Grüne Startups wachsen mit ihren Aufgaben

Ein Großkonzern bestellte ein greenUnit zum Testenbei uns und zwei Wochen später wollte uns unser Hersteller auf einmal keinen Nachschub mehr schicken – Sören Schahn von GreenYou im Interview.

Grüne-Startups.de: Würdest du uns GreenYou kurz vorstellen und die bisherige Entwicklung schildern?

Sören Schahn: GreenYou beschäftigt sich mit innovativen Indoor-Gardening und Urban-Gardening Lösungen. Mit unserem greenUnit – dem Zimmergewächshaus mit unserer SUNLIGHT-LED-TECHNOLOGY und automatischer Bewässerung – ermöglichen wir es jedem in den eigenen vier Wänden seine eigenen Kräuter und Gemüse anzubauen. Auch in einer kleinen Stadtwohnung muss man somit nicht auf einen Garten verzichten. Auch eignet sich das greenUnit hervorragend, um über den Winter Pflanzen vorzuziehen.

Wir haben ganz klein gestartet und schon im Jahr 2012 die ersten Prototypen aus Holz entworfen, damals noch mit Leuchtstoffröhren. Schnell sind wir auf die Idee gekommen, dass LED Dioden viel effizienter sind. Außerdem haben wir nach Möglichkeiten gesucht, in unsere Produkte eine automatische Bewässerung einzubauen, um den Pflegeaufwand so gering wie möglich zu halten. Ende 2014 haben wir dann unsere erste Version des greenUnits auf den Markt gebracht. Leider war es dann auch gegen Ende 2015 auch schon wieder vorbei, weil uns die Produktionsfirma einen Strich durch die Rechnung machte und uns nicht mehr belieferte, obwohl wir die Entwicklungsarbeit geleistet hatten, sie besaßen aber die Formen.

Aufgeben kam aber für uns nie in Frage, auch wenn es immer Tiefs zu verarbeiten gab, hielten wir an unserer Vision fest! In 2016 lernte ich meinen neuen Partner Erik kennen, der von dem Konzept begeistert war und über seine Kontakte zu einem Entwicklungsbüro und seinem Einstieg ins Unternehmen wieder Fahrt in unser Projekt brachte. In rasantem Tempo entwickelten wir gemeinsam mit Pavels Innovation aus Norwegen eine verbesserte Version unseres Zimmergewächshauses. Die Formen haben wir dieses Mal durch ein Investment selbst finanziert, so dass sie uns gehören. Viel Zeit wurde in unsere SUNLIGHT-LED-TECHNOLOGY Entwicklung gesteckt, sowie in ein funktionelles Design. Den ersten Prototyp mit Teilen aus einem 3D-Drucker haben wir dann auf der Messe GaLaBau in Nürnberg im September 2016 vorgestellt und mit dem Feedback der Messebesucher dem neuen greenUnit 2.0 den letzten Feinschliff verpasst. GreenYou ist nun wieder solide aufgestellt. Der Verkauf des greenUnit 2.0 ist gut angelaufen und das Feedback der Kunden sehr positiv.

Wie will GreenYou zu einer nachhaltigeren Gesellschaft beitragen?

Oft weiß man gar nicht mehr unter welchen Bedingungen Kräuter und Gemüse aus dem Supermarkt wachsen und was man dort genau isst. Außerdem entsteht durch die großen Transportwege und die Verpackungen viel CO2 und Müll. Unsere große Vision ist es, dass Menschen sich mit Hilfe von unseren Produkten in Zukunft selbst ihr Gemüse und Kräuter das ganze Jahr über anpflanzen können. So weiß man genau unter welchen Bedingungen die Pflanzen gewachsen sind und hat selbst die Kontrolle über den Prozess. Zudem wachsen viele Pflanzen immer wieder nach, sodass man immer wieder ernten kann.

© GreenYou
© GreenYou

Was überwiegt deiner Meinung nach beim Vertical Farming: CO2 Ausstoßminderung oder erhöhter Energiebedarf?

Man muss beide Themen genau betrachten. Es hilft natürlich nichts durchs Vertical Farming den CO2 Ausstoß durch lange Transportwege zu senken, dafür aber Energie aus dem Atomkraftwerk nebenan für die Beleuchtung zu nutzen. Aber Energie lässt sich ja auch ökologisch gewinnen und die LED Technik wird immer effizienter. Unsere Produkte sind mit unserer SUNLIGHT-LED-TECHNOLOGY ausgerüstet, um absolut effizient zu arbeiten, das heißt volle Leistung für das Pflanzenwachstum bei möglichst wenig Stromverbrauch.

Welche Trends verfolgst du im Bereich Urban Agriculture mit Spannung?

