Finanzierung grüner Startups in Deutschland

Die Konditionen für grüne Startupgründungen sind im Wandel. Mit den neuen Möglichkeiten sind aber auch neue Risiken verbunden.

29.05.2017 – Ein Beitrag von Robert Plantus.

Jedem sein Startup

In Deutschland ein grünes Startup zu gründen soll attraktiver werden. Im Pressespiegel boomt die Szene und bestimmt die Zukunft der Wirtschaft – und das nicht erst seit gestern. Der Anteil grüner Unternehmensgründungen steigt der allgemein fallenden Zahl von Gründungen entgegen. Dies zeigt sich auch auf europäischer Ebene, wo Deutschland mit einem 10 Prozent übersteigenden Gründungsanteil in den Bereichen Erneuerbare Energien und Emissionsminderung positioniert ist. Die allmählich auch spürbar zunehmende Sichtbarkeit für das Thema im öffentlichen Raum lockt entsprechend auch mehr Menschen zum Unternehmertum. War früher für den Normalverdiener der Schritt in die Selbständigkeit meist mit der Angst vor möglichen Schulden abgetan, ist gerade die Startup-Gründung im grünen Feld mit vielfältigen Fördermitteln heute für eine wesentlich eine breitere Masse attraktiv – heißt im Grunde: Man braucht nicht unbedingt ein volles Sparschwein oder wohlhabende Familienmitglieder und Freunde, um ins Rennen gelassen zu werden.

Wachstumsschmerzen

Ist der Entschluss einmal gefasst, unter die Unternehmer zu gehen und die eigene Idee in die Tat umzusetzen, kommt die Finanzierung ins Spiel. Der wirtschaftliche Teil wird auch unter grünen Newcomern häufig unterschätzt, ist aber maßgeblich – denn ohne ein funktionierendes Geschäftsmodell wird das Vorhaben sich nicht durchsetzen können und spätestens dann scheitern, wenn die Fördermittel auslaufen. Eine Ebene höher lässt sich ähnliches seit einiger Zeit beim nationalen Aussterben von Solarunternehmen beobachten.

Es reicht also nicht, idealistisch an jedem einzelnen Detail die Zeit verstreichen zu lassen – das Modell muss skalierbar sein. Auch wenn die Idee Erfolgreich umgesetzt ist, aber schnelles Wachstum in der nächsten Phase die Strukturen sprengt, wird es schwer für das Unternehmen. Erfahrung und Kompetenz sollten im Team gut verteilt und nachweisbar sein. Hierzu zählt auch das Marketing. Businesspläne können zwar durch entsprechende Wettbewerbe eine gute Eintrittskarte sein, verlieren aber bereits in der Startphase schnell an Bedeutung, wenn sie mit der wirtschaftlichen Realität konfrontiert werden. Ein äußerst hilfreiches Werkzeug ist das Business Modell Canvas: Es handelt sich dabei um eine Methode, die noch vor einem Businessplan angwandt werden kann, um schnell wichtige Grundlagen zu klären. Auch sollte man bei der Euphorie für das eigene Projekt nicht vergessen, sich rechtlich abzusichern. Besonders dann, wenn es um frühe Investitionen und Teilhaben geht. Nicht selten springt ein Partner ab und wirft selbst ein allzu bekanntes Produkt auf den Markt. Teure Klageschlachten bedeuten für ein noch kleines Unternehmen zumeist das schnelle aus – nicht zu vergessen, dass grüne Startups teilweise großen Konkurrenten entgegenstehen.

