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Landpack, radikal umweltfreundliche Isolierverpackungen

Dr. Thomas Maier-Eschenlohr & Patricia Eschenlohr

Patricia Eschenlohr und ihr Mann haben 2013 das Startup Landpack gegründet. Ihr Ziel ist es, Styropor im Verpackungsbereich zu ersetzen. Mittlerweile sind die Produkte die weltweit ersten radikal umweltfreundlichen Isolierverpackungen mit den Leistungsdaten von Styropor.

GRÜNE-STARTUPS.de: Stellen Sie doch bitte Ihr grünes Startup, die Landpack GmbH einmal vor.

PATRICIA ESCHENLOHR: Wir haben Landpack 2013 gegründet, um Styropor im Verpackungsbereich zu ersetzen. Dafür haben wir ein Verfahren entwickelt, um Naturfasern wie Stroh oder Hanf zu kompostierbaren Formteilen zu verarbeiten. Unsere Produkte sind weltweit die ersten radikal umweltfreundlichen Isolierverpackungen mit den Leistungsdaten von Styropor. In der kunststoffbasierten Verpackungsbranche stechen ihre USPs klar heraus: ökologisch, stoßdämpfend, feuchtigkeitsregulierend, volumenreduzierend und optisch ein Eyecatcher – bei hervorragender Leistung. 

Sie sind nominiert für den Next Economy Award 2016. Was denken Sie, war der ausschlaggebende Grund für Ihre Nominierung?

Landpack ist das weltweit erste Unternehmen, das den im Überfluss vorhandenen Rohstoff Stroh ohne Einsatz von Klebstoffen zu Dämmstoffen, Verpackungen, Formteilen, etc. verarbeiten und prozessintegriert entkeimen kann. Das Verfahren wurde international geschützt. Die dafür notwendige vollautomatisierte Anlagentechnik – also unsere gesamte Fabrik – wurde von uns innerhalb von drei Jahren selbst entwickelt. Insofern kommen Idee, Produkt, Verfahren, Anlagentechnik und die gesamte Produktion aus einer Hand – eine Mammutaufgabe, v.a. für ein Start-up. Mit unserer Technologie haben wir es geschafft, den Rohstoff Stroh für ganz neue Anwendungen nutzbar zu machen. Die Verpackungsbranche ist dabei nur unser Einstiegsmarkt.

Welches „grüne“ Problem lösen Sie und welche Vision steckt hinter Ihrem Konzept?

Wir bieten leistungsfähige Alternativen zu Styropor und anderen Kunststoffverpackungen und zwar aus reinen Naturfasern. Unsere Produkte sind die weltweit ersten Isolierverpackung, die komplett im Biomüll oder im Garten entsorgt werden können.

Styropor (EPS) ist aktuell noch unangefochten, wenn es um Kälte-/Wärmeisolierung geht. Nur 1% vom Styropor werden jedoch recycelt. Bei der Verbrennung werden halogenhaltige Rückstände erzeugt, die deponiert werden müssen. Styropor ist mittlerweile viel schlechter als normaler Sondermüll zu entsorgen. Eine Tonne echter Sondermüll kostet in der Entsorgung weniger als 2.000 Euro – sortiertes Styropor jetzt 7.000 Euro.

Während Styropor auf Erdöl basiert, ist Stroh ein landwirtschaftliches Nebenprodukt, das die Hälfte der Gesamtmasse bei der Getreideernte ausmacht und damit im Überfluss vorhanden ist. Von den 30 Mio. Tonnen Getreidestroh, die jährlich in Deutschland anfallen, können 8-12 Mio. Tonnen ohne ökologische Nachteile anderen Anwendungen zugeführt werden. Als landwirtschaftliches Nebenprodukt der Getreideernte steht Stroh auch nicht in Konkurrenz mit der Lebensmittelproduktion wie beispielsweise Stärke. Die Nutzung dieses Reststoffs als Substitution für Erdöl trägt zur Ressourceneffizienz bei. Stroh ist lokal verfügbar und minimiert die Transportwege. Zudem ist der Primärenergiebedarf zur Herstellung der Landbox extrem gering. Die konsequente Optimierung der eigenen Anlagentechnik hinsichtlich Energieeffizienz und die Nutzung eines natürlichen Rohstoffes im fast ursprünglichen Zustand führen dazu, dass die Landbox 50-mal weniger Energie zur Herstellung benötigt als Styropor. Im Produktionsverfahren werden keine fossilen Energieträger benötigt. Die Herstellung erfolgt zu 100% mit Strom aus Wasserkraft. Wir sprechen nicht nur von Ökologie, wir leben sie – in allen Prozessen, auch dort, wo sie nicht gesehen werden.

