Mehr ist mehr, wenn es um Spezialitätenkaffee und Recycling geht

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INTERVIEW | Weniger Ressourcen verbrauchen; mehr Klimaschutz. Mit jedem verkauften Spezialitätenkaffee wird Kunststoffrecycling in Äthiopien unterstützt. So das Geschäftsmodell des Startups Plastic2Beans. Im Interview erfährst du mehr. 

Für jede Plastikflasche, die nicht recycelt wird, wird eine neue produziert. Zur Herstellung einer Plastikflasche wird neues Erdöl und jede Menge Wasser benutzt. Auch klimaschädliche Emissionen werden hierbei freigesetzt. Um diese Probleme zu umgehen, soll mehr Plastik recycelt werden und eine wahre Kreislaufwirtschaft entstehen. Das ist besser für die Umwelt und macht auch deutlich mehr Sinn. Ein junges Unternehmen aus Köln, Plastic2Beans, sieht das auch so. Mit dem Verkauf ihres Bio-Spezialitätenkaffees fördern sie das Kunststoffrecycling in Äthiopien. So werden keine Pestizide eingesetzt und wertvolle Ressourcen geschont. An welchem Projekt Plastic2Beans gerade arbeitet und wie es überhaupt dazu kam, erzählt und das Team in diesem Interview. 

GRÜNE-STARTUPS.de: First things first. Was macht Plastic2Beans?

Wir sind Plastic2Beans und betreiben nachhaltigen Handel und Entwicklungszusammenarbeit in den Bereichen Kunstoffrecycling und Kaffee. Das heißt wir entwickeln gemeinsam mit unseren Partner:innen vor Ort Konzepte für den Aufbau einer Kreislaufwirtschaft. Dabei konzentriere wir uns hauptsächlich auf die Kunststoffindustrie und wollen diese gerade in Entwicklungsländern nachhaltiger machen. So steuern wir auch einen Teil dazu bei eine zukunftsfähige Wirtschaft und eine grünere Zukunft zu schaffen. Gleichzeitig kaufen wir biologisch angebauten und im direct trade fair gehandelten Spezialitäten Kaffee aus Äthiopien. Den bringen wir dann in deutsche (bzw. europäische) Büros und zu unseren Kund:innen nach Hause. Dabei achten wir strikt auf faire Bezahlung direkt an die Kollektive und verzichten auf Chemikalien und Pestizide. Durch die diversen Schwerpunkte in unserem Unternehmen sind wir sehr vielfältig aufgestellt und arbeiten mit vielen verschiedenen internationalen Partner:innen zusammen. So können wir ganz wunderbare Arbeit in verschiedenen Bereichen leisten. Dabei stehen bei all unseren Tätigkeiten Nachhaltigkeit, faire Löhne und sichere Arbeitsplätze im Fokus.

Das Team von Plastic2Beans – Bild: Plastic2Beans

Wie kam es zu der Gründung und wer hat sich den Namen ausgedacht?

Zu der Gründung kam es vor 3 Jahren als Abyie und Kalie sich eher zufällig beim Schwimmen mit ihren Kindern getroffen haben. Während die einen Schwimmflügel geteilt und Schwimm Tricks ausgetauscht haben, sind die beiden Väter ins Gespräch gekommen. Abiye, gebürtiger Äthiopier und Experte auf dem Gebiet Import/ Export von Kunststoffen in Äthiopien und Kalie, promovierter Polymerchemiker & leidenschaftlicher Kaffeetrinker kamen schnell auf die Idee ein gemeinsames Projekt zu starten um die äthiopische Kunststoffindustrie nachhaltiger zu gestalten und der wachsenden Wirtschaft und Rohstoffnachfrage eine nachhaltigere Zukunft zu geben. Gemeinsam mit dem damaligen Team überlegten wir, wie wir die Idee von Kaffee und Kunststoff in einer Kreislaufwirtschaft darstellen konnten. Nach vielen verrückten Skizzen, Namenskombination und verschiedenen Versuchen zwei so unterschiedliche Themen in einen Namen zu verpacken kam Kalie erstmal provisorisch auf den Namen plastic2beans. Seitdem haben wir den Namen nicht geändert. Obwohl wir immer mal wieder drüber nachgedacht haben ihn zu ändern. Bisher sind wir dann doch bei ihm geblieben. Gerade im Kaffeebereich sorgte er aber schon oft für Verwirrung und die Leute haben gefragt:”Ist dann Plastik in meinem Kaffee?” Viele lesen sich dann ein und erfahren so mehr über uns oder sprechen uns direkt an. Also eigentlich ist der Name ein super Marketing Gag.

Mittlerweile gibt es einige Kaffee-Startups. Was macht Plastic2Beans Kaffee besonders?

