Tausch-App macht Spaß und bringt menschen zusammen

In the mood for Tausch. © Jaspr

Um nachhaltiges Verhalten zu einer langfristigen Gewohnheit zu machen, muss die Bedienung der Plattform einfach, intuitiv und effizient sein.“ – so Noel Wigdor von Jaspr Trades im Interview.

21.06.2017

Grüne-Startups.de: Würden Sie uns Jaspr Trades kurz vorstellen und die bisherige Entwicklung schildern?

Noel Wigdor: Das Konzept des Tauschens ist schon lange ein Fokus meines Interesses. Während dem Bachelor in Kanada habe ich am Matching-Algorithmus getüftelt, einige Jahre später dann mit Mitarbeitern bei Babbel den Prototypen für Jasprs Vorgänger Towsh gebaut. Überzeugt von dem Potenzial, kündigen wir bei Babbel und bringen 2016 Jaspr offiziell an den Start – nach einiger Zeit in Betaphase und erfolgreich abgeschlossener Kickstarter Kampagne kam Jaspr dann im März dieses Jahres kostenlos für alle in die relevanten Appstores.Mittlerweile sitzt Jaspr 5-köpfig in einem kleinen Büro in Berlin Kreuzberg. Die Community und ihre Gründer sind in regem Austausch, Jasprs Mitarbeiter sind selbst aktive Mitglieder in Berlins Tauschszene.

Das Team (v.l.): Tom Sammons, Noel Wigdor, Steve Duncan, Tobias Ottenweller, Louis Reinhardt © Jaspr
Das Team (v.l.): Tom Sammons, Noel Wigdor, Steve Duncan, Tobias Ottenweller, Louis Reinhardt © Jaspr

Welches grüne Problem möchte Jaspr Trades lösen und welche Vision steckt hinter dem Konzept?

„Circular Economy“ ist schon seit geraumer Zeit der status quo in der Müllindustrie, Recycling schon lange essentiell für ein nachhaltiges Leben. Durch den Tausch von Gütern wird deren Lebensspanne deutlich verlängert, während kein zusätzliches Budget ausgegeben werden muss. „Des einen Leid ist des anderen Freud.“ – nur weil ich etwas nicht mehr benutze, wird es nicht unbenutzbar. Die Vision ist es Leute zusammen zu bringen und sie tauschen zu lassen; egal ob Fähigkeiten oder materielle Güter – es geht um Austausch zwischen Menschen, zwischen Nachbarn. Das schafft man mit Jaspr als Plattform in der Mitte. Jaspr bietet die Plattform, den Rest machen die Nutzer unter sich aus.

Wie und von wem wird Ihr Angebot genutzt und ist eine gesteigerte Nachfrage erkennbar?

Jaspr wird aktuell vor allem von jungen Leuten benutzt, meist beruflich tätig, umweltbewusst. Sie unterstützen die Gemeinschaft und helfen sich gegenseitig. Außerdem ist es ziemlich spannend, die ungebrauchten Dinge des Alltags gegen neue Sachen zu tauschen. Jaspr ist gerade nur als App erhältlich – daher wird konstant überall gecheckt, was es neues gibt in der Community.

Wie kann man nachhaltiges Verhalten für die breite Masse attraktiver machen?

Um nachhaltiges Verhalten zu einer langfristigen Gewohnheit zu machen, muss die Bedienung der Plattform einfach, intuitiv und effizient sein. Natürlich muss das Bewusstsein für Nachhaltigkeit und der Wille, diese auch aktiv umzusetzen, da sein. Ein wenig mehr Aufwand als einfach einkaufen zu gehen ist es allemal, aber eben hier muss jeder einzelne mit seiner Überzeugung gegenhalten.

Wie sieht ihr Geschäftsmodell aus?

Wenn Leute tauschen, direkt – dann nimmt Jaspr keinen Anteil davon und bleibt sich als geldloser Tauschplattform treu. Sobald sich allerdings zwei Nutzer auf einen Tausch einigen und einer der beiden um einen bestimmten Geldbetrag einbringt, um den Wert auszugleichen, dann nimmt Jaspr eine kleine Provision. Dieses Modell ist noch nicht in der aktuellen App enthalten.

Was waren die bisher größten Herausforderungen für Jaspr Trades?

Die größte Herausforderung für Jaspr, wie auch für jeden digitalen Marktplatz, sind die Menschen, die den Platz mit neuen Dingen füllen. Neue Leute, die sich mal umsehen wollen, sind schnell wieder weg, wenn nichts los ist, deswegen muss konstant ein Strom an Gütern, Fähigkeiten und eine Balance zwischen Angebot und Nachfrage herrschen. Genau das allerdings in verschiedenen Städten, verschiedenen Sprachen und Ländern anzubieten, mit begrenztem Ressourcen, ist gar nicht so einfach. Deswegen bauen wir sehr auf der Community auf und bleiben mit unseren Nutzern in engem Kontakt.

Glauben Sie, man kann die Gewohnheiten der Menschen beim Kaufen und Verbrauchen langfristig ändern?

Wenn es einem gelingt, den Menschen den Wechsel auf Alternativen so einfach wie möglich zu gestalten und dabei einen entscheidenden Vorteil bietet, dann ist es auf jeden Fall möglich.

Welche Rolle werden Sharing-Dienste ihrer Meinung nach in Zukunft spielen?

Hoffentlich eine große: die Nebeneffekte von eben diesen sind zu gut um nicht angewandt zu werden. Früher wurden die Klamotten der älteren Kinder an die jüngeren weitergegeben; heute können es die eigenen Geschwister sein, vielleicht die Nachbarskinder, vielleicht aber auch irgendwer aus dem Internet, der in diesem Moment eine passende Kompensation bereit hält. Der Nutzer hält die Share Economy mit Jaspr in seinen Händen – Jaspr bietet die Plattform, den Rest machen die Nutzer unter sich aus, dadurch gibt es Win-Win-Situationen für jedermann.

Ihr Insidertipp: Welches grüne Produkt hat Sie zuletzt fasziniert?

Crclr, ein Circular Economy Ableger von Agora Rollberg, einem Shared CoWorking-Space in Berlin Neukölln, welcher sich auf Kreislaufwirtschaft spezialisiert hat. In jeder Hinsicht, in jedem Bereich – Kaffeekapseln aus altem Kaffeesatz zum Beispiel.

 

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