Grüne-Startups ist die Plattform für Startups zu den Themen Nachhaltigkeit und grüne Innovationen.

Startups in der Corona-Krise

Gründerinnen The Female Company Ann-Sophie und Sinja Stadelmaier ©Linda Ambrosius

Grüne Startups sind natürlich auch von den Auswirkungen der Corona-Krise wirtschaftlich betroffen. Wir wollten deshalb wissen, wie sehr und in welchen Branchen es die nachhaltigen Jungunternehmen besonders trifft. Hierzu haben wir uns u. a. mit den Startups Grüne Welle Kommunikation, green-energy-scout und The Female Company unterhalten.

Ein eingeschränkter (Berufs-)Alltag durch Corona

Die aktuelle Situation bezüglich des COVID-19 Virus geht mit vielen sozialen und wirtschaftlichen Veränderungen einher. Viele Unternehmen können ihren Betrieb nicht wie gewohnt fortführen gerade dann, wenn normalerweise viel persönlicher Kontakt zu Kund*innen oder Kolleg*innen den Arbeitsalltag prägt. Eine Vielzahl an Jobs ohne Standortbindung, wurden bereits ins Home-Office verlegt. Einige Unternehmen erleben durch Corona eine gesteigerte Nachfrage ihrer Produkte, wohingegen andere mit Absatzeinbußen zu kämpfen haben.

Die aktuelle Situation besteht darin, dass zunächst ein allgemeines Verbot für öffentliche Veranstaltungen und Aktivitäten bundesweit ausgesprochen wurde. Einzelne Städte und Bundesländer haben auf verschiedenen Ebenen Maßnahmen ergriffen, um die Kontaktzahlen und somit die potenziellen Neuerkrankungen zu verlangsamen. Die Maßnahmen erstrecken sich von stark verkürzten Restaurant-Öffnungszeiten bis hin zu Ausgangssperren, in denen Personen nur noch zum Einkaufen, Arbeiten oder für Arztbesuche die eigenen vier Wände verlassen dürfen.

DAX und Dow Jones büßen ein

Die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland gehen im Februar um 18,0 Punkte zurück. Im ZEW-Finanzmarkttest werden jeden Monat ca. 350 Finanzexperten*innen aus Banken, Versicherungen und großen Industrieunternehmen nach ihren Einschätzungen und Erwartungen bezüglich wichtiger internationaler Finanzmarktdaten befragt. Die sich verschlechternde Konjunktur aufgrund der Corona-Krise lässt sich auch am DAX ablesen. Das Finanzportal Boerse.de bezeichnet den März 2020 als den schlechtesten Monat im Vergleich zum Vormonat in der Geschichte des DAX. Der Dow-Jones erlebte durch die Corona Krise ebenfalls am 16.03.2020 den größten Punkteverlust der jemals an einem Tag stattfand (-2997,1 Punkte).

Corona sorgt für wirtschaftliche Miesen

Die wirtschaftlichen Konsequenzen der Krise variieren von Branche zu Branche. Besonders Unternehmen der Reisewirtschaft gaben zu 87 Prozent an, zum aktuellen Zeitpunkt bereits die Auswirkungen der Krise zu spüren. Auch im Gastgewerbe sind derzeit 79 Prozent von der Krise betroffen.

Das Hauptproblem hierbei bestehe zwar in erster Linie in den Absagen von Messen, Reisen und andere Ausfällen, jedoch spielen auch Krankheitsausfälle, Unsicherheit über zukünftige Geschäfte und Liquiditätsengpässe eine tragende Rolle.

Viele Unternehmen rechnen ebenfalls mit längerfristigen Folgen für ihr Geschäft. Hierbei prognostizieren 26,1 Prozent deutscher Unternehmen einen Umsatzrückgang um mehr als 20 Prozent. Weiteren 23,4 Prozent der Unternehmen war der Zeitpunkt zu früh, um eine Prognose zu stellen. Der Rest (45,4 Prozent) ordnet sich weitgehend bei einer Schätzung von 5 bis 20 Prozent Umsatzrückgang ein. Die Zahlen sprechen für sich: Die derzeitige Notlage versetzt viele Unternehmen schon nach wenigen Tagen der geregelten Einschränkungen in eine missliche Lage und schädigen das tägliche Geschäft.

