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Foodsharing

50% der Lebensmittel werden in Deutschland verschwendet. 17.000 ehrenamtliche Foodsaver kümmern sich bereits um die Rettung von Lebensmitteln von über 2.500 Kooperationspartnern.
13.06.2016 aus der Themenreihe GRÜNE STARTUPS (JOBVERDE.de)

Raphael, stell doch bitte Dich und dein Startup foodsharing.de einmal kurz vor.

Ich habe von 2010 bis 2015 im Geldstreik gelebt und bevor das legale Lebensmittelretten losging, habe ich über 8 Monate containert, um Bewusstsein zu schaffen für die Lebensmittelverschwendung von rund 50% in Deutschland. Mein Ziel war es aber nicht nur für mich kostenlos an Lebensmittel zu kommen, sondern allen Menschen auf einfach Art und Weise zu ermöglichen gegen die Ressourcenverschwendung einzusetzen, deswegen habe ich an die Bioläden geschriebenm ob es nicht möglich sei eine Win-Win Situation für alle Beteiligten zu schaffen, so dass die unverkäuflichen aber noch genießbaren Lebensmittel von den LebensmittelretterInnen legal vor dem Wurf in die Tonne bewahrt werden können.

Der Beginn der Lebensmittelretten Bewegung  war im März 2012 in Berlin, rund 9 Monate später ging die Lebensmittelverschenkplattform foodsharing.de online, welche von Valentin Thurn gegründet wurde. Thurn, Regieusseur von Taste the Waste wollte mehr machen als nur einen Dokumentarfilm und gründete deswegen den foodsharing e.V. bzw. die gleichnamige Plattform. Am 12.12.2014 fusionierten wir die Lebensmittelretten.de Plattform mit foodsharing.de unter dem Namen foodsharing, wo nun alle Funktionen auf einer Plattform vereint wurden.

Über www.foodsharing.de können NutzerInnen außerdem digitale Essenskörbe erstellen und damit zu verschenkende Lebensmittel anbieten. Auf der Übersichtskarte der Plattform kann man Essenskörbe einsehen, bei Interesse anfragen und sich so zur Übergabe verabreden. Damit auch Menschen erreicht werden, die keinen Internetzugang haben und um die Verteilung von zu verschenkenden Lebensmitteln zu vereinfachen, wurden über 300 offizielle Fair-Teiler errichtet. Das sind öffentlich zugängliche Kühlschränke und Regale, in denen überschüssige, aber noch genießbare Lebensmittel zur Verfügung gestellt und für den eigenen Bedarf entnommen werden können.

Bei foodsharing sind alle Menschen willkommen, ungeachtet der Herkunft oder des sozialen Status. Es ist uns wichtig, dass Menschen sich aus freien Stücken, bedingungslos und aus Überzeugung gegen Lebensmittelverschwendung einsetzen. Egal, ob sie die geretteten Lebensmittel selbst verzehren, an Nachbarn, Obdachlosenheime, WG-Mitglieder, Menschen auf der Straße, Flüchtlingsunterkünfte, Projekte, online oder anderweitig verteilen.

Des Weiteren pflegt foodsharing eine enge Kooperation mit den Tafeln. Wenn die Tafel bei einem Betrieb nicht mehr abholen kann, springt foodsharing ein und umgekehrt überlässt foodsharing den Tafeln den Vortritt bei Lebensmittelabholungen in Betrieben.

Welches „grüne“ Problem löst Ihr und welche Vision steckt hinter eurem Konzept?

Unsere Vision ist es die Lebensmittelverschwendung zu beenden und uns überflüssig zu machen, weil es keine Lebensmittel mehr zu retten gibt. Um dieses Ziel zu erreichen schaffen wir Bewusstsein für die derzeitige Verschwendung von rund 50% aller Lebensmittel die in Deutschland verschwendet werden durch Vorträge, Kampagnen, Medienauftritten, aber vor allem durch die 17.000 ehrenamtlichen Foodsaver (LebensmittelretterInnen) die sich, um die Rettung von Lebensmitteln von über 2.500 Kooperationspartnern (Bäckereien, Supermärkten, Produzenten etc.) kümmern.

Wie funktioniert Euer Geschäftsmodell?

