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Handmade in Berlin

Natascha von Hirschhausen setzt mit ihrem Modelabel auf Materialien, die alle natürlich und komplett biologisch abbaubar sind. Sie ist fest davon überzeugt, dass die kleinen Unternehmen einen entscheidenden positiven Beitrag leisten können und hat sich nach reiflicher Überlegung entschieden, den gesättigten Modemarkt aufzumischen.

GRÜNE STARTUPS: Frau von Hirschhausen, stellen Sie doch bitte Ihr grünes Startup Natascha von Hirschhausen – Etika Moda kurz vor.

NATASCHA VON HIRSCHHAUSEN: Ich habe an der Kunsthochschule Berlin Weißensee studiert und meinen Meisterschüler abgelegt. Direkt im Anschluss habe ich mein Label „Natascha von Hirschhausen“ gegründet. Außerdem gründete ich mit Stefanie Barz das Online-Magazin „aethic.de„.

Das Modelabel „Natascha von Hirschhausen“ bietet frische Schönheit, schlichte Eleganz, zeitgemäßen Luxus und transparente Nachhaltigkeit für die moderne Frau. Die perfekte Silhouette, edle Materialien und subtile Ästhetik machen jedes Kleidungsstück von Natascha von Hirschhausen zu einem Lieblingsteil das bleibt. Handmade in Berlin.

GS: Welches „grüne“ Problem lösen Sie und welche Vision steckt hinter Ihrem Konzept?

NVH: Mit meinem Label „Natascha von Hirschhausen“ schöpfe ich soziale und ökologische Potenziale transparent aus. Damit möchte ich eine Konsumalternative bieten und das Konsumentenbewusstsein steigern.

Ich setze höchste Standards und arbeite deshalb nahezu ausschließlich mit GOTS und IVN zertifizierten Materialien, die alle natürlich und komplett biologisch abbaubar sind. Bis zum letzten, kleinen Detail verzichte ich komplett auf erdölbasierte Materialien und lege alle Bestandteile der Kleidung online dezidiert dar. Auf der Webseite kann man strukturiert und transparent jegliche Zertifikate, Ursprünge und sonstige Kriterien aller Bestandteile der Kleidungsstücke einsehen.

Darüber hinaus arbeite ich dank innovativer Schnittführung nahezu abfallfrei. Insgesamt komme ich auf durchschnittlich maximal 2% Abfall.

Um kurz nochmal etwas auszuholen: Oft wird gesagt Mode und Nachhaltigkeit könnten gar nicht zusammen passen und zur Zeit scheint dies auch zu stimmen. Der schnelle Wandel erzwingt logischerweise niedrige Preise und hohe Auflagen, da der Konsum schneller ablaufen muss, ohne dass die Reallöhne steigen. Ökonomisch wird behauptet, dass das Wirtschaftsystem nur haltbar sei, wenn dies immer extremer wird, da wir in einem vom Wachstum abhängigen System leben.

Mit meinem Label möchte ich einen Gegenentwurf vorschlagen, der Wachstum und soziale und ökologische Nachhaltigkeit zulässt. Würde man nämlich weniger und dafür auch wirklich bewusster und hochpreisiger Konsumieren, würde Geld, auch bei weniger Konsum, in den Markt eingebracht und schafft Kapital. Wachstum (ideell) bleibt so möglich und sorgt für eine Entwicklung vom „Raubtier-Kapitalismus“ in Richtung einer ausgewogenen Ökonomie. Für eine solche Entwicklung müssen aber alle deutlich weniger und teurer konsumieren, was selbstredend keine besonders populäre Meinung ist.

GS: Wie geht es Ihrer Branche aktuell?

NVH: Das ist ehrlich gesagt eine schwierige Frage, für deren Antwort ich Wochen aufbringen könnte. Aber knapp zusammengefasst: Billiganbieter machen es allen Anderen sehr schwer, beuten ihre Arbeiter aus und zerstören die Umwelt, während sie CSR als Marketing-Strategie missbrauchen. Daran ist zwar abzulesen, dass CSR, sprich ökologische und soziale Nachhaltigkeit im Kundenbewusstsein an Bedeutung gewinnt, allerdings kann der Kunde sich im Greenwashing zunehmend verirren und hat durch die Preise eine verschobene Wahrnehmung von Wertigkeit.

Nachhaltige und soziale Mode wird zwar vom Kunden zunehmend gesucht und auch tatsächlich mehr angeboten, allerdings darf sie für die Kunden leider oft nicht mehr kosten, als konventionelle Ware, was selbstredend unmöglich ist.

GS: Wie sieht Ihr Geschäftsmodell aus?

NVH: Ich möchte behutsam und bedacht starten und die üblichen Überproduktionen in der Bekleidungsindustrie vermeiden. Deshalb lade ich meine Kunden zu mir ins Atelier ein, wo die Sample-Kollektion anprobiert werden kann. Die Kleidungsstücke werden dann entsprechend der Kundenwünsche auf Bestellung im Berliner Atelier gestrickt oder genäht. So kann ich auf Wünsche eingehen, Überproduktion vermeiden und die Wertschätzung gegenüber den Kleidungsstücken wieder aufbauen.

