Der Insektenburger

Insekten sind in der asiatischen Küche ein ganz normales Lebensmittel noch dazu mit einer unschlagbaren CO2-Bilanz.  Max Krämer will nun mit seinem Insektenburger in Deutschland durchstarten und erläutert, wie er Europäern die Überwindung nehmen möchte (Bild © Wolfgang Beisert).

GRÜNE STARTUPS: Herr Krämer, stellen Sie doch bitte Ihr grünes Startup Bugfoundation kurz vor.

MAX KRÄMER: Unser Unternehmen entwickelt, produziert und vermarktet leckere, gesunde und nachhaltige Lebensmittel – aus Insekten. Wir haben den ersten deutschen Burgerpatty auf Insektenbasis entwickelt, den Bux Burger. Unser Patty ist gesund, nachhaltig und super lecker.

GS: Welches „grüne“ Problem lösen Sie und welche Vision steckt hinter Ihrem Konzept?

MK: Wir sind der Überzeugung, dass nachhaltige Lösungen aus der Wirtschaft heraus entstehen müssen, um langfristig einen großen Impact haben zu können. Die Fleischproduktion ist für ca. 30% der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Die Insektenzucht emittiert mit dem gleichen Protein-Output nur ein Bruchteil der Treibhausgasmenge und verbraucht drastisch weniger Land und Wasser. Auch ethisch hat die Insektenzucht gegenüber der klassischen Tierzucht große Vorteile, da Insekten relativ einfach artgerecht gehalten werden können. Gegenüber Soja-Burgern hat unser Bux Burger den Vorteil, dass er auch Kunden anspricht, welche nicht auf tierische Proteine verzichten wollen und trotzdem nachhaltig konsumieren möchten.

GS: Wie kann man Insektenverzehr in der westlichen Kultur mainstream-tauglich machen?

MK: Der Ekeleffekt wird vor allem durch die Optik hervorgerufen. Studien belegen, dass die Konsumenten durchaus bereit sind Insekten zu essen, sie müssen nur richtig „präsentiert“ werden. Deswegen haben wir uns über ein Jahr Zeit genommen den Bux Burger zu entwickeln. Wir haben ein hoch attraktives Produkt geschaffen welches optisch in keiner Weise an Insekten erinnert.

GS: Und welche Zielgruppen erreichen Sie aktuell?

MK: Unsere Zielgruppe wird klassischerweise als LOHAS beschrieben: Lifestyles of Health and Sustainability. Diese Gruppe achtet vermehrt auf ihr Konsumverhalten und möchte nachhaltig und gesund leben. Sie ist auch bereit, dafür ein wenig tiefer in die Tasche zu greifen.

GS: Wie sieht Ihr Geschäftsmodell aus?

MK: Wir sehen uns zu Beginn als eine Art Marktbereiter. Wir züchten die Insekten nicht selbst, sondern kaufen sie von Züchtern aus Belgien und den Niederlanden ein. Dadurch können wir uns besser auf Produktentwicklung und Vermarktung konzentrieren um den Markt um essbare Insekten überhaupt entstehen zu lassen. Denn nur wenn die Produkte ästhetisch sind und wirklich gut schmecken, hat der Markt eine Chance. Derzeit zählen Gastronomen aus Belgien und den Niederlanden zu unserem Kundenkreis. Diese sind der optimale Einstieg um die Märkte auf die Insektenprodukte vorzubereiten. Denn noch nicht jeder Konsument weiß, was in den kleinen Tierchen eigentlich drin steckt und wie ökologisch, ressourceneffizient und gesund sie sind. Mittelfristig wollen wir natürlich auch im Lebensmitteleinzelhandel präsent sein. Ab 2018 werden unsere Produkte im Übrigen auch in Deutschland auf der Speisekarte stehen.

GS: Was waren und was sind die größten Herausforderungen für Ihre Unternehmung auf dem bisherigen Weg?

MK: Als wirklich innovatives Unternehmen mussten wir uns gerade am Anfang mit rechtlichen Problemen herumschlagen. Was der Staat nicht kennt, erlaubt er erst mal nicht. Und natürlich ist es eine Herausforderung, dass die Konsumenten Insekten als Nahrungsmittel überhaupt nicht gewohnt sind. Doch dieses Tabu macht eben auch den Reiz unserer Unternehmung aus und bringt eine große Neugier von Kunden und Medien mit sich. Der vorhandene Ekel des Konsumenten verschwindet im Übrigen sofort, wenn er einen köstlich duftenden und appetitlich aussehenden Bux Burger vor sich hat…

GS: Wie ist Ihr Gründerteam aufgestellt? Welche fachlichen und sozialen Kompetenzen waren für den bisherigen Erfolg ausschlaggebend?

MK: Wichtig ist immer, dass die Chemie im Team stimmt und alle gut und konstruktiv miteinander arbeiten können. Anders gesagt: Wir haben eine Menge Spaß bei der Arbeit und das steigert die Produktivität ins unermessliche. Fachlich gesehen sind wir eine bunte Mischung aus Volks- und Betriebswirtschaft, Geographie & Food Science.

GS: Suchen Sie aktuell Mitarbeiter und wenn ja, welche Qualitäten sollten diese mitbringen?

MK: Wir sind derzeit tatsächlich auf der Suche nach einem Koch für die Produktentwicklung und einem Medienbeauftragten der sich um die Presse, Social-Media und Mediengestaltung kümmert. Die Personen sollten im Idealfall natürlich über Erfahrung und Kenntnisse in den entsprechenden Bereichen verfügen. Wir legen aber weniger Wert auf Zeugnisse als auf erfolgreiche Projekte, welche die Person umgesetzt hat. Ein hohes Maß an Eigenmotivation und Selbstständigkeit ist auch wichtig.

GS: Wo soll die Reise für Ihr Startup in den nächsten 3 Jahren hingehen?

MK: Wir wollen weitere Produkte entwickeln und den europäischen Markt erobern. Daran arbeiten wir und nähern uns diesem Ziel Stück für Stück. Wir wollen die Marke für hochwertige insektenbasierte Lebensmittel in Europa sein.

GS: Zum Abschluss: Welchen Tipp möchten Sie zukünftigen Gründern mit auf den Weg geben?

MK: Seid selbstbewusst und lasst euch nicht von „großen Playern“ entmutigen.  Natürlich gibt es viele Unternehmen, die in mancher Hinsicht stärker sind als Ihr. Aber solange Ihr für Eure Idee brennt und eine Geschichte zu erzählen habt, seid Ihr stärker als alle anderen.

Vielen Dank

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