Grüne-Startups ist die Plattform für Startups zu den Themen Nachhaltigkeit und grüne Innovationen.

Schluss mit Stereotypen – Ein Appell an die Kosmetikindustrie

Newsletter abonnieren und Neues über die Grüne Startup-Szene erfahren

Bild: Unrefined Riches

Wieso gibt es Hautpflegeprodukte eigentlich hauptsächlich für helle Hauttöne? Aufgrund mangelnder Verfügbarkeit innerhalb der Kosmetikbranche entschloss sich Adelaide Wolters ihr eigenes Kosmetikunternehmen zu gründen – und dabei niemanden außen vor zu lassen. Denn Stereotypen haben in der jetzigen Zeit nichts mehr zu suchen und wir finden, von Adelaides Denkweise kann sich jeder etwas abgucken, der*die überlegt, ein eigenes Business zu gründen. Welche Herausforderungen ihr dabei auf dem Weg begegnet sind und was jeder einzelne von uns besser machen kann erzählt sie im Interview.

Grüne-Startups.de: Adelaide, für alle die dich nicht kennen, bitte stelle dich und Unrefined Riches einmal kurz vor.

Adelaide Wolters: Hallo, mein Name ist Adelaide, ich bin 24 Jahre alt und die Gründerin des Kosmetikunternehmens Unrefined Riches.

Unrefined Riches ist das erste deutsche Kosmetikunternehmen, dass bei der Produktentwicklung auch die Bedürfnisse des dunklen Hauttyps, sowie krausen und lockigen Haartypen bei der Produktentwicklung inkludiert, wodurch die Produkte für alle Hauttypen, Hautfarben und Haarstrukturen geeignet sind.

So soll jeder Mensch die Möglichkeit haben Haut und Haare uneingeschränkt und effektiv pflegen zu können.

Bild: Unrefined Riches

Was hat dich dazu bewegt Unrefined Riches zu gründen?

Ich habe Unrefined Riches gegründet, da ich als Kind und Teenager schon bemerkt habe, dass es keine Hautpflegeprodukte für meinen Hauttyp oder meine Haartextur gab. Während meine Teeniefreunde mit hellem Hautton und glatten Haaren tausend Möglichkeiten hatten die richtige Haut- und Haarpflege zu erhalten, fand ich im Drogerieshop nie die passende Foundation und ließ schon früh meine Haare chemisch glätten, um sie den Pflegeprodukten und der Gesellschaft anzupassen (was paradox ist).

Auch mein Hautarzt war mit meinen Melasmen, Pickeln und meinen zahlreichen Pigmentflecken überfordert und sagte schlussendlich, dass meine Hautprobleme etwas wären, womit ich mich als dunkler Hauttyp zufriedengeben müsste.

Durch meine Mutter, die mir versicherte, dass es bestimmt eine Lösung für meine Hautprobleme gab und mir riet nicht aufzugeben, fing ich an mich mit der Hautpflege und kosmetischen Inhaltsstoffen auseinanderzusetzen und entwickelte schlussendlich ein Pflegeprodukt, welches nicht nur mir half, sondern auch Freunden und Bekannten, mit den verschiedensten Hauttypen und Hautfarben.

Ab da wusste ich, dass ich etwas geschaffen hatte, was auch vielen anderen Menschen helfen könnte.

Deine Produkte sind vegan, tierversuchsfrei und enthalten kein Mikroplastik. Hat dich der Nachhaltigkeitsaspekt deiner Produkte vor Herausforderungen gestellt?

Mir war schon schnell klar, dass ich Tiegel aus Glas verwenden würde, da mir der Nachhaltigkeitsaspekt sehr wichtig war und ist. Da meine eigens entwickelte Rezeptur vegan war, gab es auch hier keine Schwierigkeiten. Des Weiteren müssen alle in Deutschland hergestellten kosmetischen Mittel tierversuchsfrei sein.

Die Schwierigkeit, die ich momentan habe, ist jedoch für meine neuen Produkte, welche sich in der Entwicklung befinden die richtigen Gefäße zu finden, die neben dem Nachhaltigkeitsaspekt auch in der Optik überzeugen können.

