Life in Plastic, it’s not fantastic

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Plastikmüll - Bild: Jennifer Timrott Küste gegen Plastik für flustix

INTERVIEW | Damit unsere Umwelt nicht weiter im Plastikmüll versinkt, will flustix Plastik neu denken. Was damit gemeint ist und wie diese Idee umgesetzt werden kann, haben wir den Gründer Malte Biss gefragt. 

Jedes Jahr gelangen 4,8 bis 12,7 Millionen Tonnen Plastik in die Meere. Dieser gefährdet das Leben von etlichen Meeressäugern, Fischen und Meeresvögel. Wegen Plastikmüll sterben jedes Jahr bis zu 135.000 Meeressäuger und eine Million Meeresvögel. Plastikmüll, welcher ins Meer gelangt, zerfällt nur sehr langsam in immer kleinere Partikel, bis am Ende das bekannte Mikroplastik übrig bleibt. In gewissen Quantitäten aufgenommen kann Mikroplastik den Tieren und Menschen schaden. In unserer Wegwerfgesellschaft produzieren wir Plastik und schmeißen ihn weg, nur um wieder neues aus Erdöl zu produzieren. Malte Biss konnte dem Spielchen nicht weiter zusehen und hat flustix gegründet. Das Startup hat Siegel entwickelt, anhand denen sich Kundinnen und Kunden orientieren können und nachhaltig sowie plastikfrei handeln können. Um mehr über die Siegel und ihren Einsatz zu erfahren, haben wir dem Geschäftsführer Malte Biss ein paar Fragen gestellt. 

GRÜNE-STARTUPS: Was ist flustix und was hat dich dazu bewegt, flustix ins Leben zu rufen? 

Malte Biss: Das weltweite Plastikproblem hat nie dagewesene Dimensionen erreicht, weshalb unser Plastikkonsum dringend überdacht werden muss. flustix testet und kennzeichnet daher unabhängig und transparent nachhaltige Kunststoffprodukte. Unsere Motivation ist es, einen verantwortungsvolleren Umgang mit Kunststoffen zu fördern, den Einsatz von sinnlosen Einwegkunststoffen zu reduzieren und eine funktionierende Kreislaufwirtschaft zu erreichen. Wir bei flustix sind uns bewusst, dass es dafür eines großen Bedarfs an Transparenz bezüglich des Einsatzes von recycelten Materialien in Waren, Verpackungen und auch bei den Rohstoffen bedarf. Deshalb haben wir unsere ergänzenden Siegel “flustix RECYCLED- DIN geprüft” und „flustix RECYCABLE – DIN plus“ am Markt etabliert.

Malte Biss im Porträt – Bild: flustix

Es gibt ja nicht nur ein flustix-Siegel. Könntest du die einzelnen Siegel kurz erklären? 

Es gibt sechs unterschiedliche flustix-Siegel: Die vier flustix PLASTIKFREI-Zeichen zeichnen in Zusammenarbeit mit den akkreditierten Laboren der Wessling-Gruppe und DIN CERTCO, Gesellschaft für Konformitätsbewertung, das kumulative Produkt sowie jeweils die Verpackung oder das Produkt aus, wie auch Produktinhalte ohne Mikroplastik. Das flustix RECYCLED-Siegel zertifiziert Rezyklate, Halbzeuge und Produkte mit Plastik-Rezyklat-Anteil. Flustix RECYCLABLE – DIN plus kommuniziert unabhängig die Recyclingfähigkeit von Verpackungen. 

Für welche Produktkategorien können die Flustix-Siegel verwendet werden? 

Die flustix PLASTIKFREI-Siegel zeichnen alle Produkte aus, die plastikfrei sind – mit Fokus auf jegliche täglichen Konsumgüter. Ein Artikel gilt als plastikfrei, wenn das Produkt, so wie es dem Endverbraucher auf der letzten Handelsstufe entgegentritt, ausschließlich aus Materialien, Werkstoffen oder Waren besteht, welche keine Kunststoffe enthalten. Geprüft mikroplastikfreie Inhalte wie z.B. vereinzelte zunehmend gefährdete Lebensmittel, Kosmetika oder Wasch-, Putz- und Reinigungsmittel kennzeichnet das flustix mit dem Siegel flustix PRODUKTINHALT OHNE MIKROPLASTIK. flustix beruft sich bei der Zertifizierung stets auf international anerkannte aktuelle Standards.

Das Siegel flustix RECYCLED – DIN geprüft dient ebenfalls der Auszeichnung von Produkten – wenn diese einen Rezyklatanteil haben, der prozentual für Verbraucher ausgewiesen wird. Daneben können Unternehmen auch Produkt-Vorstufe zertifizieren lassen – Flakes, Mahlgut, Rezyklate selbst und Halbzeuge, was den internationalen Rezyklate-Handel transparent und attraktiver macht.

Mit dem flustix RECYCABLE-Siegel zeichnen wir gemeinsam mit dem etablierten Zertifizierungspartner DIN CERTCO (TÜV Rheinland) die Recyclingfähigkeit von Verpackungen aus.

Siegelreihe – Bild: flustix

Was macht flustix in der Welt der Siegel einzigartig? 