Wie geht es Ihrer Branche aktuell?

Da stellt sich als erstes die Frage nach der zugehörigen Branche: Maschinenbau, Dämmstoffe oder Verpackungsbranche? Wir sind in allen drei zuhause. Die Verpackungsbranche ist die 6. größte Industrie in Deutschland. Überall werden Verpackungen benötigt. Trotzdem konzentriert sich die gesamte Branche auf die Materialien Kunststoff und Wellpappe – und am Rande noch Metalle und Glas. Pflanzliche Naturfasern wie Stroh oder Hanf sind ein absolutes Novum.

Innovationen spielen sich in Details ab. Etwas so provokant Neues wie unsere Landboxen findet man hier praktisch nicht. Dennoch kommt das Produkt auch bei den Experten der Branche sehr gut an. So haben wir beispielsweise den Deutschen Verpackungspreis 2016 gewonnen.

 Wie sieht Ihr Geschäftsmodell aus?

Landpack entwickelt, produziert und vertreibt neuartige Verpackungen und Dämmmaterialien aus pflanzlichen Naturfasern. Nicht nur Produkte und Produktionsverfahren, sondern auch die gesamte dahinterstehende Anlagentechnik werden von unseren Ingenieuren entwickelt und gebaut. Unsere Kunden sind Unternehmen, die bislang mit Styropor als Verpackungsmaterial gearbeitet haben. Unsere Produkte werden aktuell vor allem für den Versand und den Schutz von Lebensmitteln, Industriegütern, Pflanzen und Zerbrechlichem wie Flaschen eingesetzt.

 Was waren und was sind die größten Herausforderungen für Ihre Unternehmung auf dem bisherigen Weg?

 Ganz klar: die Entwicklung der Anlagentechnik. Eine eigene Fabrik mit vollautomatisierten Produktionslinien selbst aufzubauen ist für ein Start-up schon ein Meisterwerk.

 Wie ist Ihr Gründerteam aufgestellt? Welche fachlichen und sozialen Kompetenzen waren für den bisherigen Erfolg ausschlaggebend?

Mein Mann und ich haben Landpack 2013 gegründet. Wir ergänzen uns sehr gut: Thomas ist Ingenieur mit Fokus auf Robotik und Automatisierungstechnik und Promotion in Medizintechnik. Zudem kommt er aus einem landwirtschaftlichen Familienbetrieb. Unsere ersten Rohstoff-Lieferungen waren also von Anfang gesichert. Ich bin Betriebswirtin mit relativ breit gefächertem Hintergrund, zuletzt in einer Unternehmensberatung, wo ich über ein Projekt auf den boomenden eFood-Markt und die Problematik mit Styroporboxen gestoßen bin.

Suchen Sie aktuell Mitarbeiter und wenn ja, welche Qualitäten sollten diese mitbringen?

Ja, wir suchen Mitarbeiter in verschiedenen Bereichen, vor allem aber Ingenieure mit Schwerpunkt Automatisierungstechnik. Ausgezeichnete Maschinenbau- oder BWL-Studenten für Praktika und Werkstudententätigkeit sind immer herzlich willkommen!

Wo soll die Reise für Ihr Startup in den nächsten 3 Jahren hingehen?

In drei Jahren wird Landpack als Pionier bei der Verarbeitung von Naturfasern bekannt sein. Unser technisches Know-how nutzen wir, um zunehmend andere Industrien und Anwendungen zu erschließen. Im Verpackungsbereich werden wir ein Produktportfolio an kompostierbaren Verpackungen aus reinen Naturfasern anbieten und das in ganz Europa.

Verderbliche Lebensmittel, zerbrechliche Waren, Elektronik, Möbel, Pflanzen und vieles mehr werden in Boxen oder mit Formteilen aus Stroh oder Hanf sicher und umweltfreundlich weltweit verschickt. Der Endverbraucher wird die Landbox® und die Landbox®Hanf als die Alternative zu Styropor wahrgenommen haben und keine Kunststoffverpackung mehr akzeptieren.

Zum Abschluss: Welchen Tipp möchten Sie zukünftigen Gründern mit auf den Weg geben?

Just do it! Und möglichst schnell und günstig die Marktakzeptanz testen. Wenn die nicht überwältigend ist, dann lieber früher als später aufhören. Wenn potenzielle Zulieferer / Kooperationspartner, etc. sagen: „Geht nicht“, geht es meistens doch. Es geht alles.

 

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