Nicht-Recycelbares recycelbar machen

„Die Natur kennt keinen Abfall, denn Abfall ist ein menschliches Konzept“, erläutert Philip Thinius. TerraCycle fokussiert sich auf Abfall, der bisher aus ökonomischen Gründen nicht recycelt, sondern verbrannt wird.

29.06.2016 aus der Themenreihe GRÜNE STARTUPS (JOBVERDE.de)

Philip, stell doch bitte Dich und das Startup TerraCycle kurz vor.

TerraCycle organisiert in 19 Ländern weltweit Lösungen für schwer recycelbare Abfälle. Aus Materialien wie Stifte, Zigarettenstummel, Quetschbeutel, Kosmetikprodukte oder Kaffeekapseln, die sonst in Müllverbrennungsanlagen oder auf Deponien landen würden, stellen wir neue, umweltfreundliche Produkte her.

Ich bin 28 Jahre jung und zog nach meinem Medienstudium von Hamburg wieder zurück in meine Heimatstadt Berlin, um hier das noch in den Startlöchern stehende Umweltunternehmen TerraCycle im Bereich Account Management zu unterstützen. Im Kontakt zu den Kooperationspartnern und Sammelteams sorge ich für das erfolgreiche Wachsen der verschiedenen Recyclingprogramme in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Welches „grüne“ Problem löst Ihr und welche Vision steckt hinter eurem Konzept?

TerraCycle fokussiert sich auf Abfall, der bisher aus ökonomischen Gründen nicht recycelt, sondern verbrannt wird. Für diesen Abfall ermöglichen wir die 100%ige Wiederverwertung, wobei die Neuproduktion der Materialien vermieden werden kann. Der ökologische Vorteil davon liegt auf der Hand. Unsere Vision ist es, nach dem Vorbild der Natur das Konzept Abfall abzuschaffen, indem wir das Nicht-Recycelbares recycelbar machen. Die Natur kennt keinen Abfall, denn Abfall ist ein menschliches Konzept!

Wie funktioniert Euer Geschäftsmodell?

Wir bieten nationale Recyclingprogramme an, die von über 50 der weltweit größten Firmen finanziell unterstützt werden. Insgesamt 60 Mio. Menschen nehmen an unseren Sammelprogrammen teil. Für den gesammelten Abfall erhalten die Sammelteams Spendengelder, die sie einer gemeinnützigen Organisation ihrer Wahl zukommen lassen können. So konnten weltweit bisher über 15 Millionen Euro Spenden gesammelt werden und mehr als 3 Milliarden Abfallartikel eingespart werden, die ansonsten auf Deponien oder in Müllverbrennungsanlagen gelandet wären. Durch Recycling kann diesem Abfall nun ein neues Leben gegeben werden und so werden z.B. aus Flipflops Spielplätze, aus Quetschbeuteln Parkbänke und aus Zigarettenstummeln werden Transportkisten!

Wie kam es zur Gründung?

TerraCycle wurde 2001 von Tom Szaky gegründet, damals ein Student an der Princeton Universität auf der Mission, das Konzept Abfall abzuschaffen. Er stellte hochwertige Dünger aus Essensresten her, verpackt in alten Plastikflaschen. Von diesen bescheidenen Anfängen hat sich TerraCycle zu einem Weltmarktführer beim Sammeln und Wiederverwerten von schwer zu recycelndem Abfall entwickelt und gilt als das am schnellsten wachsende Öko-Unternehmen.

Wie ist Euer Gründerteam aufgestellt? Welche fachlichen und sozialen Kompetenzen waren für den bisherigen Erfolg ausschlaggebend?

TerraCycle ist mittlerweile in 19 Ländern weltweit aktiv, aber abgesehen von der Hauptstelle in den USA, haben die Teams alle Startup-Größe und die Mitarbeiter jeweils diverse Kompetenzen. Es ist hilfreich, Menschen mit verschiedenen Hintergründen in einem Team zu haben, die sich ergänzen. Was letztlich zählt, ist aber nur die Begeisterung für die Sache.

Sucht Ihr aktuell Mitarbeiter und wenn ja, welche Qualitäten sollten diese mitbringen?

Aktuell sind wir voll besetzt.

Was waren die größten Stolpersteine auf  Eurem bisherigen Weg?

In Deutschland ist das Thema Recycling bereits viel besser in den Köpfen der Bevölkerung verankert. Das macht es für uns einerseits schwerer andererseits leichter. Schwerer, weil viele denken, dass es in unserem – zweifellos fortschrittlichen – Recyclingsystem keinen Grund gibt, noch mehr zu trennen. Leichter, weil sich immer mehr Leute für Nachhaltigkeit einsetzen wollen und sehen, dass wir mit Müllverbrennungsanlagen keine Kreislaufwirtschaft aufstellen können.

Und welche „Lessons Learned“ habt Ihr daraus gezogen?

Lokale Gegebenheiten und Kulturen müssen natürlich beachtet werden, aber dann heißt es, dran bleiben und die Idee kontinuierlich vorantreiben.

Gibt es noch andere grüne oder soziale Themen, die Du gerne mitgestalten würdest?

Die Ernährungswirtschaft lokal und nachhaltig zu gestalten, ist neben unserem Abfallproblem auf jeden Fall ein weiteres wichtiges und spannendes Thema.

Welchen Tipp würdest Du einem anderen grünen Startup oder Social Entrepreneur mit auf den Weg geben?

Am wichtigsten ist es, ein Team an Leuten zusammenzustellen, auf die man sich verlassen kann, und die bereit sind, über den Tellerrand zu gucken. Außerdem ist es wichtig, dass man voraus denkt und sich fragt, wie man sich als Unternehmen weiter entwickeln will, wie man wachsen kann. Man sollte immer bereit sein, neue Wege zu gehen, und darf sollte sich nie nur auf einen Gedanken versteifen. Gleichzeitig muss man natürlich auch sicherstellen, dass man den Fokus darauf setzt, womit man tatsächlich auch Geld verdienen kann.

Vielen Dank für das Gesräch!

 

Kontakt

Lisa Henhofer
Public Relations
TerraCycle Deutschland, Österreich, Schweiz
+49 (0)30 2000 62 – 204
www.terracycle.eu

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