Carsharing hat einen festen Platz im Mobilitätsmix der Zukunft

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Carsharing Flotten elektrischer zu machen, ist vor allem deshalb schwierig, weil es nicht genug öffentliche Ladestationen gibt. Dabei sind Sharecars eine gute Chance, die E-Auto-Technik kennenzulernen. Aurika von Naumann, Pressesprecherin bei DriveNow, im Interview.

30.05.2017.

Grüne-Startups.de: Würden Sie uns DriveNow kurz vorstellen und die bisherige Entwicklung schildern?

Aurika von Naumann: DriveNow ist ein Carsharing-Joint Venture von BMW und Sixt. Wir bieten in europäischen Städten BMW und MINI Modelle als sog. Free Floating-Carsharing an. Das heißt, die Fahrzeuge stehen in einem definierten Geschäftsgebiet verteilt und können fußläufig erreicht, spontan angemietet und überall wieder abgestellt werden. Kunden finden sie mit unserer App und können sie darüber auch reservieren, öffnen, schließen und ihre gesamte Fahrt damit planen. Mit unserem Carsharing-Angebot ergänzen wir den Mobilitätsmix in Städten um eine automobile Komponente und ermöglichen Kunden, auch ohne privaten PKW flexibel mobil zu sein. Wir verstehen uns dabei nicht als Ersatz zum öffentlichen Nahverkehr, Taxi oder Fahrrad, sondern als Erweiterung und Ergänzung der bestehenden innerstädtischen Mobilitätsangebote.

Seit unserer Gründung 2011 ist es uns gelungen, über 875.000 Menschen für geteilte Mobilität zu gewinnen. Inzwischen sind wir mit über 5.500 Fahrzeugen in acht Ländern und zwölf Städten in Europa vertreten. Gerade haben wir unseren zwölften Standort in Helsinki bekannt gegeben. An allen Standorten bieten wir unseren Kunden konsequent auch Elektrofahrzeuge an. 

Die Ergebnisse aktueller Studien zu den Themen Carsharing und CO2 Ausstoßreduzierung sind unscharf. Wie schätzen Sie den Stellenwert von Carsharing hier ein?

Mehrere unabhängige Studien kommen inzwischen zu dem gleichen Ergebnis – nämlich dass Carsharing zur Verbesserung der Verkehrssituation in Städten beiträgt und sie von Parkdruck, Flächenbedarf, Fahrleistung und Emissionen entlasten. Das Angebot von Carsharing – also im Bedarfsfall Zugriff zu einem Auto zu haben – trägt wesentlich dazu bei, dass Menschen Privatautos abschaffen. Das führt mittel- bis langfristig zu mehr verfügbarem öffentlichen Parkraum sowie zur Reduzierung des Parksuchverkehrs. Weitere Mobilitätsangebote wie Bikesharing, Ridesharing, Taxi oder ÖPNV ergänzen die Mobilitätsvielfalt in Städten. Vielfalt schafft Mehrwert – je attraktiver das gesamte Verkehrsangebot in einer Stadt gestaltet wird, desto eher werden Stadtbewohner ihren privaten Autobesitz auch überdenken, vor allem bei wenig genutzten Fahrzeugen.

Mit einem wachsenden Anteil an E-Fahrzeugen können zudem Luft- und Lärmemissionen in den Städten gesenkt werden. Wir sind hier ein wichtiger Treiber für das Thema Elektromobilität: Unsere E-Autos in jeder Flotte bieten Kunden einen leichten Erstzugang, um Erfahrungen zu sammeln und für das Thema sensibilisiert zu werden – schon über 250.000 Kunden haben ihre erste elektrische Fahrt bei uns absolviert. Für einen weiteren Ausbau der E-Flotte ist vor allem eine flächendeckende Ladeinfrastruktur in den Städten notwendig. Wir stellen Städten nach Bedarf auch Daten und Erfahrungswerte zur Verfügung. Sie zeigen auf, wo beispielsweise Ladestationen am meisten benötigt würden und geben den Kommunen belastbare Zahlen für eine Ausweitung an die Hand.

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Wie will DriveNow konkret zur Energiewende beitragen?

Schon heute ersetzt ein DriveNow Fahrzeug etwa das Dreifache an Privatfahrzeugen – so stehen in den deutschen DriveNow Städten bereits etwa 5.600 Privatautos weniger umher. Durch das gesamte Carsharing-Angebot werden beispielsweise in München 41 Millionen Kilometer pro Jahr weniger gefahren. Etwa 11 Millionen mit Carsharing gefahrene Kilometer im Jahr ersetzen dabei 52 Millionen privat gefahrene Kilometer, die durch die Abschaffung privater PKW eingespart werden. Zu diesem Ergebnis kommt die EVA-CS-Studie (2016) der Stadt München. Dies spart natürlich entsprechend CO2 und Kraftstoff ein. Zudem bieten wir an allen Standorten Elektrofahrzeuge an und führen so monatlich tausende Nutzer neu an das Thema Elektromobilität heran. Mit unseren Stromern wurden insgesamt schon über 10 Millionen Kilometer elektrisch zurückgelegt – dadurch konnten rund 1.700 Tonnen CO2 eingespart werden.