Besonders NRW leidet

Das Corona Virus trifft Nordrhein-Westfalen durch die hohe Bevölkerungsdichte besonders stark. Zum Aktuellem Zeitpunkt sind dort laut Robert-Koch-Institut 3.497 Fälle gemeldet. Neben Berlin befinden sich in NRW aber auch die meisten Startups in Deutschland (20,6 Prozent). Somit trifft es NRW nicht nur gesundheitlich stark, sondern auch was die Wirtschaftskraft der Startups anbelangt.

Corona-Krise und Startup-Szene generell

Startups gibt es in fast allen Branchen, von Mode, über Ernährung bis hin zu Hochtechnologie. Wir haben deshalb zehn Startups aus unterschiedlichen Branchen zu den wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise für ihr Startup befragt. Die Antworten hierauf waren durchaus konträr. Branchenabhängig sind Umsatzeinbußen aber auch Zugewinne zu vermerken. Besonders die Branche der Ernährung/Konsumgüter und Gesundheit/Hygiene kann Gewinne verzeichnen, während die Tourismus- und Automobil-Branche einen deutlichen Auftragsrückgang bemerkt.

Yvonne Küpper

Yvonne Küpper von „Fairaway (nachhaltiger Tourismus) betont im Kurzinterview auf Gruene-Startups.de (GS), dass sie als Startup in der Tourismus Branche besonders von der Pandemie betroffen seien. „Wir sind jedoch sehr optimistisch, dass sich die Situation angesichts der vielen staatlichen Maßnahmen verbessern und Reisen noch dieses Jahr wieder sicher und ohne Einschränkungen möglich sein werden“, so Yvonne Küpper hoffnungsvoll. Als Alternativprogramm publiziert „Fairaway“ Artikel, die sich mit der Krise auseinandersetzen beispielsweise, welchen Einfluss die Pandemie auf den lokalen Tourismus in den Reiseländern hat oder wie man die Zeit in Quarantäne zu Hause am besten verbringt. „NextMove“ als Anbieter von alternativen Mobilitätskonzepten muss ebenfalls mit Umsatzverlusten kämpfen. Man spüre eine „nachlassende Marktnachfrage, da die Menschen gerade andere Sorgen haben, als E-Autos zu testen“. NextMove setzt jetzt vermehrt auf die Autovermietung für Endverbraucher*innen, die nicht mehr die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen können und/oder wollen.

Als Eventausgestalter für Geschäfts- und Privatkunden sind Jan Freund und sein Team von fresh!Werk auf kleine und große Veranstaltungen angewiesen. Unsere Leistungen im Bereich Catering mit Foodtrucks, Guerilla Marketing oder anderen gastronomischen Leistungen können wir nicht mehr anbieten, da keine Veranstaltungen stattfinden. Unser Umsatz ist aufgrund der Auftragslage um 99% gesunken. Dadurch stehen wir unter einem enormen Kostendruck. Die Kosten für Gehaltszahlungen, Miete sowie Zahlungen für den Vertrieb versuchen wir durch staatliche Soforthilfen, Darlehen und Kurzarbeitergeld abzufangen. Um gegen die Krise zu wirken, versuchen wir derzeit neben der Kostenreduzierung unsere Absatz- und Vertriebsoptionen neu zu strukturieren, um unsere Leistungen weiterhin anbieten zu können.

