Universelle Energiespeicher im Aktenkoffer-Format

Die kompakten Cleanenergypacks aus regenerativer Energie können vielfältig eingesetzt werden wie beispielsweise für Häuser,  Autos, Transporter, Zelte oder Boote.

GRÜNE STARTUPS: Herr Marchl, stellen Sie doch bitte Ihr grünes Startup Clean Energy Global kurz vor.

PETER MARCHL: Clean Energy Global ist im September 2016 in Berlin von einem Team gegründet worden, das sich schon seit über zehn Jahren mit regenerativer Energie und Elektromobilität beschäftigt. Das Unternehmen hat die wichtigsten eigenen Technologien rechtlich geschützt und arbeitet jetzt an der Entwicklung der ersten Prototypen.

Das erste Produkt ist das cleanenergypack, ein vernetzter, tragbarer und universell einsetzbarer Energiespeicher im Format eines Aktenkoffers. Durch das geringe Gewicht kann das CEP von einer Person einfach getragen werden. Im Moment können wir eine Speicherkapazität von knapp 5 kWh unterbringen, aber da CEP verschiedene Batterieformate und Speichertechnologien aufnehmen kann, bin ich zuversichtlich, dass dieser Wert bald weiter steigen wird.

CEP kann Anwendungen von 48V bis 400V direkt mit Energie versorgen. Durch die Kommunikation mehrerer CEPs entsteht ein intelligenter Schwarm, der auch über verschiedene Anwendungen hinweg Elektrizität speichern, tauschen und verteilen kann. Dabei entstehen große Mengen an Daten zu Verbrauch, Einsatzart, eingespeicherter oder abgegebener, geteilter Energie usw. Um hier Sicherheit gewährleisten zu können, verwenden wir Blockchain-Technologie sowie tamper-proofed Chipsätze.

Welches „grüne“ Problem lösen Sie und welche Vision steckt hinter Ihrem Konzept?

Wir lösen mehrere Probleme auf einmal:

  1. Elektrizität kann man nicht so einfach herumtragen wie z.b. Benzin oder Gas.
  2. Die bestehenden Strom-Netze sind schon jetzt nicht mehr wirklich in der Lage, die steigende Anzahl von kleinen Stromproduzenten und Stromverbrauchern sicher zu versorgen.
  3. Ein Großteil der Welt hat keinen zuverlässigen Zugang zu Elektrizität und behilft sich deshalb häufig mit kleinen, teuren und umweltschädlichen Generatoren.
    Licht, Telefon, Information sind Grundlage für jegliche soziale, technische, industrielle Entwicklung aber es ist illusorisch alle ans Netz anzuschließen und hier möchten wir eine Lösung anbieten.

Dazu kommt die Elektromobilität, auch sie ist auf effiziente Speichertechnologie angewiesen. Clean Energy Global kann hier Abhilfe schaffen indem es einfach und schnell Energie aus regenerativen Quellen für Häuser,  Autos, Transporter, Zelte, Boote liefern kann und zwar untereinander austauschbar. Dadurch kann die Speicherkapazität für die regenerative Energierzeugung und die Elektromobilität gemeinsam aufgebaut werden, was viel effizienter ist als wenn jeder Sektor seine eigenen Kapazitäten herstellt.

Welches sind Ihrer Einschätzungen nach aktuell die 3 größten Herausforderungen im Bereich Elektromobilität, die es zu meistern gilt?

Die immer wieder zitierten Probleme der Elektromobilität – Reichweite, Infrastruktur, Preis – sind natürlich wichtige Punkte in der öffentlichen Diskussion, aber sie sind zum größten Teil psychologischer Natur, und können deshalb am besten mit Marketingmaßnahmen gelöst werden. Technisch ist keines dieser Probleme alleine zu lösen, sondern nur mit dem integrierten Ansatz, den Clean Energy Global anbietet: der Preis von Elektrofahrzeugen ist auch deshalb so hoch, weil extrem hohe Reichweiten gefordert werden – die wiederum wegen der langen Ladezeiten und geringen Anzahl von öffentlichen Schnelladern nötig sind. Das modulare cleanenergypack kann überall geladen werden, ist innerhalb weniger Minuten zu wechseln, und erlaubt deswegen günstigere Elektrofahrzeuge mit wesentlich geringerer Basiskapazität.

