Tinderleicht tauschen

© Swapper

„Wir wollten ein Konzept entwickeln mit dem man in nur einer Minute sein Produkt anbieten kann und den Deal schnellstmöglich und einfach abschließt. Und das Ganze möglichst ohne Wertverlust.“ – so Swapper-Gründer Joel Monaco im Interview.

20.06.2017

Die Gründer Julius und Joel (rechts). © Swapper
Die Gründer Julius und Joel (rechts). © Swapper

Grüne-Startups.de: Würdest du uns Swapper kurz vorstellen und die bisherige Entwicklung schildern?

Joel Monaco: Swapper ist eine neuartige Plattform, um ganz einfach Gebrauchtes loszuwerden, für das man keine Verwendung mehr hat. Der große Unterschied zu eBay und Co ist jedoch, dass bei uns nicht verkauft, sondern getauscht wird. Das Projekt startete vergangenen Frühjahres mehr als ein Hobby. Im Laufe der Monate entwickelte sich jedoch durch viel Arbeit und Nachforschung eine echte, konkurrenzfähige Plattform, die wir dann Ende des Jahres vorerst nur für iOS und anschließend ebenfalls für Android veröffentlichen konnten.

Welches grüne Problem möchte Swapper lösen und welche Vision steckt hinter dem Konzept?

Der Grundgedanke war eigentlich sehr simpel. Die meisten Menschen haben ihren Dachboden oder Keller vollgestellt mit Dingen, die sie nicht mehr benötigen, sie nehmen ihnen nur Platz und verstauben sinnlos. Oftmals sind es jedoch Artikel in gutem Zustand, für die jemand anderes tatsächlich noch eine Verwendung haben könnte. Oft ist man sich jedoch zu Schade etwas Zeit zu investieren, um diese Dinge auf einem Flohmarkt oder Online anzubieten. Es ist meist wirklich ein echter Zeitfresser und Arbeitsaufwand einen passenden Käufer zu finden. Letztlich verkauft man das Produkt dann weit unter dem eigentlichen Wert. Genau das wollten wir bei unserer Plattform vermeiden. Wir wollten ein Konzept entwickeln mit dem man in nur einer Minute sein Produkt anbieten kann und den Deal schnellstmöglich und einfach abschließt. Und das Ganze möglichst ohne Wertverlust.

So sind wir auf den Tausch aufmerksam geworden, genauso wie beim Verkauf, nur dass hier eben nicht Geld gegen Produkt, sondern Produkt gegen Produkt getauscht wird. Uns war es also wichtig eine Community aufzubauen, die Wert auf Nachhaltigkeit legt und statt auf Konsumwahn zu setzen, Gebrauchtes ganz einfach recyceln kann. Doch noch keine einzige Tauschbörse hat bisher den großen Durchbruch erzielen können. Das Problem: Während bei einem Verkauf nur der Käufer entscheidet, ob er das Produkt erwerben will oder nicht, treten beim Tausch beide Seiten in die Rolle des Käufers, denn beide müssen Interesse am Produkt des Anderen haben. Wir wollten dieses Problem lösen und die Menschen für den Tausch sensibilisieren, indem wir ein Drei-Schritte-Konzept entwickelt haben. Im ersten Schritt lädt der Nutzer einfach etwas hoch, das er gerne anbieten würde, anschließend passt er ganz unabhängig davon seine Sucheinstellungen an, zeigt uns also worin er interessiert ist. Letztlich wertet unser Algorithmus diese Daten aus und macht dem Nutzer immer passende Tauschvorschläge, auf die er mit einer einfachen Wischbewegeung reagieren kann. Möchte er gerne tauschen, so wischt er den Vorschlag einfach nach rechts, andernfalls nach links. Besteht Interesse von beiden Seiten, so kommt es zum „Match“ und es kann getauscht werden.

Wie und von wem wird Euer Angebot genutzt und ist ein gesteigertes Interesse erkennbar?

Wir hatten zu Beginn eine ganz klare Zielgruppe im Sinn: Schüler, Studenten, Auszubildende. Sie sind jung, finanziell noch nicht unabhängig und haben ein Bedürfnis nach neuen Produkten wie jeder andere auch. Allerdings fehlen ihnen noch die finanziellen Mittel sich ständig neues zu kaufen. Tatsächlich lagen wir mit unserer Hypothese auch gar nicht verkehrt, denn etwa 73% unserer aktiven Nutzer sind jünger als 30 Jahre. Doch mit der Zeit hat sich eine weitere, sehr interessante Nutzergruppe herausgefiltert: Junge Eltern mit kleinen Kindern. Sie machen mittlerweile einen großen Teil unserer aktiven Nutzer aus. Kleidung und Spielzeug für Kinder ist meist sehr teuer, wird jedoch schnell zu klein oder zu langweilig. Auf Swapper kann dies schnell und einfach getauscht werden, gegen ein neues interessantes Produkt und das meist fast ohne einen Wertverlust.

Wir haben vor allem beobachtet, dass Nutzer nach ihrem ersten Match eine erhöhte Aktivität zeigen. Es gibt ihnen ein erstes Erfolgserlebnis. Dadurch entsteht schon bald der erste Tausch, was uns in der Regel auch gleich zwei neue, wiederkehrende Nutzer einbringt.