Bild: Unrefined Riches
Bild: Unrefined Riches

Du hast dich bewusst dazu entschieden, deine Produkte für alle Hauttypen herzustellen. Wieso?

Als eine von vielen schwarzen Frauen, deren Hautbedürfnisse in der Kosmetik- und Beautyindustrie ungeachtet blieben, ist meine Vision die reale Gesellschaft und ihre Bedürfnisse in meinen Produkten und meiner Brand widerzuspiegeln, denn diese ist nicht nur weiß. Sie hat diverse Hautfarben, Hauttypen und Haarstrukturen und ich bin zuversichtlich, dass ich mit Unrefined Riches nicht nur Regeln breche, sondern Diversität standardisieren kann.Jeder Mensch sollte die Möglichkeit haben ohne große Mühe und Einschränkungen die richtige pflege zu finden und sich in seiner Haut wohlzufühlen.

Hast du bemerkt, dass du aufgrund deiner Hautfarbe Probleme bei der Gründung deines Startups hattest?

Aufgrund meiner Hautfarbe haben sich bei der Gründung keine Herausforderungen ergeben. Es war eher der finanzielle Aspekt und das Know How, eine Kosmetikbrand zu gründen und eigene Produkte legal (und nicht in der eigenen Rührküche!) zu entwickeln, die eine Schwierigkeit darstellten.

So erhielt ich trotz guter Schufa von Banken keinen Kredit. Nach hartnäckigem Nachfragen bekam ich schlussendlich die Antwort, dass ich zu jung sei und noch nicht so lange gearbeitet hatte, sodass ich nicht kreditwürdig genug sei. So suchte ich mir neben meinem Vollzeit 4 Nebenjobs fürs Wochenende.

Des Weiteren gab es im Internet nicht die nötigen Infos um eine Kosmetikbrand zu gründen und eigene Produkte zu entwickeln, sodass ich viel hin und her telefonierte und mir so mit vieles durch Learning bei Doing aneignen musste. Somit machte ich viele Fehler, die auch kleine finanzielle Folgen hatten.

Was kann deiner Meinung nach jeder einzelne gegen Rassismus tun?

Education is key! Gerade, wenn man selbst keinen Rassismus erfährt, sollte man seine Existenz nicht abstreiten, sondern sich weiterbilden und sich gegenüber den Erfahrungen anderer Menschen öffnen. Es gibt zahlreiche Bücher, die einem die eignen unterbewussten und rassistischen Handlungen sichtbar machen (z.B. Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen aber wissen sollten – Alice Hasters). Des Weiteren ist Zuhören wichtig. Es bilden sich gewiss nicht Millionen von Menschen ein, dass sie rassistisch behandelt werden. Auch seine Stimme gegen Rassismus zu erheben, ob über Social Media, aber auch im Alltag ist super wichtig. Auch wenn es um die Lieblingsunternehmen geht, die ihr rassistisches Verhalten offenbaren. Schlussendlich geht es nämlich nicht um schwarz oder weiß, sondern um Menschlichkeit gegen Unmenschlichkeit.

Was sind deine Pläne und Wünsche für die Zukunft?

Ich wünsche mir für die Zukunft, dass rassistische Strukturen keinen Platz mehr auf dieser Welt haben, White Privilege nicht mehr existiert und jeder Mensch jedem Menschen mit Respekt begegnet. Das funktioniert jedoch nur, wenn wir JETZT etwas dafür tun.

Bilder: Unrefined Riches

Lies auch: Diversität in der Startup Szene – Dieses One-Woman-Business zeigt wie’s geht

Wir sind jetzt auch auf Instagram! Schau doch mal vorbei und folge uns: Gruene_Startups.de

Vera Kluck
Über Vera Kluck 44 Artikel
Kommunikation und Marketing. Redakteurin bei Gruene-Startups.de.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Unsere Premium Partner

Logo High Tech Gründerfonds
Logo Next Economy Award
Logo OMR
Logo Bits und Pretzels
Logo Postcode Lotteries