Ein Bademantel aus Holz? Klimapositive Textilien von Kushel

Ein Interview geführt von der Grüne-Startups-Redaktion

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INTERVIEW | Mit Kleidung die Welt retten? Kushel-Gründer Jim Tichatschek verrät uns im Interview, wie sie das anstellen und wie du Teil davon sein kannst.

Die Kushel-Gründer (v.l.) Jim, Mattias und John

Lassen sich Textilien heutzutage ohne schlechtes Gewissen kaufen? Aber sicher! Kushel legt noch einen oben drauf. Die Decken, Bademäntel und Handtücher von Kushel werden nicht nur klimaneutral, sondern sogar klimapositiv hergestellt. Wie genau Kushel die Produkte herstellt und was uns in Zukunft erwartet, erzählt uns Jim Tichatschek im Interview.

Grüne Startups: Für die Leser*innen, die euer Startup noch nicht kennen, stell doch Kushel einmal kurz vor.

Jim Tichatschek: Kushel ist die erste klima- & ressourcen-positive Textilmarke der Welt! Wie das geht? Der Energie und Wasserverbrauch der Produktion wird berechnet und kompensiert. Zusätzlich werden für jedes Kushel Produkt 2 Bäume gepflanzt. Mit deiner Entscheidung für Kushel stellst du dem Planeten mehr Ressourcen zur Verfügung als für die Produktion verbraucht wurden. Zusammen mit unseren Kund:innen leisten wir einen aktiven Beitrag, den Klimawandel aufzuhalten. Wir sind vor drei Jahren mit Handtüchern gestartet, mittlerweile bieten wir auch besonders schöne Bademäntel, weiche Kushel Decken und bald sogar Abschminkpads an.

Welche Umstände haben euch dazu motiviert Kushel zu gründen?

Kushel ist ein Social Business, mit dem wir zeigen, dass es möglich ist, dem Planeten mehr Ressourcen zur Verfügung zu stellen, als wir für die Produktion unserer Produkte entnehmen. Es geht uns darum Teil der Lösung zu sein und nicht nur weniger problematisch oder neutral zu agieren. Bisher haben wir mit unseren Kund:innen bereits über 250.000 Bäume gepflanzt. Unser Ziel ist es eine Million Bäume zu pflanzen bis 2025. Bäume zu pflanzen ist eine effektive Möglichkeit den Klimawandel aufzuhalten. Natürlich lösen wir die Klimakrise nicht allein. Wir möchten andere Firmen inspirieren der Natur ebenfalls mehr Ressourcen zurückzugeben als sie verbrauchen. Das klappt nur mit einem überzeugenden Konzept und einer guten Marke! In Europa kannst Du (online) alles kaufen, fair und konventionell hergestellt. Damit wir auf diesem satten Markt eine Chance haben, mussten wir eine richtige Innovation bringen – denn ein Social Business muss funktionieren, um einen Impact zu haben.

Kushel Decke und Bademantel

Von der Idee bis zum Start, was waren eure größten Herausforderungen und wie habt ihr euch finanziert?

Neue Produkte finanzieren wir über Crowdfundings und aus dem laufenden Cashflow. Bisher funktioniert die Marke ohne Investor:innen und größere Kredite. Wir haben einfach genau die Größen und Farben bestellt, die im Crowdfunding gut funktionierten, so vermeiden wir teure Überkapazitäten im Lager.

Es ist eine Herausforderung im Internet ein Gefühl zu vermitteln, also das gefühlte Kushel Erlebnis digital abzubilden. Zum Glück kann ich mit Profis in den eigenen Reihen zusammenarbeiten. Mein Bruder John hat als ehemaliger Aufnahmeleiter ein unglaubliches Netzwerk, um Werbefilme zu realisieren und Mattias, mein Freund und unser Brand Manager, ist der Ideengeber für viele Aktionen und hat sich auch den Namen der Marke ausgedacht. Zusammen mit dem Gustavo Trading Team und den Treefluencer:innen klappt es bisher ganz gut, das Kushel-Gefühl zu kommunizieren.

Treefluencer:innen helfen uns, noch mehr Bäume zu pflanzen. Für jedes produzierte Produkt werden zwei Bäume gepflanzt. Aber auch zusätzlich zur Produktion pflanzen wir Bäume, wenn sich Menschen an unseren Marketingaktionen beteiligen. Für eine Empfehlung oder einen Kommentar zum Beispiel, pflanzen die Treefluencer:innen Bäume. Es geht uns darum, dass wir den Kund:innen zeigen, welche Kraft sie haben. Jeder Mensch entscheidet täglich mit seiner Geldbörse oder mit seiner Aufmerksamkeit, welche Unternehmen erfolgreich sein sollen und in was für einer Welt wir leben möchten.

Eure Produkte werden aus Holz hergestellt. Könntest du genauerer klären, wie eure Textilie entsteht?

Alle Kushel Produkte zeichnen sich durch ihren besonderen Materialmix aus Bio Baumwolle (kbA) und Buchenholz Fasern aus. Diese Materialien sind besonders weich, sparen beim Anbau mindestens 90% Trinkwasser und emittieren im Vergleich zu konventioneller Baumwolle mindestens 50% weniger CO2.