GS: Was waren und was sind die größten Herausforderungen für Ihre Unternehmung auf dem bisherigen Weg?

NVH: In der Mode ist, denke ich, die schwierigste Aufgabe die Kunden zu erreichen. In einem derart überschwemmten Markt Menschen tatsächlich zu erreichen ist aufwendig und zeitintensiv. Und auch wenn das Feedback sehr gut ist, steht oft noch die verschobene Wahrnehmung des Preises im Weg. Große Marken drücken ihre Kosten nicht nur durch günstiges Material und Ausbeutung, sondern auch durch eine große Auflage. Da ich nur mit hochwertigsten Materialien arbeite und persönlich auf Bestellung anfertige müssen meine Preise deutlich höher sein und ich denke die Kunden müssen sich hier erst an die Vorstellung gewöhnen, dass Kleidung mehr kosten muss.

GS: Wie ist Ihr Gründerteam aufgestellt? Welche fachlichen und sozialen Kompetenzen waren für den bisherigen Erfolg ausschlaggebend?

NVH: Gegründet habe ich alleine und kann zum Glück davon sprechen, dass mir viele Menschen beigestanden und mich beraten haben. Tipps und Meinungen konnte ich mir immer von meinem Mentoren, von einem Kommunikationsdesigner, von einer Modemanagerin und anderen holen. Außerdem habe ich von Zeit zu Zeit eine Praktikantin, die mir unter die Arme greift und mich in den täglichen Pflichten unterstützt.

Ich erarbeite also alles vom Schnitt, über den Prototyp, Fotografie und Layout selber, halte dann aber immer nochmal Rücksprache und berate mich mit meinen „Verbündeten“.

GS: Suchen Sie aktuell Mitarbeiter und wenn ja, welche Qualitäten sollten diese mitbringen?

NVH: Ich würde mich freuen das Team mit einem (Sales-)Manager zu ergänzen, der sich für den nachhaltigen und sozialen Bereich interessiert und bereits Arbeitserfahrung gesammelt hat. Am wichtigsten ist am Ende, dass wir gut zusammen arbeiten können, Gewissenhaftigkeit und viel Motivation.

Außerdem freue ich mich über Bewerbungen als Praktikant. Eine Nähausbildung ist hier gern gesehen.

GS: Wo soll die Reise für Ihr Startup in den nächsten 3 Jahren hingehen?

NVH: Am wichtigsten ist mir, dass ich von meinem Unternehmen leben, alle Rechnungen und Miete zahlen kann. Das ist leider im Modebereich alles andere als selbstverständlich. Daran arbeite ich gerade, also ist das Wichtigste, Kunden zu gewinnen und zu überzeugen.

Ich bin kein Anhänger des klassischen Business-Plans, auch wenn ich mir natürlich reiflich Gedanken über mein Unternehmen und die möglichen Entwicklungen mache und gemacht habe. Die Modeindustrie verlangt glaube ich, von jedem Gründer, reifliche Überlegung und dann Agilität, Motivation und Arbeitswillen. Mit dieser Herangehensweise bleibe ich auf einem unberechenbaren Markt beweglich und kann mein Unternehmen rasch einordnen. Deshalb wird die fernere Zukunft erst zeigen, wo ich mich dann befinden werde.

GS: Zum Abschluss: Welchen Tipp möchten Sie zukünftigen Gründern mit auf den Weg geben?

NVH: Ich glaube besonders wichtig ist nicht zu vergessen irgendwann anzufangen.

Perfekt gibt es nicht und wenn man darauf wartet wird man nie anfangen.

Also: Viel Arbeiten, das Unternehmen gut durchdenken und das Starten nicht vergessen.

Mich hemmt oft und regelmäßig mein Perfektionismus. Langes Durchdenken und Zweifeln ist da an der Tagesordnung. Gerade als junges Unternehmen will man sich keinen einzigen Fehler erlauben und glaubt immer sofort man würde nicht ernst genommen, wenn nicht jedes noch so kleine Detail absolut perfekt ist. Und ein sehr hoher Anspruch ist sicher auch die Grundlage für ein gutes Unternehmen, aber man darf sich eben nicht lähmen lassen. Das ist ein schmaler Grat.

Zum Zögern beigetragen hat außerdem der Gedanke: Braucht die Welt wirklich noch ein Modeunternehmen? Ist es nachhaltig noch eine zusätzliche Kollektion und somit zusätzliche Produkte und Ressourcen auf diesen vollen Markt zu bringen? Diese Zweifel sind erst nach meiner Reise nach Bangladesch etwas ruhiger geworden. Seitdem ich die Ausmaße dort erlebt habe, glaube ich, dass jeder ehrlich gemeinte Schritt in die „richtige Richtung“ ein wichtiger Schritt ist. Und da ich nicht unbedingt an große Unternehmen glaube, denke ich, dass viele kleine Unternehmen einen Unterschied zum positiven machen können. Und als eines derer sehe ich mich.

Vielen Dank

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