Welche Trends verfolgen Sie im Bereich Carsharing mit Spannung?

Spannend für uns sind die Möglichkeiten, die wir im Zuge der Digitalisierung und Vernetzung des Marktes haben. Dies ermöglicht natürlich eine rasante Entwicklung der gesamten Branche. Auch andere Formen wie Ridehailing und Ridesharing breiten sich aus. In dem Zuge wird das autonome Fahren – das sicherlich noch einige Jahre benötigt – die Karten im Mobilitätsmarkt nochmals neu mischen. Nicht nur die Angebotsformen mögen verschmelzen, sondern v.a. die Ressourcen Auto und Parkraum in der Stadt können noch viel effektiver genutzt und ausgelastet werden als bisher. Anzunehmen ist, dass sich die Verkehrsbelastung in den Städten dann weiter reduziert.

Was waren die bisher größten Herausforderungen für DriveNow?

Herausforderungen gibt es immer wieder für uns auf unterschiedlichsten Ebenen. Eine der großen Herausforderungen ist sicher der Betrieb einer teilelektrischen Flotte im stationslosen Carsharing-Modell ohne ausreichende öffentliche Ladeinfrastruktur. Aber jemand muss anfangen, dem Thema zu Aufschwung zu verhelfen. So haben wir uns entschieden, das Thema zu treiben und unseren Kunden in allen Städten eine elektrische Alternative zu geben. Wir bekommen viel positive Rückmeldung dazu.

Welche langfristigen Ziele verfolgt das Unternehmen?

Neben dem Auf- und Ausbau eines profitablen Geschäftsmodells und der weiteren Expansion in Europa haben wir zum Ziel, einen Beitrag zu einem nachhaltigen Mobilitätsmix zu leisten und gemeinsam mit den Städten Verkehrsprobleme zu reduzieren. Dabei entwickeln wir uns stetig weiter und bringen Innovationen in den Markt ein, die nicht nur den Kundennutzen erhöhen, sondern auch auf Auslastung und die Verkehrssituation einzahlen. Ein Beispiel ist die „Handshake“-Funktion, die wir letztes Jahr eingeführt haben. Damit ist der fliegende Wechsel eines Fahrzeugs zwischen zwei Kunden möglich: Suchende Kunden finden schneller ein Fahrzeug, für den Fahrer entfällt die Parkplatzsuche am Zielort – ein Beitrag zur Reduzierung des innerstädtischen Parksuchverkehrs. Auch in Zukunft wollen wir solche Innovationen umsetzen und weiterentwickeln.

Welche Rolle wird Carsharing ihrer Meinung nach in zehn Jahren spielen?

Carsharing, vor allem das Free Floating-Modell, wächst aktuell so stark wie nie. Zum Jahreswechsel 2016/17 zählte die gesamte Branche über 1,7 Millionen Mitglieder. Etwa drei Viertel machen dabei Kunden von stationslosen Diensten, wie DriveNow, aus. Experten erwarten ein weiteres Wachstum auf zwei Millionen Kunden bis 2020 – dies zeigt, dass die Akzeptanz von Carsharing und dessen Bedarf weiter zunehmen. Meiner Meinung nach wird Carsharing auch in zehn Jahren eine wichtige Rolle spielen – dann vielleicht ganz anders vernetzt oder als Hybridform. Gerade durch das autonome Fahren in vermutlich mehr als zehn Jahren werden Dienste weiter verschmelzen.

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Ihr Insidertipp: Welches grüne Produkt hat Sie zuletzt fasziniert?

Ich könnte aktuell gar kein einzelnes nennen. Es gibt so viele Produkte, die aus einer nachhaltigen Intention heraus entwickelt werden. Gut dabei sind staatliche Initativen und Förderungen für diese Entwicklung. Was mir besonders Freude bereitet, ist die Entwicklung im Bereich der Elektromobile. Es gibt mittlerweile unzählige elektrisch betriebene Fortbewegungsmittel – vom Hoverboard, Monowheel und E-Scooter über verschiedenste E-Bikes, Pedelecs und E-Roller natürlich bis hin zu den E-Autos. Gerade bei letzteren darf sich – bis auf wenige Ausnahmen – die Akku-Kapazität noch verbessern.

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