Was waren die bisher größten Herausforderungen für Swapper?

Der Einstieg war mit Sicherheit die größte Hürde für uns. Egal wie lange man das Produkt vor der Veröffentlichung testet, Umfragen erstellt und Beta Tester sucht, das Feedback, das man erhält, sobald das Produkt auf dem Markt ist, ist immer ein Anderes. So war es auch für uns. Zu Beginn hatten wir noch große Probleme mit unserer Android Version, was uns ein Stück weit zurückgeworfen hat und viele Funktionen, die für Nutzer selbstverständlich waren, an die wir jedoch nicht dachte, mussten nachgereicht werden.

Doch als einen der schwersten Punkte haben wir die Kommunikation mit potentiellen Nutzern erachtet. Es war keine leichte Aufgabe den Menschen zu erklären, dass wir ein Konzept entwickelt haben, das sich von herkömmlichen Tauschbörsen komplett unterscheidet und ihnen einen riesigen Vorteil bietet. Natürlich hat man nicht die Zeit es jedem Nutzer in einem fünfminütigen Pitch zu erklären, doch es muss im besten Fall selbstverständlich sein. Man sollte nur einen Blick auf unsere Website oder den Store-Eintrag werfen müssen und sofort verstehen was wir machen und wieso wir es besser machen als andere. 

Was haltet Ihr vom Begriff der Disruption innerhalb der Share Economy?

In den letzten Jahren haben sich durch die Share Economy einige Märkte stark verändert. Noch vor zehn Jahren hätte man nie daran Gedacht, doch die Gesellschaft ist offener geworden. Offener ihr eigenes Heim mit Fremden zu teilen, um sich etwas dazuzuverdienen oder sogar offener in der Freizeit mit dem eigenen Auto Taxi für einen kleinen extra-Lohn zu spielen. Plattformen wie AirBnB und Uber mischen den Markt gerade komplett auf und greifen tatsächlich in uralte Geschäfte wie Hotels und Taxiunternehmen ein und das mit großer Wirkung.

Gerade deshalb glauben wir, dass genau jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen ist für eine Plattform wie Swapper. Es sind nicht mehr nur Menschen, die knapp bei Kasse sind und Online Flohmärkte benutzen, weil sie sich nichts neues leisten können. Diese Offenheit zu teilen und auch in Gebrauchtem noch einen Wert zu sehen ist mittlerweile im Mittelpunkt der Gesellschaft angekommen. Und genau dort wollen wir eingreifen.

Glaubst du, man kann die Konsumgewohnheiten der Menschen langfristig ändern? Welche Rolle können grüne Startups hierbei spielen?

Auf jeden Fall. Vergleicht man das Konsumverhalten der Menschen heute mit dem von vor 20 Jahren ist eine riesige Veränderung zu sehen. Menschen legen deutlich mehr Wert auf Nachhaltigkeit, Bio und umweltschonende Produkte. Als Paradebeispiel muss ich immer wieder Tesla nennen. Ein Start-Up, das bewiesen hat, dass Elektroautos nicht langsame, unschöne Autos für Hippies sein müssen. Solche Start-Ups können unglaublich viel bewirken, denn sie agieren schneller als alteingesessene gigantische Unternehmen, die bereits seit hundert Jahren Autos herstellen und die nicht von einen auf den anderen Tag ihre komplette Modellpalette auf Elektroautos umstellen können.

Genau darin liegt glaube ich die Macht der Start-Ups. Sie haben meist weniger zu verlieren, haben eine Mission vor Augen und können diese deutlich schneller umsetzen. 

Werden wir in Zukunft wirkich mehr teilen und weniger verschwenden? Was würde das für die Wirtschaft bedeuten?

Natürlich wird man immer das Bedürfnis nach neuen Produkten haben. Es gibt immer Fortschritte und Veränderungen in Technik, Mode usw. allerdings denke ich, dass sich das Denken in der Gesellschaft weiter stark verändern wird und das durchaus in eine positive Richtung. Wir werden weiterhin viel konsumieren, deshalb sehe ich kein großes Problem für die Wirtschaft. Doch ich glaube, dass wir weniger verschwenden und mehr recyceln werden. Damit ist natürlich nicht nur das Recyceln von Flaschen gemeint, sondern vielmehr von Produkte jeder Art, die sich noch in einem guten Zustand befinden, egal ob sie noch in Mode sind oder nicht. Genau das versuchen wir auch durch Swapper zu erzeugen. Konsumwahn soll eingedämmt und ein Gefühl für Nachhaltigkeit erzeugt werden. Und genau das kann dazu führen, dass in Zukunft bei der Produktion von Gütern deutlich besser eingeschätzt werden kann in welchen Mengen produziert werden muss und Überschuss so minimiert wird.

Dein Insidertipp: Welches grüne Produkt hat Dich zuletzt fasziniert?

Ich stehe seit einiger Zeit mit den Gründern von acáo in Kontakt. Ein klasse Bio Erfrischungsgetränk und ausnahmsweise ein gesunder Wachmacher im Gegensatz zu Red Bull und Co. den man bei so einer 80 Stunden Woche im Start-Up wirklich gut gebrauchen kann.

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