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Think global, act local!

Bild: Frank Selter, Gründer und Geschäftsführer von Kaipara - Merino Sportswear

“Spinnt man den Faden zu Ende, könnte man das Merino T-Shirt am Ende seines Lebens noch als Gartendünger verwenden”, so Frank Selter von Kaipara.

Herr Selter, Sie sind Gründer und Geschäftsführer von Kaipara, einer Sport- und Freizeitmarke die ausschließlich Produkte aus Merinowolle anbietet. Hat der Name Kaipara eine besondere Bedeutung?

FRANK SELTER:
Kaipara kommt aus der Sprache der Maori, eines ursprünglich polynesischen Volkes, das vor Jahrhunderten Neuseeland besiedelte. Bis heute sprechen die Maoris, hier wie dort, die gleichnamige Sprache: „Te Reo Māori”.

„Nomen est omen”, ist angeblich ein Zitat des römischen Komödiendichter Plautus, (250 – 184 v. Ch.) und bedeutet frei(er) übersetzt: „Der Name ist Zeichen” oder auch „Der Name ist Programm”. Vor diesem Hintergrund haben wir mögliche Namen diskutiert und uns letztendlich für „Kaipara” entschieden, denn Kaipara bedeutet „sportlicher Wettbewerb”.

Seit der griechischen Antike werden mit dem Begriff „sportlich” auch die Eigenschaften „athletisch” und „durchtrainiert” verbunden. Menschen, die heute als „sportlich” bezeichnet werden, betreiben aktiv Sport und sind sehr häufig auch „naturverbunden” und „umweltbewusst.” Das Eigenschaftswort „sportlich” ist aber auch ein Synonym für „anständig”, „aufrichtig”, „ehrlich”, „fair”; insbesondere in der englischen Sprache. Das Idiom „he’s a good sports” umfasst diese vier Charaktermerkmale gleichermaßen.

In eben diesem Sinne möchten wir mit Kaipara ein Zeichen setzen und wir hoffen und wünschen uns, dass unsere Kunden, dieses Zeichen auch als Botschaft verstehen.

Was steckt hinter der Aussage „Born in New Zealand – Made in Germany“?

Kaipara ist eine Sport- und Freizeitmarke, die dem ethischen Anspruch des umweltbewussten Kunden gerecht wird. Alle unsere Produkte werden aus bester neuseeländischer Wolle hergestellt, die das MAPP und ZQ-Merino Zertifikat tragen – das Öko-Zertifikat Neuseelands. Diese stehen für Nachhaltigkeit, Umweltschutz, Tierschutz und soziale Verantwortung. Genau das entspricht auch den Werten unserer Firmenphilosophie.

“Born in New Zealand” bezieht sich auf unseren Rohstofflieferanten, das Merinoschaf, das in Neuseeland zuhause ist, wo auch die Idee “geboren” wurde. In Verbindung mit “Made in Germany” wollen wir das Beste aus zwei Welten zusammen bringen. Unsere Produktion ist im Allgäu und alle Artikel werden dort handgeschneidert – vom Zuschnitt, bis zum letzten Handgriff, denn hinter “Made in Germany” steht ja nicht nur eine Herkunftsbezeichnung, sondern es ist auch ein internationaler Begriff für besonders hochwertige Verarbeitungsqualität.

Auch die Zutaten, wie Reißverschlüsse und Garne beziehen wir von Firmen, die in Deutschland ansässig sind und dort produzieren. Alle Drucke und Stickereien werden in der Region von mittelständischen Familienunternehmen gefertigt.

Kleidungsstücke aus Merinowolle gibt es bereits schon länger. Wie sind Sie jedoch auf die Idee gekommen, Merinowolle speziell für Sport-Textilien einzusetzen?

Merinowolle ist keine Neuentwicklung, sondern vielmehr eine Wiederentdeckung, denn bereits unsere Großeltern kannten Merinowolle und die Bergausrüstung vor 100 Jahren bestand damals in der Kleidung ausschließlich aus Wolle. Allerdings geriet diese durch den Siegeszug der Kunstfaser lange Zeit in Vergessenheit. Erst durch die Bewusstseinsveränderung der letzten Jahre, hin zu mehr Nachhaltigkeit und Materialien aus Naturfasern erlebt auch Merinowolle ein ungeahntes Comeback.