Zum einen den Trend sich wieder bewusst und gesund zu ernähren, aber auch die unterschiedlichen Anbaumethoden. Immer mehr Städter wollen wieder ihr eigenes Gemüse und Ihre Kräuter selbst anbauen. Entweder auf dem Balkon und in der Wohnung, oder in einem Wochenendgarten. Auch die ganze Vertical Farming Szene und die Grow-Light Szene verfolge ich natürlich. Mich fasziniert es immer wieder was alles möglich ist in dem Bereich. In einer Stadt in Amerika haben es Leute geschafft, ihre indoor Farm mit 100% erneuerbarer Energie zu versorgen und erzielen mit einem 90% niedrigerem Einsatz von Wasser absolut herausragende Ergebnisse. Wenn man das Thema etwas verfolgt, dann findet man immer mehr solcher Erfolgsgeschichten. Shanghai plant gerade ein massives Projekt über eine 100 Hektar große Vertical Farm zur Versorgung von 24 Millionen Menschen.

Was waren die bisher größten Herausforderungen für GreenYou?

Als wir damals 2014 unseren Onlineshop eröffnet haben ging alles relativ schnell. Wir bekamen sehr schnell mediale Aufmerksamkeit, was auf der einen Seite zwar gut war aber auch schnell Konkurrenz anlockte. Ein Großkonzern bestellte ein greenUnit zum Testenbei uns und zwei Wochen später wollte uns unser Hersteller auf einmal keinen Nachschub mehr schicken. Dies war eine harte Zeit, denn wir saßen auf Nachfrage ohne Ende und konnten diese nicht mehr beliefern, da unser Hersteller anscheinend gekauft wurde.

Wir haben es dennoch geschafft das Unternehmen wieder aufzubauen. Haben monatelang an dem neuen greenUnit gearbeitet, dieses perfektioniert, einen neuen Hersteller gefunden, Kapital besorgt und nun haben wir gerade die neue Lieferung bekommen und es kann wieder losgehen. In dieser Zeit haben wir viel gelernt und viele Prozesse verbessert. Es war eine harte und arbeitsreiche Zeit, aber man wächst mit den Aufgaben.

© GreenYou
© GreenYou

Welche langfristigen Ziele verfolgt das Unternehmen?

In erster Linie haben wir das Ziel, es jedem zu ermöglichen, seine Lebensmittel selber anzubauen. Unsere Indoorgärten sind ein erster Schritt, wir forschen aber bereits an weiteren Projekten, bei denen es um das Thema schnelles Wachstum und optimale Nährstoffversorgung geht. Wir können uns ebenfalls gut vorstellen in Zukunft an Begrünungsprojekten von ganzen Gebäuden beteiligt zu sein.

Welche Rolle wird städtischer Gartenbau deiner Meinung nach in zehn Jahren spielen?

Wenn man die Themen verfolgt, dann erkennt man, dass städtischer Gartenbau zwei primäre Ziele verfolgt. Es geht darum den Lebensraum schöner zu gestalten und durch lebendiges grün für Entspannung und Wohlbefinden zu sorgen. In letzten Jahren spielt die Versorgung mit Nahrungsmitteln eine immer wichtigere Rolle. Dieser Aspekt rückt immer weiter in den Vordergrund, da die Bevölkerung exponentiell steigt und die landwirtschaftliche Nutzfläche durch die Besiedelung immer kleiner wird. Ich denke, dass Wohnraum und Gartenbau in den nächsten zehn Jahren immer weiter zusammenrücken, da auch vertikale Flächen für den Lebensmittelanbau genutzt werden müssen.

Dein Insidertipp: Welches grüne Produkt hat Dich zuletzt fasziniert?

Es ist schwer sich hier auf ein Produkt festzulegen. Wir haben in den letzten Jahren viele tolle Leute mit tollen Produkten und Visionen kennenlernen dürfen. Angefangen mit hängenden Gärten an eigens entwickelten Pflanzschnüren, bis hin zu einem Hobby-Tüftler, der Wurzelgemüse wie Karotten ohne Erde quasi in der Luft wachsen lässt und sie über Beregnung mit Wasser und Nährstoffen versorgt. Am meisten hat mich aber denke ich unser neues greenUnit 2.0 begeistert, als ich das erste fertige Modell aufgebaut habe und das Licht eingeschaltet habe. Aber das ist nach einer so langen Entwicklungszeit denke ich auch selbstverständlich.

2 Kommentare zu Grüne Startups wachsen mit ihren Aufgaben

  1. Das greenUnit 2.0 ist vom Design wirklich gelungen! Glückwunsch greenYou-Team!
    Ich habe mir ein Exemplar bestellt und gleich die Bio-Samen eingesät. Die Bio-Minze kommt schon nach ein paar Tagen raus, die Bewässerung klappt hervorragend 🙂
    Tolles Produkt und inspirierendes Interview!
    Weiterhin viel Erfolg euch!

  2. Hervorragend, aber vielleicht, bis auf die energiesparenden LEDs, nicht ganz so neu, wenn ich ich bedenke, dass wir bereits seit vielen Jahren unseren Hanf im Kleiderschrank anbauen.

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