Changers.com“, die ebenfalls alternative Konzepte zur Mobilität anbieten, erfahren momentan genauso wie „NextMove“ Absatzeinbrüche. Markus Schulz erzählt, dass bereitstehende Projekte mit Städten mussten leider gestoppt und auf den Sommer verschoben werden. Glücklicherweise laufen die Projekte mit den Unternehmen weiter, denn gerade im Home-Office heißt es, sich gesund zu halten, die Mitarbeiter zu informieren und den Team-Zusammenhalt nicht zu gefährden. So nutzen viele unserer Kunden Changers nun auch um über Corona Themen in Ihrem Unternehmen zu kommunizieren. Etwas Positives können wir bei Changers.com auch vermelden. Wir bemerken in den vergangenen zwei Wochen einen deutlichen Anstieg der Anfragen. Die Unternehmen finden im Shutdown nun die Zeit, um sich mit den digitalen Werkzeugen auseinanderzusetzen.

Dem noch sehr jungen Startup „Kovibri“ haben bisher ca. 80 Prozent der Kund*innen abgesagt. Das soziale Startup bietet Büromassagen an und begründet den Umsatzeinbruch damit, dass „sehr viele Unternehmen ihre gesamte Belegschaft ins Home-Office verlegt haben“. Außerdem gehen mit Massagen auch körperliche Berührungen einher, die in der aktuellen Lage natürlich ein Risiko darstellen.“ So Martina Omen-Schröter von Kovibri zu GS.

Andreas Esser vom Gebäudetechnik Startup „green-energy-scout“ meint, dass sich die Auswirkungen der Corona-Krise noch in Grenzen halten, da Planer*innen von überall ausarbeiten können. Zwar sind der Bürobetrieb und persönliche Meetings eingestellt worden und es finden nur noch Telefon- und Onlinebesprechungen statt, aber die Arbeit gehe insgesamt normal weiter, mit kleineren Ausfällen. Weiterhin bemerke er eine Art “Bewusstseinsveränderung” der Kunden.

Frank Brodmerkel

Nicht jedes Startup kämpft derzeit um seine Existenz

Ebenfalls nur moderate Auswirkungen spürt Frank Brodmerkel mit seinem Unternehmen „Grüne Welle Kommunikation“. Es wurden zwar manche Projekte nach hinten verschoben und auch vereinzelte abgesagt, aber dies sei bislang nur eine Umsatzverschiebung und laufende Kosten könne er zunächst decken. Aber auch er betont, dass nach circa vier bis sechs Wochen Durststrecke die Lage deutlich kritischer werden würde. „Ich hoffe, dass die Politik mittel- und langfristige Unterstützung zur Verfügung stellt“.

Das Startup „Biofabrik Technologies GmbH“ reagiert professionell auf die erschwerte Situation. „Es sind alle im Home-Office, die Fertigung findet in Schichten aber noch immer statt, die sozialen Kontakte werden aber auf das kleinste reduziert“ erzählt Hendrik Oeser (Chief Marketing Officer). Er hoffe trotz alledem, dass bis Ende April wieder Normalität einkehre und bis allerspätestens Anfang des Herbsts wieder alles im Lot sei.

Hendrik Oeser

Bio-Periodenprodukte- und Kaffee-Boom zu Corona-Zeiten

Eine der Gründerinnen von „The Female Company“ (Offline- und Online Händler von Bio-Periodenprodukten für Frauen), Ann-Sophie Claus, erzählt, dass sie zunächst im Offline-Handel in Drogerien eine erhöhte Nachfrage vernommen habe, worauf dann ein Nachfragehoch im Online-Handel folgte. Diese Nachfrage konnte The Female Company knapp bedienen, sodass das Startup seinen Warenvorrat deutlich aufstocken mussten. Die Vorfinanzierung der Waren haben allerdings ein Liquiditätsproblem ausgelöst, welches aktuell ihre größte Sorge sei. Claus schaut aber positiv in die Zukunft und hofft ebenfalls auf die Unterstützung der Politik. Sie betont, dass es momentan für Unternehmen besonders wichtig sei, nicht mit dem eigenen Standardprogramm fortzufahren, sondern sich den Umständen anzupassen. Man solle die Krise als Chance betrachten und diese nutzen. Über die Nachfrage macht sie sich keine Gedanken.