Da es bei foodsharing nur eine bezahlte Stelle gibt (die Geschäfsführung) und wir fast keine Ausgaben haben, weil wir kostenlos Server, Räumlichkeiten, Flyer, Post, Domains usw. bekommen bzw. die Freiwilligen von foodsharing bereits über 600.000 Stunden unentgeltlich für die Sache eingebracht haben, gibt es nicht wirklich ein Geschäftsmodell, viel mehr ein Modell 😉 Das Modell beruht stark auf dem Freiwilligen Engangement von vielen, was ich durch meinen 5 jährigen Geldstreik vornehmlich vorangegracht haben und darauf beruht vorhandenes zu nutzen, sei es Lebensmittel oder Räumlichkeiten zum Treffen usw. anstatt neues zu konsumieren.

foodsharing funktioniert allerdings auch wirklich nur, weil sich von den ProgrammierInnen, DesignerInnen, Vorstand, BotschafterInnen, Foodsavern und allen anderen rein ehrenamtlich einbringen und Geld nur dann nutzen, wenn es keinen anderen Weg gibt. Dabei haben die Medien uns auch sehr geholfen, denn ohne die wären wir nicht in kürzester Zeit so bekannt geworden und hätten keine 4 Mio. Kilogramm Lebensmittel bei mehr als 350.000 Abholungen meistern können.

Wie ist dein persönlicher Background und wie kam es zur Gründung?

Ich habe damals im Jahr 2012 bereits 1,5 Jahre im Geldstreik gelebt und über 8 Monate in Berlin containert, um Bewusstsein zu schaffen für die Lebensmittelverschwendung von rund 50% in Deutschland. Mein Ziel war es aber nicht nur für mich kostenlos an Lebensmittel zu kommen, sondern allen Menschen auf einfach Art und Weise zu ermöglichen sich gegen die Ressourcenverschwendung einzusetzen, deswegen habe ich an die Bioläden geschrieben, ob es nicht möglich sei eine Win-Win Situation für alle Beteiligten zu schaffen, so dass die unverkäuflichen aber noch genießbaren Lebensmittel von den LebensmittelretterInnen legal vor dem Wurf in die Tonne bewahrt werden können.

Der Beginn der Lebensmittelretten Bewegung war im März 2012 in Berlin, rund 9 Monate später ging die Lebensmittelverschenkplattform foodsharing.de online, welche von Valentin Thurn gegründet wurde. Thurn, Regieusseur von Taste the Waste wollte mehr machen als nur einen Dokumentarfilm und gründete deswegen den foodsharing e.V. bzw. die gleichnamige Plattform. Am 12.12.2014 fusionierten wir die Lebensmittelretten.de Plattform mit foodsharing.de unter dem Namen foodsharing, wo nun alle Funktionen auf einer Plattform vereint wurden.

Wie ist Euer Gründerteam aufgestellt? Welche fachlichen und sozialen Kompetenzen waren für den bisherigen Erfolg ausschlaggebend?

Die besondere Stärke von foodsharing ist, dass viele Menschen aus ganz unterschiedlichen Bereichen mit dem gleichen Ziel sich gefunden habe und jedeR auf seine Art und Weise zum Gelingen beigetragen hat. Wir haben ein breit aufgestelltes Team von Menschen mit unterschiedlichster Berufserfahrung, die alle mit ihrem Wissen und Fähigkeiten zum Erfolg von foodsharing beigetragen haben. Sicherlich war dabei Raphael Wintrich, dem Programmier der Plattform der tausende Stunden in die Entwicklung gesteckt ganz besonders wichtig, damit das Projekt auch skalierbar werden konnte. Aber auch Valentin Thurn mit seinem Film „Taste the Waste“ hat maßgebend dazu geholfen in Deutschland ein fruchtbares Land für die Idee des Retten und Teilens von überschüssigen Lebensmittel zu gestalten. Selbverständlich, aber auch meine Medienpräsenz und Authentizität, also das Leben von den Themen auf die ich Aufmerksamkeit lenken wollte. Das Thema war und ist es immer noch ein Dauerbrenner in den Medien und hat uns so nicht nur geholfen Bewusstsein bei Millionen Menschen zu schaffen sowie den Handel zu sensibilisieren, sondern auch Aktive Menschen die sich ehrenamtlich in mittlerweile allen großen und kleinen Städten in AT, CH und D zusammen mit foodsharing gegen die Verschwendung einbringen.