Die Buchen für die Holzfaser wachsen in europäischen Wäldern. Bäume brauchen keine Düngemittel, Pestizide oder künstliche Bewässerung um zu wachsen. Alle verarbeiteten Bäume sind nach den Standards des FSC und / oder des PEFC zertifiziert oder geprüft. Jeder einzelne Baum wird wieder aufgeforstet. Unser Partner Lenzing produziert in einem Naherholungsgebiet in Österreich umweltfreundliche Fasern aus Buchenholz. Die Eco-Soft-Technologie ist ein integrierter Prozess, bei dem der Großteil der Chemikalien wiederverwendet wird, anders als in Asien wo nicht klar ist wie und ob die Chemikalien wiederverwendet werden. Holzfasern aus Bambus sind im Anbau sehr umweltfreundlich, bei der Aufspaltung der Cellulose mit Säure und Chemikalien kommt es aber auf den Prozess des Partners an. Lenzing arbeitet in diesem Bereich weltweit vorbildlich.
Die Bio Baumwolle für alle Kushel Produkte stammt aus der Singida Region in Tansania. Auf einer Hochebene (1500m) wächst die Baumwolle ohne zusätzliche Bewässerung, sondern nur durch die beiden natürlichen Regenzeiten. Die handgepflückte Bio Baumwolle ist frei von Gentechnik und verzichtet auf die Verwendung chemisch-synthetischer Pflanzenschutz- und Düngemittel.

John und Mattias in der Kushel-Produktion

Wie seht ihr die Zukunft der Textilindustrie allgemein? Kann diese jemals gänzlich nachhaltig werden?

Eine sehr interessante Frage, die nicht einfach zu beantworten ist. Echte zirkuläre Konzepte oder die Verwendung von Recyclingmaterialien sind ja noch viel weiter entfernt vom Mainstream als biologisch angebaute Materialien. Aber selbst hier beobachte ich: Umweltfreundliche Naturfasern könnten in vielen Bereichen eingesetzt werden, so lange aber der Anteil von beispielsweise Bio Baumwolle global weiter noch unter 1% liegt, kann nicht wirklich von Nachhaltigkeit in der Industrie gesprochen werden.

Mit großer Freude sehe ich die Relevanz der neuen Umweltbewegung rund um Fridays for Future. Die Nachfrage nach sauberen Textilien steigt und auf den Fachmessen Innatex und Neonyt beobachte ich auch, dass das Angebot immer attraktiver wird. Wir zeigen mit Kushel, dass es möglich ist, ein Textilprodukt klima- und ressourcenpositiv zu konzipieren. Wir überkompensieren ja nicht nur die Emissionen, sondern schaffen mit den Bäumen auch noch mehr Trinkwasser für den Planeten als für die Produktion verwendet wurde. Durch die veränderten Baumkronen und Wurzeln steigt der Grundwasserspiegel in Mischwäldern, es wird also mehr Regenwasser zu mineralisiertem Frischwasser gefiltert. Fast alle sprechen mit anderen über ihre Markenprodukte oder werden darauf angesprochen, zum Beispiel beim Verschenken zu Weihnachten oder zur Geburt. Wenn wir als Marke interessante Konzepte bieten, über die positiv gesprochen werden kann, wird es zunehmend als cool wahrgenommen werden ein ökologisches Konzept zu haben. Ich glaube sogar mit der weiteren Zuspitzung der Klimakrise wird das ökologische Konzept das wichtigste Merkmal einer Brand bei Markentextilien. Immer mehr Menschen möchten sich gut fühlen und Teil der Lösung sein, nicht Teil des Problems. Einer Studie zufolge ist die Produktion von Bekleidung und Schuhen für 5 bis 10 Prozent der globalen Umweltverschmutzung verantwortlich, Zeit das zu ändern!

Die Produkte von Kushel können sich Kund*innen im Online Shop bestellen. Wie sieht es mit der Nachhaltigkeit bei der Lieferung aus?

Nach unseren Erkenntnissen ist der letzte Logistikweg vom Lager zu den Kund:innen im Rahmen der gesamten Umweltbelastung ein vergleichsweise kleiner Posten. DHL leistet mit dem GoGreen Programm und der Kompensation durch Gold Standard Projekte seit Jahren gute Arbeit und wird auch ein hohes Interesse haben an der Effizienz dieses Teils der Supply Chain. Durch die bedarfsgerechte Produktion liegen Kushel Produkte nicht lange auf Lager und müssen weder beleuchtet noch beheizt werden, wie das in so mancher Einzelhandelsfiliale der Fall ist. Es kommt aber hier wirklich auf den Einzelfall drauf an. Der Good Buy Store in Berlin ist ein tolles Beispiel dafür, wie moderner Einzelhandel funktionieren kann, die Brands und das Netzwerk rund um den Store haben einen positiven Impact auf unsere Gesellschaft, das ist mir wichtig.

Kushel Beach Towels in verschiedenen Designs

Auf welche Neuheiten kann sich die Kushel-Kundschaft als Nächstes freuen?

Wir freuen uns im Herbst das Kushel Professional Makeup Pad in einem Crowdfunding auf Startnext zu präsentieren. Dieses Produkt ersetzt Einweg Produkte und kann mehrere Hundert Mal wieder verwendet werden. Besonders dankbar sind wir für das wertvolle Feedback der The Face Art Academy, der Top Adresse in Deutschland für die Ausbildung zu Special Make-Up Artists. Zusammen mit den Profis haben wir ein Produkt entwickelt, dessen Anspruch es ist die Kategorie anzuführen. Durch das besondere Mischverhältnis und die clevere Konstruktion können die Fasern ihre volle Wirkung entfalten. Ein Kushel Makeup Pad ist weicher und es nimmt mehr Kosmetik auf als ein konventionelles Produkt, ohne dabei mit synthetischen Fasern die Umwelt zu belasten. Dazu zeigen wir im Herbst neue Farb- und Designvarianten der bestehenden Produkte, die Webstühle in Portugal laufen bereits!

Vielen Dank für das Interview, Jim! 

Dir schwebt nun auch noch eine Frage im Kopf herum, die du gerne Kushel stellen möchtest?

Dann schreib sie in die Kommentare – wir freuen uns auf den Austausch mit dir!

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Bilder: Kushel

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