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Diese Gründerinnen kennen kein Tabu!

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Quelle: The Female Company

Bei The Female Company treffen nachhaltige Periodenprodukte auf gesellschaftliches Engagement. Lese hier, wie die Gründerinnen Politik und das Frauenbild positiv verändern. 

Das Thema Menstruation ist leider immer noch ein globales Tabuthema. The Female Company bietet auf der einen Seite Frauen eine nachhaltige Alternative zu herkömmlichen Perioden- und Wochenbettprodukten. Dadurch leisten sie auf der anderen Seite Aufklärungsarbeit und empowern Frauen in Indien. Wie The Female Company entstand und wie die Vision in die Tat umgesetzt wird, verrät dir eine der beiden Gründerinnen Ann-Sophie Claus. 

Gruene-Startups.de: Zuallererst die Basics… Wer sind die Gründerinnen, was macht ihr und welche Vision steckt hinter The Female Company? 

Ann-Sophie Claus: Wir sind Ann-Sophie Claus und Sinja Stadelmaier, die Gründerinnen von The Female Company. Mit The Female Company möchten wir sämtliche Tabuthemen rund um den weiblichen Körper enttabuisieren. Dazu bieten wir neben unserem Abo-Modell für Perioden- und Wochenbettprodukte eine umfangreiche Aufklärungsplattform über Frauengesundheit. Alle Produkte werden aus Bio-Baumwolle hergestellt, also ohne Chemikalien und Pestizide im Anbau. Außerdem versenden wir Bio-Tampons, Bio-Slipeinlagen und Bio-Binden direkt in den Briefkasten. Pro Box bei The Female Company wird außerdem unser Pads For Girls Programm in Indien unterstützt. Hier erhalten Frauen aus Zwangsprostitution einen fair bezahlten Job als Näherin und die hergestellten Stoffbinden werden kostenlos in West- und Nordindien verteilt. Genau dafür schlägt unser Herz: Unser Wunsch war es, ein erfolgreiches Unternehmen zu gründen, das mehr kann als Profit. Nämlich Female Empowerment! Wir, Anni und Sinja, sind extrem ambitionierte Gründerinnen. Beide waren wir vorher im Bereich Konsumgüter und Food unterwegs. Während einer Reise durch Indien lernten wir kennen, wie heftig das Tabu Periode weltweit noch ist. Aber auch in unserer modernen Gesellschaft verstecken wir unsere Tampons noch in der “Tamponfaust”. Diesem und vielen weiteren Tabus wollen wir uns bei The Female Company mit Herzblut widmen. 

Bild: The Female Company

 

Was bedeutet Nachhaltigkeit für euch und wie spiegelt sich das bei The Female Company wider? 

Nachhaltigkeit hat für uns mehrere Facetten: Einmal sehen wir Nachhaltigkeit als ein Bewusstsein dafür, was wir an unseren Körper lassen. Beispielsweise wissen über 60% der Frauen nicht, aus was ihre Periodenprodukte überhaupt bestehen? Und das, obwohl wir sie Monat für Monat an unsere absorbierenden Schleimhäute lassen. Wir haben uns für zertifizierte Bio-Baumwolle entschieden, angebaut ohne Chemikalien und Pestizide. 

Gleichzeitig ist Nachhaltigkeit im Sinne von Umweltschutz ein Anliegen unseres Unternehmens: Wir haben letztes Jahr den ersten Bio-Tampon gelauncht, der in Papier statt Plastik verpackt ist. Auch sonst ersetzen wir Plastik durch Bio-Polymere und launchen schon im Herbst dieses Jahres eine neue Innovation, die unseren ökologischen Fußabdruck quasi ins Produkt integriert. Weiterhin geht es für uns um soziale Faktoren: Basics wie faire Gehälter, ausschließlich zertifizierte Plantagen, keine Kinderarbeit… Aber auch der Wille, einen Teil des Profits in großartige Aufklärungsprojekte wie “Pads For Girls” zu stecken.  Noch ein wichtiger Punkt: Nachhaltigkeit steckt für uns auch in unseren Kampagnen wie dem Tampon Book oder One Girl One Cup. Das Tampon Book hat enorm zur Steuersenkung auf Periodenprodukte im Januar 2020 in Deutschland beigetragen und One Girl One Cup ist ein großartiges Beispiel, wie wir eine gesellschaftspolitische Wirkung im Sinne von Aufklärung herbeiführen. Da wir viel im Bundestag unterwegs waren und mit Politiker*innen im Austausch sind, kann ich sagen: Ich finde es ultimativ wichtig, dass sich Unternehmer*innen verantwortlich fühlen, in die Zukunft unseres Planeten zu investieren. Denn genau weil wir “For Profit”-Unternehmen sind, können wir finanziell gesehen unglaubliche positive Veränderungen herbeiführen. Egal ob mit dem eigenen Produkt oder einem Spendenmodell.

Bild: The Female Company

Ihr habt als reines Frauenteam gestartet und dann auch noch mit dem Tabu Thema Periode. Bestimmt ist der Weg damit leider nicht so einfach wie der noch „konventionelle“ oder? Hattet ihr anfangs Schwierigkeiten z.B. Investoren zu finden, oder gab es keine Probleme? 