Bei flustix wird auf Basis von international anerkannten Standards unabhängig getestet, geprüft und unabhängig zertifiziert und lizenziert. Wir bieten größtmögliche Sicherheit, für Unternehmen und Verbraucher. flustix setzt im Kampf gegen das Plastikproblem ganz am Anfang an: Bei der Vermeidung von neuem Kunststoff und der Förderung einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft. Viele Siegel zeichnen zusätzliches oder nachträgliches Engagement aus – bspw. die Klimakompensation. Hierbei müssen Unternehmen jedoch nichts ändern an ihrer Produktion und den Produkten selbst, sondern es findet nur ein Ausgleich im Nachhinein statt. Mit unseren Siegeln fördern wir ein Umdenken auf Unternehmensebene, wir geben einen Anreiz – mit der glaubwürdigen Kommunikation am POS – etwas zu verändern. Produkte und Verpackungen werden neu gedacht. Ganz nach dem Motto „rethink plastics“. Dies wird langfristig einen großen Impact haben, denn nur wenn weniger Plastik genutzt und mehr im Kreislauf gehalten wird, ist die Kunststoff-Herausforderung lösbar.

Welche Trends in der Bekämpfung von Plastikmüll findest du besonders spannend? 

Zunächst sehe ich die Bekämpfung von Plastikmüll nicht als Trend, sondern als wichtiges, mittlerweile fest etabliertes, Thema. Und hier ist es wichtig, dass es möglichst viele Ansätze, Ideen und Konzepte gibt – denn nur mit klaren Lösungen können wir dieses Problem allmählich in den Griff bekommen. Dass derzeit von allen Seiten an das Problem herangegangen wird – von der Vermeidung von neuem Kunststoff über eine funktionierende Kreislaufwirtschaft für bestehendes Plastik, beides Aspekte, die wir bei Flustix tangieren, bis hin zur Säuberung der Umwelt von den Plastikmengen, die bereits ihren Weg in die Natur gefunden haben. Jede und jeder kann seinen Beitrag leisten – wir brauchen eine Bewegung, die von Unternehmen und Industrie, über die Politik bis hin zum einzelnen Konsumenten weltweit alle Bereiche einbezieht und bei der möglichst viele an einem Strang ziehen. Nur gut informierte Konsument*innen können eine nachhaltige Kaufentscheidung treffen – das will und wird flustix erreichen.

Plastikmüll – Bild: Jennifer Timrott Küste gegen Plastik für flustix

Denkst du, dass die Pandemie einen Einfluss auf das Plastikproblem hat? 

Untersuchungen haben gezeigt, dass sich die Pandemie leider negativ auf das Plastikproblem auswirkt – unmittelbar durch die enorm gestiegene Menge an verwendeten Einwegmasken, Handschuhen, den erhöhten medizinischen Bedarf wie Testkits und Material für Impfungen als auch indirekt durch den veränderten Lebensstil. To-Go-Verpackungen von Restaurants und Cafés bestehen leider meist noch aus Plastik bzw. Styropor, viele Onlineversandhändler verpacken noch in Kunststoff. Dadurch wird der Kampf gegen Plastik noch relevanter und noch dringlicher – wir erleben in der Zeit der Pandemie gerade einen Rückschritt, insbesondere auch weil Vieles (wie Einwegmasken und To-Go-Plastik-Material) nicht ordnungsgemäß entsorgt wird und direkt zum Umweltproblem wird.

Aber das Thema selbst hat durch die Pandemie an Bedeutung gewonnen, weil wir alle gesehen haben, wie schnell wir empfindlich zu treffen sind. Ein Umdenken hat definitiv stattgefunden.

Was erhofft ihr euch für die Zukunft von flustix und der Plastikfreiheit allgemein?

Immer mehr Unternehmen arbeiten an Alternativen, um Plastik vermeiden zu können – das erleben wir täglich. Die Forschung macht große Fortschritte, sodass der Verzicht auf Kunststoff überhaupt erst möglich wird. Das wird weiter anhalten, die Konsument*innen werden noch bewusster einkaufen (die Nachfrage an plastikfreien Produkten steigt!) und Unternehmen werden weiter umdenken. Auch weil es langfristig zum Wettbewerbsvorteil wird – und das ist ein Aspekt, der wirtschaftlich überzeugt. Mit flustix arbeiten wir daran, dass das Engagement transparent und glaubwürdig kommuniziert werden kann. Leider gibt es noch einige schwarze Schafe, die mit der Selbstdeklarationen von vermeintlicher Plastikfreiheit das Vertrauen der Verbraucher ausnutzen. Mit unseren Partnern und dem unabhängigen Prüfsystem möchten wir dieser Art von Greenwashing unbedingt Einhalt gebieten und hoffen, dass sowohl die Politik im Bezug auf Verbrauchertäuschung noch aktiver wird als auch Konsument*innen Werbeaussagen noch kritischer hinterfragen. 

Vielen Dank für das Interview, Malte! 

 

 

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Bilder: flustix, Jennifer Timrott Küste gegen Plastik für flustix

 

 

1 Kommentar zu Life in Plastic, it’s not fantastic

  1. Sehr interessantes Interview!
    Ich finde es generell wichtig, dass man sich mit dem Plastikproblem auseinandersetzt, da es eben in gewissen Bereichen (noch) keine wirkliche Alternative zu Plastik gibt. Das Problem liegt für mich darin, dass unsere Konsumgesellschaft einfach nix vom Recycling hat, so blöd und traurig es auch klingt. In Deutschland funktioniert das Pfandsystem auch nur zumindest weitestgehend deshalb, weil man ein wenig Geld dafür wieder zurück bekommt.
    Zu der Frage im Text: Ich denke schon, dass die Pandemie zu dem Problem beiträgt – und das sogar stark. Viele shoppen ohne Ende aus purer Langeweile und das dann auch online. Da wird aus Kostengründen natürlich noch stark auf Plastikverpackungen gesetzt.

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