In kleinen Schritten Richtung Umweltschutz: Bienenwachstücher von gaia

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Bild: gaia

INTERVIEW | Wir können nicht vom einen auf den anderen Tag plastikfrei leben – aber mit kleinen Schritten anfangen! Zum Beispiel indem wir Bio Bienenwachstücher statt Plastikfolie nutzen.

 

Plastikfrei im Alltag – das geht aber leider aus verschiedenen Gründen nicht so schnell, wie wir das gerne hätten. Es kann aber funktionieren, wenn von vielen Menschen viele kleine Schritte unternommen werden. Um den Verzicht auf Plastik in der Küche zu erleichtern und damit einen solchen Schritt möglich zu machen, hat das Startup gaia mit der Herstellung von Bio Bienenwachstüchern begonnen.

Was gaia noch vor hat und wie sich das kleine Unternehmen in den letzten drei Jahren entwickelte, erfährst du von Paol Groß im Interview.

 

Gruene-Startups.de: Paol, zusammen mit zwei Freunden aus deiner Kindheit hast du gaia zum Kampf gegen Plastik ins Leben gerufen. Wann und wieso kamt ihr zu dieser Mission?

Paol Groß: Wir haben gaia 2018 mit der Motivation gestartet selber aktiv zu werden, um eben nicht wie ohnmächtig zu warten, bis die Politik etwas unternimmt. Wir müssen alle anfangen nachhaltiger zu leben. Dabei müssen wir nicht alle von heute auf morgen komplett auf Plastik verzichten, aber wir können in kleinen Schritten immer mehr dazu beitragen, die Umwelt und das Klima zu schützen – mit dem Bienenwachstuch als direkter Ersatz für Frischhaltefolie, haben wir die Möglichkeit gesehen, Menschen die Tür zum Thema Nachhaltigkeit im Haushalt ein Stück weiter zu öffnen.

Bild: gaia | Gründer*innen

Euer Team hat sich mittlerweile erweitert. Welche Aufgaben sind dazugekommen und was hat sich seit der Gründung von gaia getan?

Wir haben mittlerweile über zehn Angestellte und projektbasiert kommen weitere dazu. Durch den Anstieg der Produktionsmengen und die Erweiterung der Räumlichkeiten sind außerdem neue logistische, technische und personelle Herausforderungen und Aufgaben auf uns zugekommen.

Wir haben mittlerweile unter anderem feste Produktionsmitarbeiter*innen und eine Produktionsleitung. Weitere Aufgaben fallen zum Beispiel in die Arbeitsbereiche Teammanagement, Nachhaltigkeitsmanagement, Organisationsentwicklung oder Personalwesen. Mit dem Wachstum einer Firma und innerhalb einzelner Projekte fallen natürlich immer auch viele kleinteilige Aufgaben an. Diese nicht aus den Augen zu verlieren und ebenso gewissenhaft zu erledigen wie die großen Projekte, ist meiner Meinung nach ein Qualitätsmerkmal eines Unternehmens und seiner Organisationsstruktur.

Nach wie vor versuchen wir, bei neu entstehendem Arbeitsaufkommen oder der Erweiterung eines Bereiches zuerst die Potentiale unserer bestehenden Mitarbeiter*innen zu nutzen. Das ist dann eine Win-Win-Situation, da wir wenig neues Personal einstellen müssen und unsere Mitarbeiter*innen oft die Chance bekommen, neue Fähigkeiten und Arbeitsbereiche zu erschließen.

Bild: gaia

Welche Hürden sind euch auf eurem Gründungsweg begegnet?

Als eigenfinanziertes Startup ist vor allem die Liquidität immer wieder ein Faktor, über den man stolpert. Mit dem Wachstum spricht man auf einmal über Beträge, die zu Beginn noch völlig absurd erscheinen. Wir haben immer darauf geachtet, organisch zu wachsen und die Einnahmen schlau zu reinvestieren. So haben wir Schritt für Schritt gelernt, mit der Finanzplanung umzugehen und alles im Blick zu behalten.

Interessant war in der Gründungsphase auch oft die Inakzeptanz außerhalb der Nachhaltigkeits-Bubble. Da wird man gerne belächelt für seine Idee, ein Business nicht mit Sicht durch die reine BWL-Brille aufzuziehen, sondern auch mal zu schauen, was moralisch und im Umgang mit Ressourcen und Mitarbeiter*innen wirklich vertretbar ist.

Mittlerweile gibt es immer mehr Anbieter*innen von Bienenwachstüchern. Welche Herausforderungen bringt das für euch mit und wie hebt ihr euch von anderen ab?

Wir haben uns von vornerein nicht nur auf das Bienenwachstuch beschränkt, das merkt man schon im Firmennamen, hier sind wir im Vergleich zu anderen Anbieter*innen breiter aufgestellt. Das Bienenwachstuch ist ein super Türöffner für Nachhaltigkeit in den eigenen vier Wänden, von hier wollen wir die Küche aber weiter umkrempeln und stetig noch mehr Plastik im Alltag durch umweltschonendere und dabei ästhetisch ansprechende alternative Produkte ersetzen.

