Selbsterhaltende Kleingärten für jedermann

„Die Geco-Gartensysteme ermöglichen es der wachsenden Zahl an Stadtbewohnern sich aktiv am gesellschaftlichen Wandel hin zu einerm nachhaltigen, bio-basierten Wirtschaftsystem (Bioökonomie) zu beteiligen“ – Bastian Winkler von Geco-Gardens im Interview.

17.05.2017

GRÜNE-STARTUPS.de: Würden Sie uns Geco-Gardens kurz vorstellen und die bisherige Entwicklung schildern?

Bastian Winkler: Geco-Gardens plant und baut vertikale, automatisierte Kleingartensysteme für die ökologische Eigenproduktion von Gemüse, Obst, Früchten, Kräutern und Zierpflanzen vor der eigenen Türe mitten in der Stadt. Dadurch werden Gartenflächen auf Balkon, Terrasse, Innenhof oder Flachdach geschaffen.

Die Gartensysteme nutzen das innovative, naturnahe Anbauverfahren der Terrabioponik: Nutz- und Zierpflanzen wachsen in Erde (terra) und zusätzlich in einer organischen Nährlösung (ponik). Die Nährstoffe werden auf natürliche Weise durch Wurmkompostierung aus den eigenen organischen Abfällen (bio) rückgewonnen.

Geco-Gardens wurde Anfang 2016 als Kleinunternehmen in Stuttgart gegründet. Seit 2013 habe ich mit der ökologischen Gemüseproduktion in Pflanztöpfen experimentiert. Aktuell finden die Gartensysteme viele Abnehmer vor allem In Süddeutschland.

Wie will Geco-Gardens zu einer nachhaltigeren Gesellschaft beitragen?

Die Vision von Geco-Gardens ist es, neue Gartenflächen zu schaffen für die ökologische Eigenproduktion von Lebensmitteln in Städten: durch den sinnvollen Einsatz moderner Technologie kombiniert mit ökologischen Produktionsmethoden und dem eigenen Engagement können urbane Ressourcen ohne Umwege direkt in schmackhafte, diverse und lokale Bio-Lebensmittel verwandelt werden.

Aus Konsumenten werden Produzenten – die Produktion ist dezentral, saisonal, regional, divers und dadurch nachhaltig(er). Die Geco-Gartensysteme ermöglichen es der wachsenden Zahl an Stadtbewohnern sich aktiv am gesellschaftlichen Wandel hin zu einerm nachhaltigen, bio-basierten Wirtschaftsystem (Bioökonomie) zu beteiligen.

Was überwiegt ihrer Meinung nach beim Vertikal Farming: CO2 Ausstoßminderung oder erhöhter Energiebedarf?

Beim vertikal Farming (also der Produktion von Biomasse unter künstlich geschaffenen Bedingungen) sollten die Inputs (z.B. Energie, aber auch Nährstoffe – dazu zählt ja auch CO2, Wasser, Baumaterialien, etc.) und Outputs (z.B. geerntete Biomasse, O2, Abfälle, etc.) gemeinsam im System betrachtet werden.

Natürlich verringern kürzere Transportwege der Lebensmittel den CO2-Ausstoss. Bei der Schaffung einer künstlicher Anbauumgebung werden jedoch, verglichen mit der landwirtschaftlichen Produktion, zusätzliche Ressourcen (Material und Energie für die Herstellung, wobei ebenfalls CO2-Ausgestoßen wird), benötigt. Daher kommt es bei der Bewertung darauf an, wie effizient das betrachtete vertikale Farming System arbeitet – also wie effizient Energie, Nährstoffe, Wasser und Material genutzt werden.

Welche Trends verfolgen Sie im Bereich Urban Agriculture mit Spannung?

Die kombinierte Produktion von mehreren Produkten in sogenannten integrierten Systemen in Städten durch die Nutzung von vorhandenen Resourcen wie beispielsweise organischen Abfällen und erneuerbaren Energien. Aktuell arbeite ich zum Beispiel an einer Projektidee mit, wo es um die kombinierte Produktion von Nutzpflanzen, Fischen, Speisepilzen, Algen und Insekten geht – basierend auf der Nutzung von organischen Abfällen und erneuerbarer Energie.

Was waren die bisher größten Herausforderungen für Geco-Gardens?

Das Interesse am urbanen Gärtnern war in den letzten Jahren eher gering. Die wenigen urbanen Gärten werden durch Pioniere in Eigenregie und durch Eigenbau geschaffen. Aktuell steigt die Popularität des urbanen Gärtnerns und der Markt für urbane Gartensysteme wächst schnell.

Die größte Herausforderung für Geco-Gardens ist es, das Unternehmen während meiner Promotion, die in meinem Falle mit längeren Auslandsaufenthalten verbunden ist, aufzubauen. Allerdings hätte ich ohne diese Auslandsaufenthalte nicht Luke Boshier aus Südafrika kennengelernt, einem Pionier auf dem Gebiet von nachhaltigen Kreislaufsystemen, wodurch die Idee für die Geco-Gartensysteme überhaupt erst entstand.

Welche langfristigen Ziele verfolgt das Unternehmen?

Den integrierten, ökoligischen Anbau von Lebensmittelprodukten in Städten in effizienten, diversen Kreislaufsystemen, basierend auf organischen Abfällen und erneuerbarer Energie, voranzutreiben.

Welche Rolle wird städtischer Gartenbau ihrer Meinung nach in zehn Jahren spielen?

Bis in zehn Jahren wird sich der städtische Gartenbau weiterenwickeln und eine wichtige Rolle spielen. Durch den Trend der Urbanisierung werden immer mehr Menschen in Städten leben, gleichzeitig steigt aber auch das Verlangen nach einer natürlichen Umgebung sowie die Lebensmittelproduktion nach dem eigenen Geschmack.

Vorraussichtlich werden dabei künstlich geschaffene Produktionssysteme sowie die Fasaden- und Dachflächen eine zunehmende Rolle spielen. Neben der Nutzpflanzenproduktion sind dabei auch stadtklimatische Aspekte (Kühlung, O2-Produktion und Feinstaubbindung) treibene Kräfte.

Ihr Insidertipp: Welches grüne Produkt hat Sie zuletzt fasziniert?

Fasziniert hat hat mich ein zuletzt ein integriertes Produktionssystem in Norwegen. Dort produzieren Wissenschaflter in einem isolieretn Gewächshaus Gemüse und Speisepilze. Nährstoffe und Energie kommen ausschließlich aus organischen Abfällen. Ein tolles, neues Produkt für den Heimgebrauch ist die erste reparierbare LED-Glühbirne von relumity.

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