Foodsharing-Startup: Ein wahrer Gaumenschmaus

© Schmaus

Wie verbindet man nachhaltigen Konsum mit leckeren, selbstgekochten Mahlzeiten und einer innovativen Geschäftsidee? Die Antwort: Schmaus – eine App, bei der Hobbyköche authentische Gerichte an Nachbarn und Leute aus ihrer Umgebung verkaufen können. Die Gründer Julien und Johannes stellen ihr Shared-Cooking-Startup im Interview vor.

1. Wann und wie entstand die Idee für Schmaus?

Die Idee zu Schmaus entstand schon vor ungefähr anderthalb Jahren. Julien hat letztes Jahr ein Auslandssemester in Tel Aviv verbracht und zu Beginn seiner Zeit dort alleine gewohnt. Da ist ihm aufgefallen, wie nervig es eigentlich ist, für sich alleine zu kochen. Meistens bleiben viel zu viele angebrochen Packungen und Zutaten übrig und teuer wird es auch. Warum also nicht ein bisschen mehr kochen, ein paar Portionen abgeben und die Kosten teilen? Daraufhin kam ihm dann die erste Idee zu Schmaus.
Anfang diesen Jahres haben wir dann unsere Masterarbeit geschrieben und dank Zeit- und Geldmangel ging es dann mittags und abends in die Mensa…und ohne Kritik an der Mensa üben zu wollen, hing uns das nach ein paar Wochen dann doch zum Hals raus. Als wir das dritte Mal darüber sinniert haben, wie perfekt es wäre, jetzt für kleines Geld etwas Authentisches und Selbstgekochtes zu essen zu bekommen, haben wir uns gedacht: Komm, wir machen Schmaus!

2. Welche Philosophie verfolgt Euer Startup?

Puh, wir philosophieren sehr gerne und sehr viel, aber bei weitem nicht alles davon macht auf irgendeine Art und Weise Sinn.

3. Welches Feedback erhaltet Ihr von den Kunden?

Wir haben bisher ein paar kleine Testläufe mit Schmaus gestartet, im erweiterten Freundeskreis. Das erste Feedback, das wir erhalten haben, motiviert uns in jedem Fall. Die Leute kennen die gleichen Probleme, die uns dazu getrieben haben, Schmaus zu starten. Und vor allem haben die Leute Lust zu kochen. Das Feedback ist definitiv, dass viele Leute Lust haben, ihre Begeisterung für das Essen und das Kochen mit anderen Menschen zu teilen!
 Wir bekommen auch viel individuelles Feedback, Verbesserungsvorschläge und Anregungen von unseren ersten Nutzern. Das hilft uns sehr, Schmaus zusammen mit unseren Kunden zu verbessern. Wir mussten jetzt noch einige rechtlichen Fragen klären, aber ab November geht es dann in Köln mit einer großen Testphase los. Also anmelden auf www.schmaus.community, mitschmausen und uns Feedback geben!Foto 12.07.17, 15 49 35

4. Wie setzt sich Schmaus für Nachhaltigkeit ein, wie lebt Ihr Nachhaltigkeit?

Wir glauben, dass die Idee von Schmaus selbst schon zur Nachhaltigkeit beiträgt. Wenn eine Person für vier Leute kocht, ist das wesentlich effizienter, als wenn vier Personen jeweils für sich alleine kochen. Es werden einfach weniger Ressourcen wie zum Beispiel Strom oder Küchengeräte verwendet und es fallen weniger angebrochene Verpackungen an, was wiederum zu weniger Müll führt. Müll ist insgesamt ein großes Thema bei uns, da unsere Idee ja auf einem Take-Away-System basiert. Wir wollen natürlich verhindern, dass dadurch unnötiger Müll anfällt, weswegen wir unsere Kunden dazu anhalten, ihre eigenen Aufbewahrungsboxen mitzubringen. Wer spontan keine dabei hat, bekommt von unseren Köchen eine biologisch-abbaubare Take-Away-Kartonbox von Bionatic mit, die wir den Köchen zur Verfügung stellen.
Persönlich glauben wir, dass Nachhaltigkeit mit den kleinen Dingen, die jedervon uns tun kann, beginnt. Einfach mal die Heizung auslassen oder nur reguliert aufdrehen, wenn es noch nicht bitterkalt ist, öfter mal das Fahrrad nehmen oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren. Außerdem versuchen wir uns nachhaltiger zu ernähren, essen schon seit längerer Zeit vegetarisch und versuchen vermehrt auch an anderen tierischen Produkten zu sparen.

