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Das Borderstep Institut erforscht und fördert die grüne Gründerszene

Dr. Linda Bergset © Cordula Giese

„Das Schöne (und Schwierige) an grünen Geschäftsmodellen ist, dass sie in allen Branchen entstehen können. Auch wenn laut dem Green Economy Gründungsmonitor des Borderstep Instituts der Bereich mit der höchsten Gründeraktivität der Energie-Bereich ist, ist eine ökologische Verbesserung aller Branchen nötig, um eine nachhaltige Wirtschaftsweise zu erreichen.“ – so Dr. Linda Bergset (Senior Researcherin bei Borderstep und Projektleiterin von GreenUpInvest) im Interview.

14.06.2017

Grüne-Startups.de: Würden Sie uns Borderstep kurz vorstellen und die bisherige Entwicklung schildern?

Dr. Linda Bergset: Das Borderstep Institut betreibt seit gut 10 Jahren anwendungsorientierte Innovationsforschung im Nachhaltigkeitsbereich. Insbesondere die Themen Grüne Start-ups, Green IT und Smart Energy stehen bei uns im Fokus. Bei den Start-ups erforschen und unterstützen wir insbesondere solche, die mit ihren Produkten und/oder Dienstleistungen einen Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung und Wirtschaftsweise leisten. 

Wie hilft Borderstep grünen Startups, auf die Beine zu kommen?

Wir helfen kurzfristiger direkt und längerfristig indirekt. Letzteres geschieht durch unsere Forschung, bei der wir Herausforderungen der Start-ups bspw. bei der Finanzierung untersuchen und daraufhin Empfehlungen nicht nur an die Start-ups, sondern auch für die Politik und Investoren, formulieren. Unmittelbarer helfen wir den Gründern direkt durch unsere praxisorientierten Vorhaben wie GreenUpInvest oder StartGreen mit Matching-Veranstaltungen, durch Auszeichnung im Rahmen vom StartGreen Award, in Workshops mit dem Sustainable Business Canvas oder durch unterschiedlichste Online-Angebote auf www.start-green.net.  

Was braucht eine innovative Idee am meisten, um zu einem finanziell erfolgreichen Geschäftsmodell heranzuwachsen?

Wie bei allen neuen Produkten, Dienstleistungen und Technologien muss die Zahlungsbereitschaft der Kunden vorhanden sein, auch bei grünen Start-ups. Wenn der Nutzen nicht nur den Kunden zukommt, sondern auch der Gesellschaft, bspw. durch Emissionsreduktionen oder erhöhte biologische Vielfalt, kann es sein, dass der Preis mal höher als bei einem vergleichbaren, „konventionellen“ Produkt ist – wenn es überhaupt ein vergleichbares Produkt gibt. Das ist nicht unbedingt problematisch, aber das Unternehmen muss dann ein Kundensegment identifizieren und ansprechen, das die Zahlungsbereitschaft eben aufzeigt. Somit ist es auch für grüne Start-ups sinnvoll einen „Lean Start-up“-Ansatz zu verfolgen, bei dem der Kundennutzen stark im Fokus steht und die Kundeneinbindung frühzeitig und iterativ stattfindet.

Podiumsdiskussion Borderstep Impact Forum 2017 © Rolf Schulten
Podiumsdiskussion Borderstep Impact Forum 2017 © Rolf Schulten

Welche Phase ist für ein grünes Startup die schwierigste? Welche Besonderheiten gilt es im Vergleich zu konventionellen Startups zu beachten?

Für viele technologieorientierte, grüne Start-ups ist die Entwicklungsphase bis zum Markteintritt sehr lang, was sie wiederum schwierig und holprig machen kann. Insbesondere kapitalintensive Unternehmen erleben hier Herausforderungen. Eine weitere Besonderheit der grünen Start-ups ist der häufig technische Hintergrund der Gründer. Auch wenn bei den grünen Start-ups eine zunehmende Professionalisierung zu verzeichnen ist, fehlt es immer noch oft an Geschäftskenntnissen und einem BWL-Hintergrund. Dies führt bei solchen Start-ups vermehrt zu Schwierigkeiten im Zugang zur Finanzierung, wenn man mit anderen Start-ups vergleicht. Das haben wir in unserer Forschung festgestellt.