Die heutige Merinowolle im Bereich der Funktionsbekleidung ist natürlich deutlich feiner und somit weicher und im Gegensatz zu früher natürlich völlig kratzfrei.

Die besonderen Eigenschaften von Merinowolle kommen beim Sport am deutlichsten zur Geltung. Merinowolle ist DIE Funktionsfaser der Natur.

Merinowolle ist:

– geruchsneutralisierend durch ihre antibakterielle Eigenschaften

– feuchtigkeitsregulierend und nimmt 33 % ihres Eigengewichts an Feuchtigkeit auf

– temperaturregulierend und wärmt bei Kälte, aber kühlt auch bei Wärme

– atmungsaktiv und isolierend und stellt immer ein angenehmes Körperklima her

– schnell trocknend und wärmt auch noch in nassem Zustand

– pflegeleicht und in der Waschmaschine bei 40 Grad waschbar

– mit natürlichem UV-Schutz bis Faktor 40 ausgestattet

– schwer entflammbar und brennt erst ab einer Temperatur ab 560 Grad Ceslsius

– ein nachwachsender und nachhaltiger Rohstoff

Durch diese Eigenschaften ist sie aber nicht nur für alle Sportarten geeignet, sondern eben auch für den Alltag und auf Reisen. Überspitzt gesagt, kann man direkt vom Berg ins Office oder nach dem Morgensport ins Meeting durchstarten. Immer dann, wenn man viel in Kontakt mit Menschen ist und sich nicht immer Sorgen will, ob das Deo auch mitmacht. Merinowolle sorgt in jeder Situation für ein frisches und sicheres Tragegefühl.

Die Idee selbst kam im Rahmen einer einjährigen Rucksacktour mit meiner Frau während des 3-monatigen Aufenthalts in Neuseeland. Da wir passionierte Kletterer sind und Kleidungstücke aus Merinowolle kennen und lieben gelernt haben, waren wir mit ihren Vorzügen bereits vertraut. In Neuseeland stießen wir dann jedoch auf Merinoqualitäten, die wir so bis dahin nicht kannten und wollten diese innerhalb eines nachhaltigen Konzepts mit einer Produktion, “Made in Germany” verbinden. Durch den Direktverkauf, ohne zusätzliche Margen für den Zwischenhandel, können wir hier die gleichen Preislagen belegen wie unsere Mitbewerber. Das war die Niche, die wir suchten – überragende Qualität in Deutschland gefertigt zu vergleichbaren Preisen.

Ihr Anspruch ist nicht nur der Verkauf umweltfreundlicher Produkte, sondern ebenso eine komplett nachhaltig ausgerichtete Wertschöpfungskette. Wie sieht diese konkret aus?

Wenn von Nachhaltigkeit gesprochen wird, dann muss diese auch in der gesamten Wertschöpfungskette verankert sein und gelebt werden. Auch wenn wenig, besser als nichts ist, macht es einfach keinen Sinn, sich dabei nur auf einige Bereiche zu konzentrieren und andere auszublenden. Das wäre dann das typische “grün anzumalen”.

Durch die Zertifikate von MAPP und ZQ-Merino, dem neuseeländischen Öko-Zertifikat für unsere Stoffe, ist es gewährleistet, dass von der Schafszucht bis zum fertigen Stoff alle Aspekte des nachhaltigen Wirtschaftens in den Bereichen Tierschutz, Umweltschutz und sozialer Verantwortung Berücksichtigung finden. So sind unsere Merinostoffe zum Beispiel natürlich auch Mulesing-frei.

In Deutschland produzieren wir in Kooperation mit kleinen mittelständischen Handwerksbetrieben, die ich alle noch persönlich kenne. Alle Zutaten, wie Reißverschlüsse und Garne kommen von Firmen aus Deutschland, die auch ihre Fertigung hier haben. Somit haben wir kurze Wege.