5. Vor welchen Herausforderungen standet Ihr bisher mit Eurer Geschäftsidee?

Herausforderungen gibt es sehr viele, wenn man dabei ist ein Unternehmen zu gründen. Erstmal ganz unabhängig von der Idee. Bei uns im Speziellen kommt sicherlich hinzu, dass das Lebensmittelrecht in Deutschland nicht ganz unkompliziert ist. Zu Recht wird natürlich sehr genau vorgeschrieben, wie mit Lebensmitteln umzugehen ist, um Hygienestandards zu bewahren und Verbraucher zu schützen. Da gibt es vielerlei Vorgaben, die wir berücksichtigen müssen, um gesetzeskonform, nachhaltig und gleichzeitig unkompliziert für unsere Nutzer sein zu können. Wir sind allerdings auf einem sehr guten Weg diese Herausforderungen zu meistern.
Eine weitere Challenge ist wahrscheinlich, dass wir uns den ganzen Tag im weiteren Sinne mit dem Thema „Essen“ beschäftigen, was einem schon mal zusetzen ka
nn, wenn der Magen schon in den Kniekehlen hängt und es noch eine Stunde bis zur Mittagspause ist.

6. Welche Trends und Entwicklungen findet Ihr im Bereich der grünen Food-Startups aktuell besonders spannend?

Foto 03.07.17, 19 53 14

Es ist zwar kein wirklich neuer Trend, aber für uns immer noch mit einer der wichtigsten: Die Vermeidung von Lebensmittelverschwendung, die Reduzierung von Food Waste. Das ist schon lange ein Thema und Projekte wie Foodsharing bieten tolle Alternativen bzw. Methoden zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen. Aber es werden immer noch deutlich zu viele Lebensmittel weggeschmissen, vor allem wenn man bedenkt, wie viele Menschen auf der Welt hungern. Deswegen ist das Thema auch einer der zentralen Gedanken bei Schmaus. In diesem Bereich finden wir besonders die Startups interessant, die sich mit den überschüssigen Lebensmitteln von Restaurants beschäftigen. Da gibt es ja einige, die in Deutschland kräftig an Bekanntheit zulegen. Ansonsten sind Ideen, die sich mit alternativen Nahrungsmitteln und Nährstoffquellen auseinandersetzen, unserer Meinung nach ein Trend bei nachhaltigen Food Startups – SWARM Protein zum Beispiel, die Insekten als neue Proteinquelle in den Mainstream bringen wollen.

7. Welche Pläne und Ziele habt Ihr mit Schmausr die Zukunft?

Unser Ziel mit Schmaus ist es, selbstgekochtes Essen wieder regelmäßig auf den Speiseplan der Leute zu bringen. Weniger Fast Food, weniger verpackungsintensive Fertiggerichte und mehr authentische, gesunde Gerichte – bewusst zubereitet. Wir möchten mit Schmaus eine Möglichkeit bieten, dass Leute sich den Aufwand und die Kosten des Kochens teilen, um ressourcensparender zu kochen und wieder ein stärkeres Bewusstsein für Essen und dessen Zubereitung entwickeln. Unser Traum ist natürlich, dass Schmaus in einigen Jahren eine tägliche Alternative für viele Menschen ist, um auf der einen Seite nicht für sich alleine kochen zu müssen oder aber unkompliziert an eine bezahlbare Mahlzeit zu kommen und dabei am besten noch eine neue Bekanntschaft im Viertel macht.
Unsere konkreten Pläne für die Zukunft sind es nun erst einmal Schmaus in Köln zu etablieren und dann hoffentlich bald auch in den nächsten Städten an den Start zu gehen.

Mehr Informationen zu Schmaus gibt es auf Ihrer Facebook-Seite

1 Kommentar zu Foodsharing-Startup: Ein wahrer Gaumenschmaus

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*