Vegan mit Herz und Hirn

Immer mehr Menschen probieren sich an einer veganen Lebensweise, denn die Produktauswahl wächst – aber für eine ausgewogene, vegane Ernährung ist auch Wissen gefragt: Grüne Startups könnten diese Anliegen zusammenbringen.

22.05.2017 – Ein Beitrag von Robert Plantus.

Was ist Veganismus?

Veganismus steht für eine Lebensweise, bei der im weitesten Sinne auf Produkte aus tierischer Herkunft verzichtet wird. Weitergehende vegane Auffassungen lehnen außerdem jegliche Art von kommerzieller Haltung und zur Schau Stellung ebenso ab wie Tierversuche oder das Jagen von Tieren.

Veganes Denken ist heute ein wachsender Lifestyle-Trend. Das Thema hat nicht zuletzt durch einschlägige Dokumentarfilme der letzten Jahre über Massentierhaltung, Tierversuche und die Lebensmittel-, Kosmetik- und Bekleidungsindustrie im Allgemeinen, aber auch die kontroversen Kampagnen der PETA und weiteren Organisationen deutlich an Reichweite gewonnen. Will man vegane Ernährung für sich ausprobieren, findet man Online problemlos Foren, Rezepte und Ratgeber, sodass die Ernährungsumstellung heute wesentlich angenehmer und weniger verzichtlastig erfahren werden kann.

Ein weiterer, ausschlagender Aspekt des Veganismus ist, dass die Massentierhaltung über das Leiden der Tiere hinaus auch einen ökologischen Faktor darstellt – denn um dem heute extrem hohen Fleischkonsum nachzukommen, sollen die Tiere besonders schnell heranwachsen und möglichst viel Masse produzieren. Hierzu wird Kraftfutter verwendet und da für dessen Massenproduktion vermehrt Ackerland angelegt wird (die inneffizienteste Form der Landumnutzung), verstärkt die Massentierhaltung auch den Treibhauseffekt. Laut dem Umwelt Bundesamt  trägt „Die Landwirtschaft in Deutschland maßgeblich […] zur Emission klimaschädlicher Gase bei. Dafür verantwortlich sind vor allem Methan-Emissionen aus der Tierhaltung, das Ausbringen von Wirtschaftsdünger (Gülle, Festmist) sowie Lachgas-Emissionen aus landwirtschaftlich genutzten Böden als Folge der Stickstoffdüngung (mineralisch und organisch).“

Vegane Ernährung umstritten

Auf mögliche gesundheitliche Schäden aufgrund von zu hohem Fleischkonsum wird schon seit vielen Jahren hingewiesen. Unlängst warnte die World Health Organisation, dass verarbeitete Fleischprodukte (Wurstwaren etc.) in großen Mengen das Krebsrisiko erhöhen – selbst vor rotem Fleisch im Allgemeinen wird gewarnt. Da die ausgewerteten Studien aus verschiedenen Gründen – wie dem Status der Krebsforschung und ethischen Restriktionen – jedoch nur bedingt Aussagefähig sind, stoßen sie nicht nur seitens der Lebensmittelindustrie auf Kritik.

Ein häufiges Argument gegen vegetarische beziehungsweise vegane Ernährungsformen sind mögliche Nährstoffmängel. Diese betreffen beispielsweise das Vitamin B12, Jod, Calcium, Eisen oder Zink. Relevant ist dies besonders in der Schwangerschaft, da die Speicher des heranwachsenden Kindes wesentlich geringer sind als die eines Erwachsenen. Diese Mängel können jedoch durch gründliche Recherche und Planung der eigenen Ernährung vermieden werden – und hier dürfte wohl eher die Baustelle sein. Einen kompletten Ernährungsplan zu erstellen und dabei auf die Zufuhr aller wichtigen Nährstoffe zu achten, fällt nicht jedem leicht. Dies ist jedoch nicht wirklich der veganen Ernährung geschuldet. Es hat auch damit zu tun, welche Informationen und vor allem welche geeigneten Produkte verfügbar sind.

Information ist alles

Wer heute in einen Supermarkt geht, wird von der schieren Anzahl von Produkten pro Abteilung und Regal fast erschlagen. Die Auswahl, mit der wir in unserem Alltag konfrontiert werden, geht mit  schwer überschaubaren und nicht selten intransparenten Herstellungs- und Verarbeitungsprozessen einher. Zusatzstoffe sollen häufig dafür sorgen, dass ein Produkt länger haltbar ist und attraktiv erscheint. Da ist es kein leichtes Anliegen, als Verbraucher vor dem Kauf schnell genügend Informationen über das jeweilige Produkt zu erlangen, um eine gesunde, ökologische und ethische Entscheidung zu treffen.

Barcode-Scanner und vergleichbare Apps können zwar helfen, sollten aber nicht die letzte Instanz der Informationsbeschaffung sein. Die globale Lebensmittelindustrie ist schneller hochgewachsen als die aus heutiger Perspektive so dringend notwendigen Instanzen zur Aufklärung und Regulation. Das Aufkommen und die Vielfalt unterschiedlicher Auffassungen, Bewegungen und Trends lässt jedoch hoffen, dass immer mehr Menschen für das Themenfeld sensibilisiert werden.

Die Umstellung unserer Gewohnheiten ist dabei eine ebenso große Herausforderung, wie eine langfristige Umstellung der Wirtschaft, die jene versorgt. Einmal mehr könnten hier grüne Startups mit ihrer Innovationskraft die Schnittstelle zwischen Mensch und Wirtschaft sein, damit diese sich die Hand geben und endlich zusammenarbeiten. Auf in die Themenwoche Vegane Startups!

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