Der Versand unserer Ware an den Endverbraucher erfolgt über DHL GOGREEN und ist somit klimaneutral.

Auf unnötige Produktverpackung verzichten wir und verwenden als Versandverpackung nur Versandtaschen und Kartonagen, die aus recycelter Quelle stammen. Selbst die Klebestreifen der Versandtasche sind aus Melasse, was ein Abfallprodukt aus der Zuckerindustrie ist.

Spinnt man den Faden zu Ende, könnte man das Merino T-Shirt am Ende seines Lebens noch als Gartendünger verwenden, denn Merinowolle ist vollständig kompostierbar.

Anders als die meisten Textilhersteller lassen Sie ausschließlich von KMU in Deutschland produzieren. Wird dieses Engagement von Verbraucherseite aus wertgeschätzt?

Durch den Wertewandel der letzten Jahre hin zu mehr Nachhaltigkeit und zu mehr Werthaltigkeit wird dieses Engagement von Verbraucherseite auf jeden Fall wertgeschätzt, und zwar mit steigender Tendenz. Der Begriff “think global, act local” kommt hier einer großen Bedeutung zu. In unserem Fall heißt das, dass wir zwar Merinowolle aus Neuseeland verwenden, da es keine qualitativ adäquate Merinowolle in Deutschland oder Europa gibt, aber die Produktion ist hier in der Region. Damit kommt der Ware wieder mehr Wertigkeit zu und sie erhält ein “Gesicht”, mit dem sich der Kunde stärker identifizieren kann und das weniger austauschbar ist und ein gutes Gefühl vermittelt.

Das geht übrigens über alle Gesellschaftsschichten und ist nicht kausal nur vom Einkommen abhängig, sondern ist ein Statement, das aus einer Lebenseinstellung heraus gelebt wird.

Im Bereich Ernährung ist bereits seit Jahren ein steiler Trend hin zu Bio- und regionalen Produkten erkennbar. Beim Kauf von Mode entstehen direkte Vorteile für einen selbst nicht sofort, sondern eher indirekt, indem man Verantwortung für seine Mitmenschen und Umwelt übernimmt. Wie sensibilisiert sind deutsche Verbraucher, was den Kauf von Textilartikeln anbelangt?

Der positive Einfluss im Bereich der Ernährung ist erst mal auch nur über den Geschmack auszumachen. Gesundheitlich positive Effekte stellen sich erst mittelfristig ein. Ein Kleidungsstück umgibt einen großen Teil der Haut, dem größten Organ des Menschen. Wer eine gewisse Sensibilität nicht verloren hat, oder womöglich Allergiker ist, der weiß auch was mit Hautkontakt im positiven wie auch im negativen Sinne alles verbunden sein kann.

Natürlich ist ein starker Motivator die Übernahme von Verantwortung für Mitmenschen und die Umwelt damit verbunden. Allerdings fängt ja die Nächstenliebe schon bei einem selbst an. Ich muss in der Lage sein mich selbst zu lieben, um andere zu lieben. Und wer will schon ein Kleidungsstück tragen, bei dem er vermuten muss, dass es unter Bedingungen entstanden ist, die er sich selbst nicht zumuten möchte. Es wird also weniger weggeschaut.

Die Sensibilität des deutschen Verbrauchers ist in den letzten Jahren diesbezüglich stark gestiegen. Es besteht ein Umdenken in der Wertegesellschaft und das Motto “Geiz ist Geil” verliert bei vielen an Durchschlagkraft. Natürlich ist es eine Frage der persönlichen Entwicklung, die auch oft mit dem Alter und der Reife einhergeht, aber das Bedürfnis sich etwas Gutes zu tun, kann auch nicht im Diskounter mit dem allgegenwärtigen “Billigstpreis” nachhaltig befriedigt werden.

Last not least hält ein hochwertiges Produkt auch länger, als jene die für die Wegwerfgesellschaft billigst konzeptioniert sind.

Welchen Standards entsprechen Ihre Produkte und was können Sie Verbrauchern mit auf den Weg geben, um qualitativ hochwertige und nachhaltige Sport- und Outdoor-Kleidung erkennen zu können?