Gründerinnen Ann-Sophie und Sinja ©Linda Ambrosius

Umsatzzugewinne in zwei von drei Vertriebskanälen kann auch das Fair Trade-Kaffee Startup “Early-Bird” vermerken. Merlin Stellwag erzählt im GS-Interview, dass die Auswirkungen der Corona-Krise für den Einzel- als auch Online-Handel spürbar positiv seien. „Es wird deutlich mehr Kaffee gekauft“, meint Stellwag. Online konnte „Early-Bird“ sogar eine Umsatzsteigerung von 50 Prozent verzeichnen. Im Vertriebskanal für Geschäftskunden ist der Umsatz im Gegensatz zu den anderen Kanälen deutlich zurückgegangen. „Ist ja klar, die Leute sind alle im Home-Office und trinken ihren Kaffee nicht mehr in der Firma.“ Lieferketten Probleme seien bisher noch nicht aufgetreten.

Gewinner und Verlier in der Corona-Krise auch bei den Startups

Die Umsätze in Branchen wie der Reisewirtschaft, Konsumgüter oder Automobil-Branche sind durch das Corona-Virus zurückgegangen. Branchen wie die Kommunikationstechnologie, Chemie, Pharma oder Gebäudetechnik können mit der Corona-Krise derzeit noch gut umgehen. Ernährungs- und Gesundheits-Startups haben aus der Not eine Tugend gemacht und verzeichnen deutliche Umsatzsteigerungen. Eine insgesamt negative wirtschaftliche Entwicklung aufgrund des Corona-Virus kann derzeit also noch nicht ausgemacht werden.

Die Bundesregierung hat in dieser Woche ein 40 Milliarden Rettungspaket verabschiedet um die Existenz von Solo-Selbstständigen und Kleinstunternehmen zu sichern. Die Entscheidungen zur Bundesregierung bezüglich der Rettung von Unternehmen umfassen konkrete Fördersummen und Kredite zu sehr niedrigen Konditionen. Weitere Informationen hierzu findet ihr im Artikel

Hör auch unseren Podcast zum Thema nachhaltige Aktien in Zeiten von Corona.

1 Kommentar zu Startups in der Corona-Krise

  1. Alles anders dank Corona
    Der Artikel zeigt interessante Beispiele von Gewinnern und Verlierern der Krise.
    In meinem EinFrauIngenieurbüro bekomme ich die Krise natürlich auch zu spüren, würde mich aber aktuell weder zu den Einen noch zu den Anderen zählen.

    Insgesamt fällt auf, dass rein quantitativ viel weniger Anfragen reinkommen. Das Telefon schweigt die meiste Zeit und ich komme viel mehr ins produktive Arbeiten als sonst. Was gut ist, denn mein Schreibtisch ist voll mit Gutachten und Planungsaufgaben, die noch abgearbeitet werden wollen.
    Wenn ich am Anfang der Woche meine geplanten Termine abtelefoniere, um zu klären, ob sie unter Berücksichtigung der aktuellen Abstandsregeln stattfinden können, ernte ich haufenweise Absagen, weil es zu Verzögerungen auf den Baustellen kam und man den Termin jetzt doch gerne um 2-3 Wochen verschieben würde.

    Gleichzeitig kann ich aber keinen größeren Umsatzeinbruch feststellen. Viele private Hauseigentümer nutzen die Zeit in häuslicher Quarantäne, um zu renovieren oder größere energetische Modernisierungsmaßnahmen zu planen. Zu Letzterem tragen neben den spürbaren Nachwirkungen des “Greta-Effekts” vom letzten Jahr auch die seit Januar nochmals verbesserten Förderkonditionen der KfW bei. Ich bin sehr gespannt, ob der Trend der gesteigerten Nachfrage nach Energieberatung anhält und die Modernisierungsrate der Bestandsimmobilien allgemein steigt.

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