Das besondere ist, dass unser Kaffee geschmacklich hervorragend ist und als Spezialitätenkaffee ausgezeichnet ist. Das heißt unser Kaffee kann auch richtige Nerds überzeugen. Denn unsere Bohnen wurden von unabhängigen Expert:innen auf einer Qualitätsskala von 1-100 mit mindestens 84 Punkten bewertet. Ab 80 Punkten fällt man in die Kategorie Spezialitätenkaffee. Gleichzeitig haben wir auch soziale und ökologische Standards. Und dazu muss man sagen, dass wir ja einen doppelten Impact erzielen, durch unseren Projekte im Bereich Kunststoffrecycling. Sprich: mit jeder Tasse Kaffee von uns unterstützt man den Aufbau einer Kreislaufwirtschaft. Wasser und Energie werden also nicht nur durch den ökologischen Anbau und die schonende Weiterverarbeitung des Kaffees eingespart, sondern auch noch mehr Ressourcen, wie Rohöl, oder klimaschädliche Emissionen durch das Kunststoffrecycling was wir mit aufbauen. Mit unserem aktuellen Projekt sind wir mit dabei die erste PET Bottle-to-Bottle Anlage in ganz Äthiopien, bzw. ganz Ost-Afrika, aufzubauen. Kaum andere Anbieter:innen haben zusätzlich einen so großen ökologischen und sozialen Hebel. Wir vereinen echte Qualität und Geschmack mit Nachhaltigkeit. 

Äthiopien befindet sich ja nicht um die Ecke. Setzt ihr auch bei dem Transport der Waren auf Nachhaltigkeit?

Grundsätzlich achten wir entlang unserer gesamten Lieferkette auf Nachhaltigkeit. Auch im Büro, im Café, bei lokalen Lieferungen, bei unseren Verpackungen unseren Produkten und bald wollen wir auch bei unserer Webseite auf klimafreundliche Modelle setzten. Dementsprechend ist uns auch eine möglichst nachhaltige Lieferkette vom Anbau bis in die Tasse wichtig. Bei dieser Art von Produkten kann das besonders schwierig sein. Trotzdem haben wir den Teil der Lieferkette der besonders klimaschädlich ist, nämlich der Anbau, jetzt schon bewusst sehr nachhaltig gestaltet. Was wir selbst vorher auch nicht wussten ist, dass sehr viele Emissionen im Anbau entstehen, durch Dünger, maschinelle Verarbeitung und Ernte. Hier verzichten unsere Partner:innen strikt auf Chemikalien und Pestizide. Unser Wallaga Henna ist zudem sonnengetrocknet und spart dadurch erneut Energie und Wasser eines maschinellen Trocknungsverfahrens ein. Allerdings muss man hier auch sagen, dass Transportemissionen nur einen geringen Teil der Gesamtemissionen ausmachen. Trotzdem achten wir natürlich auf Schiffstransporte und nutzen keine Transporte mit dem Flugzeug. Diese Variante ist noch die schonendste, da Tonnenweise Güter verschifft werden können. Dieser Massentransport verringert die Emissionen pro Produkt, sind aber natürlich immer noch schädlich. Bei der Auslieferung in Deutschland haben wir unser Liefersystem des Onlineshops so optimiert, dass die Produkte direkt von der Rösterei zu den Kund:innen geschickt werden. Die Produkte gehen nicht erst zu uns oder einer anderen Stelle, sondern werden effizient verteilt. 

Welche Projekte betreut Plastic2Beans zurzeit?

Aktuell sind wir teil eines internationalen Teams das die erste PET Bottle to Bottle Anlage in ganz Äthiopien, bzw. ganz Ostafrika, an den Start bringt. Durch diese können die Rohstoffe von 5-6 Mrd. Plastikflaschen jährlich wieder verwendet werden und 25 000 Tonnen CO2 eingespart werden. Das ist für uns ein echter Meilenstein. Außerdem haben wir gerade den Verein Circular Economy 4 Africa mit einigen anderen größeren Unternehmen gegründet. In Köln haben wir ein Café eröffnet mit dem wir an den Start gehen, wenn Gastronomie wieder möglich ist. Hier vertreiben wir lokal unsere neuen Mehrweg Glasflaschen, die einfach wiederbefüllt werden können und bereits ins Pfandsystem integriert sind. Damit wollen wir uns bald in Lebensmittelmärkten platzieren.

Die Mehrweg Glasflaschen – Bild: Plastic2Beans

Wie schätzt ihr die Zukunft des Recyclings in Äthiopien und euer Einfluss darauf ein?

Hoffentlich wächst die Recyclingwirtschaft global mit und ohne uns, sodass kreislaufwirtschaftliche Ideen und Konzepte weiter verfolgt werden. Durch beispielsweise weitere recycling Anlagen können zusätzliche Emissionen, Rohöl, Wasser und Energie eingespart werden. Das ökologische Potenzial ist enorm. Mit einem nachhaltigen Aufbau dieser gerade erst entstehenden Branchen (vor allem) in Entwicklungsländern entstehen neue internationale Forschungsgruppen oder Teams, die zusammenarbeit und neue kooperative Zusammenschlüsse erarbeiten müssen. Wir hoffen Teil von einer solchen Transformation sein zu können und mit Partner:innen vor Ort eng zusammen zu arbeiten. Aus der Resonanz zu unserem ersten PET Projekt und dem Feedback aus der Müllverwertung/Recycling Branche können wir viel Energie schöpfen. Viele Partner:innen und lokale Akteur:innen arbeiten an tollen anderen Projekten der Kreislaufwirtschaft und fragen unsere Expertise an. Dadurch, dass wir mit dem Verein und unserem aktuellen Projekt ziemliche Pionier:innenarbeit leisten, sind wir für andere Projekte und Ideen Ansprechpart:in geworden. Das ist ein tolles Gefühl und wir wollen gemeinsam die Zukunft des Recyclings in Äthiopien und ganz Ost-Afrika mitgestalten.

Vielen Dank für das Interview, Team von Plastic2Beans! 

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Bilder: Unsplash, Plastic2Beans

 

 

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