Die von uns verwendeten Merinostoffe sind MAPP und ZQ-Merino zertifiziert. Das ist das neuseeländische Öko-Zertifikat und erfüllt zum Beispiel die Anforderungen für den bei uns bekannte Öko-Tex Standard. Zukünftig wollen wir uns auch “Bluesign” zertifizieren, denn unser Merinolieferant erfüllt dazu bereits die Anforderungen. Allerdings sind die dafür höheren Mindestmengen für uns noch nicht erreichbar, da wir erst seit Ende 2013 auf dem Markt sind und einer Zertifizierung zusätzliche sehr hohe Jahresgebühren folgen würden.

Der aufgeklärte und interessierte Verbraucher kann anhand einer Vielzahl von Erkennungsmerkmalen Unterschiede erkennen. Zunächst einmal würde ich den gesunden Menschenverstand walten lassen, denn ein T-Shirt für 5 Euro kann weder aus nachhaltig angebauter Baumwolle noch aus sozial-verträglicher Produktion stammen. Heutzutage wird jeder Hersteller, der qualitativ hochwertige und nachhaltige Produkte anbietet, dies auch kommunizieren. Sagt er nichts, dann ist da auch nichts.

Viele Informationen lassen sich zudem über das Internet finden. Angefangen bei der Webseite des Herstellers, bis hin zu einschlägigen Webseiten und Foren, die sich damit beschäftigen. Eine weitere Möglichkeit ist einfach und direkt – beim Händler oder Hersteller selbst nachfragen. Die verschiedenen Zertifikate und Siegel können zusätzlich Sicherheit bringen.

Die meisten Konsumenten haben weder Zeit noch Lust, sich vor dem Kauf zunächst mit unterschiedlichen Zertifikaten vertraut zu machen. Könnte es nicht ein einziges internationales Gütesiegel geben, das sämtliche Qualitäts- und Nachhaltigkeitsindikatoren abbildet?

Vorreiter hierbei ist das Siegel “bluesign”. Mit dem bluesign-Siegel werden Produkte ausgezeichnet, deren gesamter Herstellungsprozess für die Gesundheit unbedenklich und maximal umwelt- und ressourcenschonend ist. Der unabhängige Standard orientiert sich an weltweit strengsten Regulierungen und Grenzwerten bezüglich Verbraucher- und Umweltschutz. Er deckt die fünf Aspekte Konsumentenschutz, Abwasser, Abluft, Arbeitssicherheit und Ressourcenproduktivität ab.

Das geht schon ganz gut in die Richtung eines nachhaltigen Siegels nach ganzheitlichem Ansatz.

Wie wird sich Ihrer Einschätzung nach die deutsche Textilindustrie innerhalb der nächsten 5 Jahre entwickeln? Braucht es erst strenge Auflagen seitens der Politik, damit Kinderarbeit, unfairer Handel und Umweltsünden beim Herstellungsprozess endlich der Vergangenheit angehören?

Es gibt bereist Ansätze, dass Textilzulieferer und Textilunternehmen wieder stärker in Deutschland produzieren. Dies betrifft allerdings vorwiegend hochwertigere Produzenen. Die Vorteile einer Produktion in Deutschland liegen natürlich in der Nähe, dem Know-How und dem hohen Qualitäts- und Fertigungsstandard. Kurze Wege und mehr Flexibilität tun ihr übriges um den Produktionsstandort Deutschland wieder zu stärken.

Allerdings wird die Lösung nicht für alle in “Made in Germany” zu finden sein. Denn zum einen ist die Industrie über Jahrzehnte bereist abgewandert und es mangelt an Fachkräften hierfür. Und zum anderen ist nichts verwerfliches an Produkten aus Fernost, unter der Voraussetzung, dass Mindeststandards im Umweltschutz eingehalten werden und die Mitarbeiter in den Ländern mit ihrem Einkommen und einer sozialen Absicherung ein lebenswertes Leben führen können und ihre Familien und sich ernähren können. In diese Richtung muss die Forderung lauten und Sie muss vom Kunden kommen.

Das ganze Interview mit Kaipara lesen Sie auf LifeVERDE.de.

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