Crowdfunding, Inkubatoren und Business Angels

Eine Crowdfunding-Kampagne ist für Startups ein schneller Einstieg, bei dem durch das Internet eine große Anzahl an Personen erreicht wird und auch kleinteilig investieren kann – wie beispielsweise die 2009 gegründeten, amerikanischen Plattformen Kickstarter.com und RocketHub. Dort präsentieren Unternehmen meist durch ein Video ihr Vorhaben und können durch die einfache Handhabung und hohe Reichweite schnell eine Schwarmfinanzierung bewerkstelligen. Man unterscheidet dabei zwischen reward-based Crowdfunding, wo die Unterstützer mit einer Gegenleistung, häufig ein Produkt, erhalten, und equity-based Crowdfunding (auch Crowdinvesting genannt), bei dem die Unterstützer zu Teilhabern werden können. Auf der Crowdinvesting-Plattform Seedmatch, die auch von grünen Gründern genutzt wird, kamen schon sechsstellige Summen zusammen. Die 2013 entstandene Schwesterplattform Econeers ist speziell auf grüne Startups ausgerichtet.

Sogenannte Inkubatoren beziehungsweise Acceleratoren versprechen Startups ein wohliges Nest, in dem sie wachsen können. Sie sind für angehende Gründer außerdem ein förderliches Umfeld, um wertvolle praktische Erfahrungen zu sammeln. Aktuelles Beispiel ist das Anfang des Jahres vom Softwarehersteller SAP eröffnete “Data Space” in Berlin. In einem modernen Komplex von vier Einrichtungen widmen sich bis zu zehn Startups gleichzeitig und in Zusammenarbeit der Aufgabe, das Internet der Dinge voranzubringen. Da keine Finanzierung geboten wird und so auch keine Anteile an SAP gehen, bleiben die Startups unabhängig. Initiativen wie der IoT-Startup-Accelerator in Berlin bieten vor allem Raum für die Entwicklung und Ausarbeitung von Ideen.

Auch ein “Business Angel” – also ein privater Investor von außerhalb – kann eine Finanzierungsmaßnahme sein. Derartige Investitionen kommen meist in den ersten Phasen der Finanzierung vor. Die Investoren haben häufig einen eigenen Bezug und Erfahrung im Bereich des Startups. Sie investieren zwar nicht so hoch wie Venture Capitals, bei denen es in den sechsstelligen Bereich ragt, zeigen aber eine höhere Risikobereitschaft. Sie können den Startups Türen öffnen und sie durch eigene Kontakte vorantreiben. Die vorteilhafte Situation als frühe Investoren kann ihnen Unternehmensanteile . Rechtliche Konflikte kommen wie bereits erwähnt durchaus vor. Gründer können durch Listen wie angel.co weltweit Business Angels finden und anhand von Informationen zu deren Investitionsverhalten entscheiden, an wen Sie herantreten.  Auch in Deutschland gibt es eine ganze Reihe solcher Netzwerke, allen voran das über tausend Engel listende Business Angels Netzwerk Deutschland. Für einen Eintrag beim BAND ist es Voraussetzung, neben dem Finanziellen auch Know-How mitzubringen. Auch die Forschung über den wichtigen Business Angels Markt soll aktiv vorangetrieben werden.

Weiterhin herrscht in der Startup-Szene rege Community-Aktivität auch außerhalb des Internets auf Events und Kongressen, die teilweise speziell für das Matching von Startups und Investoren ausgelegt sind, so beispielsweise der Rheinland-Pitch in Köln.

Bessere Finanzierungsbedingungen für grüne Startups

Für grüne Startups in Deutschland ist die “Green Start-Up Investment Alliance” von großer Bedeutung. Mit Unterstützung des BMUB (Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit) und Partnern wie dem Bundesverband Deutsche Startups, dem BAND und dem Forum für Nachhaltige Geldanlagen, hat das Borderstep Institut sich zur Aufgabe gemacht, die Gegebenheiten für die Finanzierung grüner Gründungen zu verbessern. Neben dem GEG ist ein konkretes Anliegen, geeignete Kriterien für die Einstufung von Startups als “nachhaltig” zu entwickeln – ein wichtiger Schritt für die Green Economy. Außerdem sollen Business Angels und Startups nicht nur zusammengebracht werden, sondern auch enger zusammenarbeiten.

Da aller Anfang bekanntlich schwer ist, widmet sich Grüne-Startups.de diese Woche mit finanziellem Schwerpunkt auf die Möglichkeiten grüner Gründer von heute.

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