Eine besondere Herausforderung im Bereich der Bienenwachstücher ist es, die Transparenz in der Produktion zu kommunizieren. Es gibt mittlerweile so viele Anbieter*innen, die eben nicht darauf achten nur die besten Rohstoffe zu verwenden, sondern darauf aus sind, einfach schnell ein Bienenwachstuch auf den Markt zu bringen, da das Produkt an sich erstmal nachhaltig scheint. Woher diese Produzent*innen ihre Rohstoffe beziehen und auch wie sie produzieren, wird für die Kund*innen oft nicht ersichtlich.

Eben hier heben wir uns von der breiten Masse ab, da wir auch bei einer Skalierung der Produktionsmengen unseren Werten treu bleiben und immer nach der insgesamt besten und nicht zwangsläufig nur nach der rentabelsten Lösung gehen. Ein weiterer Faktor ist, meiner Ansicht nach, das Design unserer Tücher. Unsere Tücher sind nicht nur ästhetisch, sie kommunizieren auch wichtige Werte, denn hinter fast allen Editionen steckt eine nachhaltigkeitsrelevante Message. So bekommen sie einen weiteren Mehrwert.

Bild: gaia | Bio Bienenwachstücher

Hergestellt werden die gaia Bio Bienenwachstücher von Hand in Hamburg. Nimm uns einmal mit in eure Manufaktur und wie die Produktionsanfänge aussahen.

Angefangen haben wir 2017 auf dem Herd in der WG von Lucas – hier haben wir die ersten Tests gemacht und auch die ersten Chargen produziert. Die Kapazität in der Küche stieß aber schnell an ihre Grenzen und so sind wir dann in einen 11m2 Kellerraum gezogen und haben das erste Mal professionell eine Produktion gestartet. Von hier ging es ziemlich wild hin und her, vier Umzüge später haben wir mittlerweile 280m2 Produktions- und Lagerfläche in Hamburg-Lokstedt. Hier können wir gesund weiter wachsen, ohne jedes Jahr umziehen zu müssen. Die Produktion haben wir so intuitiv wie möglich aufgebaut, so haben wir keine langen Lernphasen für neue Mitarbeiter*innen und können Produktionsspitzen gut abfangen, ohne Überstunden machen zu müssen. Gerade in der Produktion nimmt man durch jeden Auftrag enorm viele Erfahrungen mit und ist für das nächste Mal direkt besser vorbereitet.

Die verwendeten Rohstoffe – Biobaumwolle, Bienenwachs, Jojobalöl, Baumharz – holt ihr direkt vom Erzeuger. Wie habt ihr die Partnerschaften aufgebaut und was ist euch dabei wichtig?

Zu Beginn war es vor allem Recherche, um zu verstehen, wer dir was liefern kann. Schon sehr früh haben wir durch Recherche, Netzwerk und die richtigen -dummen Fragen- sehr gute Partner finden können. Die meisten arbeiten heute auch noch mit uns zusammen.

Gerade wenn man noch nicht so viel abnimmt, geht es auch darum, dass der Partner das potenzial sieht und einem Vertrauen schenkt. Unsere Mission und Pläne für die Zukunft haben wir immer offen kommuniziert und konnten so eine transparente Beziehung zu unseren Lieferanten aufbauen. Das Schöne daran ist, dass man sich dann auch einfach mal anruft, um zu fragen wie es so läuft auf beiden Seiten. Es ist mehr ein sich gegenseitig kümmern als ein klassisches „ich-kaufe-dir-etwas-ab-Verhältnis“. Mit vielen Zulieferern haben wir auch schon gemeinsame Sache auf Produktebene gemacht. Es entstehen tolle Symbiosen, wenn man mit einander spricht. 

Das klingt toll! Was auch toll klingt: Bisher konnten laut eurer Website 15.000m2 Plastikfolie eingespart werden. Wie kommt ihr auf diese Zahl und was wollt ihr noch erreichen?

Die Zahl kommt ganz einfach zu Stande und ist viel geringer als die tatsächliche Zahl an Einsparungen – wir haben einfach mal überschlagen, wie viele Bienenwachstücher wir bisher verkauft haben und so Menschen die Frischhaltefolie ersetzt haben. Hier merkt man zum Beispiel super eine Kleinigkeit die wir noch besser machen können: Unseren tatsächlichen Input digital darstellen! Das ist eine Sache mit der wir noch zu kämpfen haben. Unser Ziel ist es mehr als ein Onlineshop zu sein, wir wollen als Marke dein treuer Unterstützer im Einstieg zur Nachhaltigkeit sein.

Was sind aktuell Aspekte, an denen ihr noch arbeiten wollt?

Gerade haben wir unseren Verein gaia hive e.V. gegründet und wollen es schaffen, diesen im Bereich Nachhaltige Bildung zu etablieren. Das Problem der Umweltverschmutzung ist scheinbar allen bekannt. Doch es fehlt an der Motivation und auch an einfachen Lösungen, das Problem direkt mal anzupacken, ohne die Pflicht es direkt perfekt machen zu müssen. Oft wirkt das Problem so riesig, dass der Einzelne sich schnell mal überfordert fühlt überhaupt irgendwas unternehmen zu können. So kommen wir aber nicht voran! Jede*r einzelne von uns zählt und hat Einfluss auf das, was passiert!

 

Vielen Dank für das spannende Interview und den Einblick in euer Unternehmen, Paol! 

Dir schwebt nun auch noch eine Frage im Kopf herum, die du gerne an Gaia  stellen möchtest?

Dann schreib sie in die Kommentare – wir freuen uns auf den Austausch mit dir!

 

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Bilder: Gaia

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