Share Economy – wenn die Wirtschaft teilen lernt

In allen Lebensbereichen ist das große Teilen wieder angesagt: Angebote wie Carsharing, Bikesharing, Ridesharing und Foodsharing sind überall. Schon bald könnte es für Gründer schwierig werden, überhaupt noch eine Nische zu finden. Aber wie grün sind die Sharing-Konzepte wirklich?

19.06.2017 – Ein Beitrag von Robert Plantus.

Old Economy vs. Share Economy – ein Generationskonflikt?

Deutschland ist laut Statistik nach Frankreich und Irland an dritter Stelle und leicht über EU-Durchschnitt, wenn es um die Nutzung von Sharing-Angeboten geht. Zwar kann sich momentan schwer eine Online-Flohmarkt Plattform gegen Ebay-Kleinanzeigen behaupten und das außer Kontrolle geratene Bikesharing in China lässt ebenfalls Zweifel offen. Aber es steht eine große Bewegung mit interessanten Denkanstößen hinter dem Begriff, bei der vor allem Ressourcen geschont werden sollen, indem man auf Eigentum auch mal verzichtet.

Infografik: Die Sharing Economy | Statista Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Den alt-eingeschliffenen, regulierten Systemen lange bestehender Branchen steht eine neue Generation von Geschäftsmodellen gegenüber. Diese setzen besonders auf die heutigen technologischen und kommunikativen Möglichkeiten der Vernetzung. Dass Modernität aber keinesfalls auch automatisch ein Fairness-Siegel ist, zeigte sich in letzter Zeit besonders bei den Unternehmen Airbnb und Uber. Muss ersteres mit Widerständen aus der Hotelbranche kämpfen, hat zweiteres besonders durch Gerichtsurteile zugunsten der Taxiverbände in einigen Ländern einen saftigen Denkzettel verpasst bekommen.

Rasant aufsteigende Unternehmen zielen gerne auf wirtschaftliche beziehungsweise juristische Schlupflöcher ab. Nicht selten sind die Geschäftsmodelle darauf ausgelegt, ‘ungenutzte’ Ressourcen zu monetarisieren, und gehen dabei oft ohne eigenes Pferd ins Rennen – Uber hat keine eigenen Fahrzeuge, Airbnb keine Zimmer. Aber was bieten Sie an? Viel dreht sich um Algorithmen und Codes, die sich bestehende Daten von Google etc. zu Nutze machen. Wunderlich, dass das Schlachtwort “Digitalisierung” noch nicht gänzlich vom digitalen Netzwerken abgelöst worden ist. Dementsprechend sind die Programmierer von Heute auch die menschlichen Goldgruben des Arbeitsmarktes. Ideen haben viele, technisch umsetzen können sie die wenigsten ohne Hilfe.

Das Rad nicht neu erfinden, aber runder machen

Dass die Branchen – an deren nicht immer zeitgemäßen, aber oft langwierig entwickelten Regulationen man sich vorbeizuschleichen scheint – weniger enthusiastisch reagieren, wenn Sie mit dem Schlachtruf “Disruption” konfrontiert werden, ist dann wenig überraschend. Andererseits hat noch selten eine Branche sich wirklich glaubwürdig Fairness und Nachhaltigkeit angeeignet. Daran sind aber in den seltensten Fällen die ausführenden Arbeitskräfte am unteren Ende der Hierarchie schuld.

Transformation findet statt. Es wird jedoch unabdinglich sein, auch bei den “Gamechangern” der Wirtschaft genauer hinzusehen. Denn nicht überall, wo “Share Economy” draufsteht, ist auch “Green Economy” drin. Die Hoffnungen für eine nachhaltigere, fairere und gesündere Wirtschaft werden durch Sharing-Konzepte natürlich geschürt. Alte Hierarchien durch moderne Netzwerkstrukturen zu ersetzen wird aber allein nicht reichen, denn ein problematischer Faktor der Old Economy – rapides Wachstum – ist immerhin eines der definierenden Merkmale von Startups. Es scheint gar, dass sich im Sturm und Drang der neuen Generationen von Unternehmern der Wettkampf nicht besänftigt hat, sondern vielmehr auf Ideen ausweitet – willkommen im schönen neuen Informationszeitalter. Obwohl Innovation für eine grüne Wirtschaft wichtig ist, sollte eine langfristige Strategie allen zugute kommen, auch denen, die am Steuer des Taxis sitzen.

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