Grüne Firma neu gründen oder übernehmen?

Benjamin O'Daniel und Fabian Jaeckert

In ganz Deutschland bauen junge Gründerinnen und Gründer neue Startups auf. Was nur wenige wissen: Man muss nicht immer bei null starten. Denn in ganz Deutschland gibt es gestandene Unternehmer, die händeringend Nachfolger suchen.

Grüne Startups hat hierzu mit Benjamin O’Daniel gesprochen. Er ist Redaktionsleiter von Existenzgründer & Jungunternehmer und kümmert sich insbesondere um das Thema Unternehmensnachfolge.

Was sind die Vorteile, wenn ich ein komplett neues Startup auf die Beine stelle?

Benjamin O’Daniel: Sie haben die Möglichkeit Ihre persönliche Idee komplett neu zu planen und zu verwirklichen. Gerade im Umweltbereich gibt es viel Innovationspotenzial, das von jungen Gründerinnen und jungen Gründern gesehen und gehoben wird.

Allerdings ist auch klar: Es dauert in der Regel mehrere Jahre, bis das eigene Unternehmen erfolgreich läuft. Man muss also eine Durststrecke überwinden. Und der Erfolg ist auch nicht garantiert. Laut KfW Gründerreport scheitern rund 30 Prozent aller Neugründungen – unter anderem aus finanziellen Gründen, aber auch weil es an unternehmerischem Know-how fehlt.

Und warum gibt es viele Altunternehmer, die einen Nachfolger suchen?

Quer durch alle Branchen steht ein Generationswechsel an. Etwa bei Landschaftsarchitekten, um einen grünen Sektor zu nennen. Tausende erfolgreiche Unternehmer sind deutlich über 60 Jahre alt. Sie wollen und müssen ihren Betrieb abgeben. Denn früher oder später schaffen sie ihr Arbeitspensum nicht mehr. Das kann für den gesamten Betrieb – also auch alle Angestellten – existenzbedrohend sein.

Aber es gibt zu wenig potenzielle Nachfolger. Viele geben lieber in eine Festanstellung. Der Arbeitsmarkt läuft gut. Und wer gründet, will lieber sein komplett eigenes Ding machen. Dabei hat eine Unternehmensnachfolge viele Vorteile.

Zum Beispiel?

Sie übernehmen einen laufenden Betrieb. Das heißt: Sie machen ab dem ersten Tag Umsatz und Gewinne. Sie haben ein Unternehmen mit einem Kundenstamm und einer Marke. All das können Sie weiter entwickeln.

Allerdings ist solch eine Übernahme nicht von heute auf morgen erledigt. Man sollte mehrere Jahre einplanen, Stück für Stück in die Firma reinwachsen – und schließlich ganz in die Verantwortung gehen. Das ist auch zwischenmenschlich eine Herausforderung. Denn der Altunternehmer muss die Zügel irgendwann abgeben.

Und bekomme ich eine bestehende Firma einfach so?

Nein. Wenn sich Unternehmer und Nachfolger gefunden haben, muss die Übergabe gut organisiert werden. Dazu gehören unter anderem eine Firmenbewertung, die Finanzierung des Firmenkaufs und die organisatorische Übergabe. Der Aufwand ist also deutlich größer als bei einer Neugründung. Aber dafür eben auch das Potenzial.

Übrigens übernehmen auch häufig langjährige Angestellte die Firma. Auch damit ihr Job und der Job aller Kolleginnen und Kollegen erhalten bleibt.

Kann ich denn auch Innovationen umsetzen, wenn ich als Nachfolger eine Firma übernehme? 

Natürlich sind Sie viel mehr geerdet. Schließlich haben Sie einen Kundenstamm und laufende Projekte. Gleichzeitig haben Sie vielleicht direkt ein viel besseres Gespür, was sich wirklich lohnt. Jeder Unternehmer entwickelt seine Firma weiter – das ist ein kontinuierlicher Prozess. Dazu gehören Innovationen fest dazu.

Vielen Dank für das Interview!

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