Sucht Ihr aktuell Mitarbeiter und wenn ja, welche Qualitäten sollten diese mitbringen?

foodsharing sucht immer nach engagierten Menschen die sich einbringen wollen, ob nun als Foodsaver die bei Betrieben Lebensmittel retten und verteilen, Menschen die sich um die mittlerweile über 300 Fair-Teiler kümmern, also Kühlschränke und Regale wo jedeR Lebensmittel rein- bzw. rausnehmen kann, oder BotschafterInnen die sich um Treffen kümmern, Probleme lösen und neue Foodsaver einführen, aber auch DesignerInnen, ProgrammiererInnen und andere engagierte Menschen die sich mit ihren Fähigkeiten einbringen wollen sind jederzeit herzlich Willkommen. Bei foodsharing findet jedeR der will seinen Platz und Aufgabe – haben ja noch viel vor.

Was waren die größten Stolpersteine auf  Eurem bisherigen Weg?

Anfangs war es zunächst die Menge an Menschen die mitmachen wollten, dann aber schnell abgesprungen sind, was die BotschafterInnen überfordert hat, aber auch zu anderen Problemen führte. Da haben wir aber jetzt mit einem Quiz, was jedeR Foodsaver absolvieren muss, eine Übergangslösung gefunden. Derzeit ist das rasante Wachstum in den letzten Jahren zu der nach den Tafeln zweigrößten Organisation im deutschsprachigen Raum die sich gegen Lebensmittelverschwendung einsetzt ein Problem geworden. Da wir immer sehr beschäftig waren im Deutschsprachigem Raum Probleme zu lösen, ist die von Anfang an angestrebte Internationalisierung von foodsharing als Open Source Projekt leider ein wenig in den Hintergrund gerutscht. Mit dem Projekt yunity (www.yunity.org) haben wir, dass jetzt aber ausgelagert und einige Hauptverantworltiche Menschen von foodsharing kümmern sich nun gerade darum nicht nur für die bestehnde Deutschsprachige foodsharing Community eine verbesserte Software zu entwicklen, sondern weltweit allen Menschen das Retten und Teilen von Lebensmitteln zu ermöglichen.

In Berlin haben wir dazu gerade noch das Problem, dass uns die Behörden die Fair-Teiler als Lebensmittelbetriebe einstufen wollen, was die Fortführung der wunderbaren Erfindung der Fair-Teiler von foodsharing unmöglich machen würde. Dafür haben wir auch schon fast 30.000 Unterschriften gesammelt um die Fair-Teiler zu retten.

Und welche „Lessons Learned“ habt Ihr daraus gezogen?

Manchmal lieber das große Ganze im Blick zu haben, anstatt sich an zu vielen kleinen Baustellen aufzuhalten.

Gibt es noch andere grüne oder soziale Themen, die Du gerne mitgestalten würdest?

Mit yunity werden wir nicht nur das revolutionär einfache und sehr effektive Konzept des Lebensmittelrettens international kosten- und werbefrei zur Verfügung stellen, also es allen Menschen ermöglichen die foodsharing Erfolgsgeschichte in ihrer Region, Stadt oder Land nachzumachen, sondern das Prinzip auf alle anderen Ressourcen erweitern. Gemeint ist das Retten bei Blumen-, Kleider- und Buchläden, aber auch bei der Industrie und den Privathaushalten, die dann wie bei foodsharing auch Lebensmittel teilen können, aber auch Fähigkeiten, Räumlichkeiten usw. Ziel ist es ein neues Kapitel der Nachhaltigkeit einzuläuten und Menschen befähigen sich unter einander zu vernetzen und zusammen Vorhandenes besser und effizienter zu nutzen.

Welchen Tipp würdest Du einem anderen grünen Startup oder Social Entrepreneur mit auf den Weg geben?

Höre auf Dein Herz und traue Dich mit all Deiner Kraft Deiner Vision hinzugeben und vergiss dabei nie: „Wenn Du alleine träumst, bleibt es nur ein Traum, wenn Du aber beginnst den Traum mit anderen zu Teilen, ist es schon der Beginn einer neuen Realität“.

Vielen Dank!
KONTAKT

Raphael Fellmer
Gründer, Presse, Social Media, Internationalisierung

Foodsharing e.V.
Marsiliusstr 36
50937 Köln

info@foodsharing.de

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