Was sind die häufigsten Gründe für das Scheitern grüner Gründungen?

Grüne Start-ups sind ihrer Zeit manchmal zu weit voraus. Sie haben zum Teil Geschäftsmodelle, die so radikal sind und/oder starke Verhaltensänderungen der Kunden voraussetzen, dass eine Verbreitung sehr schwierig wird. Wer sich nicht am Markt durchsetzen kann, wird natürlich auch schnell scheitern.

Gibt es für Sie Alarmsignale, bei denen Sie sofort denken, aus diesem Startup wird nichts?

Problematisch wird es besonders schnell bei unspezifischen Dienstleistungsangeboten und Plattform-Konzepten. Oft besteht die vage Idee viele Nutzer/Kunden zu vernetzen. Gründerteams unterschätzen hier sehr oft wie schwierig dies in der Umsetzung sein kann und dass die bloße Vernetzung für ein tragfähiges Produkt oft nicht ausreicht.

Welche drei Kriterien sind Ihrer Meinung nach unverzichtbar für den langfristigen Erfolg insbesondere von grünen Startups?

Da die Motivation oftmals mit dem Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung zusammenhängt, ist es wichtig für grüne Gründer nicht die Marktorientierung zu vergessen. Des Weiteren ist bei ihnen das Durchhaltevermögen von besonderer Bedeutung, wenn sie technische Innovationen und/oder Innovationen, die Verhaltensänderungen voraussetzen, auf den Markt bringen wollen. Erfolgsfördernd ist es auch sich mit einem Netzwerk aus Unterstützern und Branchenkennern zu umgeben, die in der Unternehmensentwicklung hilfreiche Hinweise geben und bei der Vermeidung der größten Fehler helfen können.

Welchem grünen Startup hat Borderstep zuletzt zum Erfolg verholfen?

Wir helfen grünen Startups an unterschiedlichsten Stellen einen Schritt weiter zu kommen, sei es mit einer nachhaltigen Ausrichtung des Geschäftsmodells, dem Zugang zu passenden Investoren (und Investorennetzwerken), einer Internationalisierung durch Wettbewerben oder Geschäftsanbahnungsreisen in wichtige ausländische Märkte. „Zum Erfolg verhelfen“ tut eine Person oder eine Organisation selten allein. Das ist eher ein Prozess, der durch eine Vielfalt an Akteuren unterstützt wird.

In welchem Bereich liegt ihrer Meinung nach das größte Potential für die Zukunft grüner Startups?

Das Schöne (und Schwierige) an grünen Geschäftsmodellen ist, dass sie in allen Branchen entstehen können. Auch wenn laut dem Green Economy Gründungsmonitor des Borderstep Instituts der Bereich mit der höchsten Gründeraktivität der Energie-Bereich ist, ist eine ökologische Verbesserung aller Branchen nötig, um eine nachhaltige Wirtschaftsweise zu erreichen. Somit werden Innovationen sowohl technischer als auch sozialer Art nötig. Um ein paar Beispiele zu nennen: Supermärkte ohne Verpackung, Apps gegen Lebensmittelverschwendung, Burger aus Insekten, Papier aus Gras, Moos-Filter gegen Luftverschmutzung in Städten… Nur die Kreativität setzt in der Ideenfindungsphase eine Grenze. Anschließend wird dann natürlich eine Überprüfung der (technischen) Machbarkeit und marktbasierten Umsetzungsmöglichkeiten nötig.

StartGreen Award 2017: Pioniere der Green Economy gesucht – Bewerbungsfrist: 01.06. – 31.07.2017

StartGreen Award © Cordula Giese
StartGreen Award © Cordula Giese

Gründerinnen und Gründer können sich bis zum 31. Juli 2017 um den StartGreen Award bewerben. Der nationale Spitzenpreis der Green Economy unterstützt seit 2015 die Vernetzung grüner Start-ups, Unternehmen, Investoren, Förderinstitutionen und politischer Wegbereiter für eine grüne Wirtschaft. Der Community-Preis für die nachhaltige Gründerszene wird in diesem Jahr in drei Kategorien (Gründungskonzept, Start-up und junges Unternehmen) vergeben. Die feierliche Preisverleihung findet am 16. November 2017 im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) in Berlin statt. Schirmherrin ist Bundesumweltministerin Barbara Hendricks.

 

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