauch und fördern auch das Gemeinschaftsgefühl.

VEBU-Start-up veranstaltet mehrmals im Jahr Beratungs- und Schulungsworkshops für Existenzgründer. Die nächsten Workshops finden im Juli und November statt.

Workshop-Termine von VEBU-Start-up:

  1. Juli 2017 (Anmeldefrist 24.6.2017).
  1. November 2017 (Anmeldefrist 4.11.2017).

Die Anmeldung zu allen Terminen erfolgt per E-Mail.

Weitere Informationen zu VEBU-Start-up finden Sie unter:

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