Ich habe es mir abgewöhnt, auf Fragen wie “Warum ist es als Gründerin so schwer…” zu antworten. An alle angehenden Female Founders dort draußen: Die Welt gehört euch. Ich glaube fest daran, dass wir unsere Weiblichkeit nutzen können, um genau durch diese unglaublich starke Marken, zutiefst leidenschaftliche Teams und stark wachsende Companies zu bauen. Und vor allem sollte uns nichts aufhalten, wenn es um die Umsetzung unserer Vision geht. Aber ja: Natürlich mussten wir unsere Idee etwas #womensplainen, damit die Herren in der Investorenrunde die Grunddynamiken des Marktes verstehen. Letztendlich braucht man aber auch kein Periodenfachwissen haben, um zu verstehen, dass ein Abo-Modell im Periodenmarkt absolut Sinn macht.

Dass das funktioniert hat, zeigt unser aktuelles Board aus Wagniskapitalgeber Acton Capital, der IBB Beteiligungsgesellschaft und BurdaPrincipal Investments.

Alternative Periodenprodukte erleben zurecht gerade einen großen Hype. Warum sollte man sich für The Female Company entscheiden? 

Wenn noch ein WHU-Gründer der Meinung ist, ein Copycat bauen zu müssen, ist das ok für uns ;). Wir setzen vollen Fokus auf die engste Community und unsere Marke, denn die Periode ist immer noch ein extrem intimes Thema. Entsprechend testen bei uns 2.000 unserer engsten Kundinnen alle Produkte vor Launch und entwickeln die Qualität gemeinsam mit uns. Ich würde also behaupten, dass wir definitiv Kundinnen-approved quality haben. Zusätzlich bieten wir Bio-Tampons ohne Plastikfolie und möchten mit mehr als nur Periodenprodukten den Markt und vor allem die Herzen unserer Kundinnen erobern.

Wie hoch war euer Umsatz im letzten Geschäftsjahr und wie sind die Erwartungen für das nächste? 

Wir geben keine konkreten Zahlen heraus, möchten im nächsten Geschäftsjahr aber mindestens verdoppeln.

Richtet sich The Female Company an alle Frauen im Allgemeinen oder welche Zielgruppe möchtet ihr ansprechen? 

Grundsätzlich erstmal alle menstruierenden Menschen und all die, die für diese einkaufen möchten 😉
Erst kürzlich haben tatsächlich Werbeanzeigen für Männer auch gut funktioniert, die für ihre Freundin oder Tochter shoppen – Willkommen in 2020!

Aber ja: Wir sind sicherlich sehr stark vertreten bei Frauen um die 30 Jahre, mittlerweile sind aber auch immer mehr junge Girls und Frauen kurz vor oder tatsächlich nach der Menopause in der Kundinnenschaft. Zuspruch kommt aber auch besonders aus älteren Generationen: “Ich hätte mir gewünscht, in meiner Jugend wäre ein Unternehmen so offen mit dem Thema umgegangen.”

Vor kurzem hat The Female Company auf der Pornoseite Pornhub ein Video veröffentlicht, indem genau gezeigt wird, wie man die Menstruationstasse richtig einsetzt und wieder herausnimmt. Warum auf Pornhub und was war eure Intention dahinter? 

Wir erhalten nahezu täglich Anfragen zur Benutzung der Menstruationstasse. Einiges können wir beschreiben – aber wenn es um Themen wie die besten Positionen zum Einführen geht, stoßen selbst wir an unsere kommunikativen Grenzen. Das muss man einfach zeigen. Aber weil das auf Instagram, wo wir normalerweise mit unserer Community kommunizieren, nicht möglich ist, mussten wir uns einen neuen Kanal suchen. Das war zunächst Pornhub. Damit wollten wir zeigen, dass explizite Aufklärung über die Periode wie Pornografie behandelt wird. Ein Zustand, der sich schleunigst ändern muss.

Mittlerweile sind die Videos zum Einführen und Entfernen unseres Menstruationscups auf ethischen Pornoseiten wie Sex School Hub, Cheex oder bei Erika Lust zu sehen.

Die Aktion One Girl one Cup war ja sehr provokant. Seid ihr dadurch auf Konflikte gestoßen? 

Tatsächlich kam der wahre Konflikt von Pornhub selbst. Minuten nach Launch sperrte die Seite unsere Tutorials aufgrund von “Meldungen der Community” und die Kampagne wäre beinahe gefloppt. Glücklicherweise hat am Ende noch alles geklappt. Wir glauben, dass Provokation ein gutes Mittel ist, um Tabuthemen wie Periode, Schwangerschaft und Co. den Kampf anzusagen und eine starke Marke zu bauen.

Wo seht ihr The Female Company in drei Jahren?

Nicht mehr nur in der DACH Region, mit einem noch nachhaltigeren und diverserem Produktportfolio, nach wie vor provokativ und laut – und definitiv der “place to go” für alle unangenehmen Themen rund um Frauengesundheit und den weiblichen Körper.

 

Bilder: The Female Company

 

 

Lies auch: Schluss mit Stereotypen – Ein Appell an die Kosmetikindustrie

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Vera Kluck
Über Vera Kluck 44 Artikel
Kommunikation und Marketing. Redakteurin bei Gruene-Startups.de.

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