Glauben Sie, dass die besten Batterien in Zukunft aus Deutschland kommen?

Bei Batterien sollte man zwischen Batteriezellen, Batteriemodulen und Batteriesystemen unterscheiden. Batteriezellen kommen bisher vorwiegend aus dem asiatischen Raum, aber die Forschungen in Deutschland werden mit einem Fokus auf Energiedichte aber auch Langlebigkeit und Recycelbarkeit weiter getrieben. Bei Batteriemodulen und Batteriesystemen kann man in Deutschland jetzt schon internationale Spitzenprodukte erhalten – und dazu soll auch das cleanenergypack als offener, globaler Standard gehören. Die Energie- und Automobilindustrie investiert bereits jetzt in große Kapazitäten zur Herstellung von Batteriesystemen, die allerdings nur für spezifische Anwendungen ausgelegt sind.

Wie sieht Ihr Geschäftsmodell aus?

Unser Geschäftsmodell besteht einerseits in der Lizenzierung der Herstellung und des Betriebs von cleanenergypacks. Da der Anwendungsbereich sehr weit gesteckt, ist kann sich um cep ein Ökosystem entwickeln aus Anwendungen die untereinander quasi kommunizieren können. Wir hoffe, dass eine große große Zahl von CEPs von verschiedenen Herstellern gebaut werden und wir das Innenleben, die Intelligenz immer weiter entwickeln.
Andererseits werden wir die Kommunikation und Software aller CEPs weltweit managen und die entstehenden Daten den Betreibern zur Verfügung stellten.

Was waren und was sind die größten Herausforderungen für Ihre Unternehmung auf dem bisherigen Weg?

Die Seedrunde ist bei Clean Tech Start-ups deutlich größer als bei Software Start-ups und man braucht einen langen Atem bei der Investorensuche.

Aber das Speicherthema ist als zentrale Lösung der Energiewende endlich auch bei den Investoren angekommen und das Interesse an unseren Konzepten ist inzwischen sehr groß.

Wie ist Ihr Gründerteam aufgestellt? Welche fachlichen und sozialen Kompetenzen waren für den bisherigen Erfolg ausschlaggebend?

Unser Gründerteam kommt aus recht unterschiedlichen Bereichen. Philipp Rosengarten hat in der Automobilindustrie als Analyst sowie als Finanzmanager bei einem börsengelisteten Biodieselhersteller gearbeitet und kümmert sich um die Finanzplanung, ich selber habe jahrelang Photovoltaik Anlagen in Süditalien und Entwicklungsländern projektiert und bin als CTO für die Technik verantwortlich.

Suchen Sie aktuell Mitarbeiter und wenn ja, welche Qualitäten sollten diese mitbringen?

Wir werden in der Zukunft besonders Elektroingenieure sowie Softwareprogrammierer brauchen, die sich um die Umsetzung von cleanenergypack gerade bei mobilen und stationären Kundenapplikationen kümmern.
Und Interessierte Menschen, ob jung oder alt, die an der erfolgreiche Umsetzung der Energiewende mitarbeiten wollen. Wir wollen einen Weg aufzeigen, ohne fossile Energie auszukommen und da ist das Speicherthema im Augenblick noch der „missing link“ den wir proaktiv angehen.

Wo soll die Reise für Ihr Startup in den nächsten 3 Jahren hingehen?

Wir wollen schnell Pilotprojekte in unterschiedlichen Anwendungen realisieren, und das in allen geographischen Richtungen: Stärke im Heimatmarkt für die globale Expansion. Wir haben vor kurzem gute Kontakte in den Vereinigten Staaten und China geknüpft und hoffen dort einige interessante Projekte zu begleiten.

Zum Abschluss: Welchen Tipp möchten Sie zukünftigen Gründern mit auf den Weg geben?

Begeistert sein von einer gemeinsamen Vision, Kosten niedrig halten, an Kundenproblemen ausrichten und durchhalten bis der richtige Zeitpunkt gekommen ist: Timing ist der wichtigste Erfolgsfaktor und dazu braucht es oft langen Atem und viele Iterationsschleifen, bis das Produkt da ist, wo es Kunden begeistert und sie es unbedingt haben wollen. Wenn der Kunden dann anfragt, zählt vorallendingen Schnelligkeit, Präzision und Flexibilität.

Vielen Dank

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