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Der Durchbruch in der Pflegebranche

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Die Gründer*innen des größten ökumenischen Startups Deutschlands verraten, wie sie die Pflege mit Hilfe der Digitalisierung reformieren möchten. Was es dabei für Hürden gibt und welche Visionen das Team hat, erfährst du hier im Interview.

Mittlerweile gibt es für fast jeden gesellschaftlichen Bereich eine Plattform, über die sich alle Akteur*innen der jeweiligen Branche vernetzen und austauschen können. In der Pflege gab es eine solche Plattform lange nicht. Bis das Startup mitunsleben die Plattform mitpflegeleben.de ins Leben rief. Doch welche Prozesse werden den Anbieter*innen und Nutzer*innen erleichtert und was soll sich durch den Launch der Plattform in der Pflege verändern? Die beiden Gründer*innen Cornelia und Thorsten stellen sich hier im Interview diesen und vielen weiteren Fragen.

 

Gruene-Startups: Cornelia und Torsten, bitte erzählt uns doch einmal, welche Vision hinter mitunsleben steckt. 

Cornelia Röper: Ganz plakativ gesprochen ist unser Ziel: den Pflegedschungel durchbrechen!
Die Vision ist allerdings nicht bei uns allein entstanden, sondern kam von einer Gruppe etablierter Akteure aus der Pflege- und Sozialwirtschaft, welche sich mittlerweile Gesellschafter der mitunsleben nennen dürfen. Mir wurde gesagt, die mitunsleben GmbH sei damit das größte ökumenische Start-up Deutschlands.

Torsten Anstädt: Eine ausschlaggebende Motivation für die Gründung der mitunsleben GmbH war der Wunsch der Gesellschafter, die Digitalisierung der Pflege in Deutschland selber voranzubringen. Plattformen gibt es mittlerweile für alle Bereiche des täglichen Lebens, nun sollte auch für die Pflege eine Plattform entwickelt werden. Man kann mittlerweile fast alles online buchen und alle Informationen digital finden, aber für Fragen rund um das Thema Pflege fehlte ein zentraler Ort im Netz. Und dieser Ort entstand mit mitpflegeleben.de. Ziel ist es, die Entwicklung einer Pflege-Plattform nicht den großen internationalen Playern zu überlassen, sondern selber zu gestalten und die Entwicklung ein Stück weit in der Hand zu behalten. Made in Germany und quasi aus der Sozialwirtschaft für die Sozialwirtschaft agieren, also für alle Träger von pflegerischen Dienstleistungen in Deutschland, ob gemeinnützig oder privat.

Cornelia: Was wir mit der Plattform mitpflegeleben.de erreichen wollen, ist den Zugang in die Pflegewelt für alle Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen in Deutschland zu erleichtern. Sie bietet daher eine wichtige Orientierung im Pflegedschungel mit neutralen Informationen, der weltweit ersten KI-basierten digitalen Pflegeberatung, Pflege- und Wohnangeboten bundesweit und einem Pflegehilfsmittel-Vergleichsportal. Für Anbieter bietet mitpflegeleben.de die Möglichkeit, sich im Netz zu präsentieren, leichter auffindbar zu sein, Verfügbarkeiten und Ansprechpartner*innen zu hinterlegen. Das bedeutet letztendlich einen administrativen Zeitgewinn für die eigentliche Pflege.  

Torsten: Daher liegt auch der Fokus auf den Nutzer*innen der Plattform – von den Pflegebedürftigen, über Angehörige bis zu den Anbietern von Pflegedienstleistungen. So fließen bei der Weiterentwicklung der Plattform immer die Bedürfnisse der Nutzer*innen ein. Was wird wirklich gebraucht? Was bietet Hilfe? Wir bleiben in Kontakt mit unseren Kund*innen, wollen zuhören und letztendlich von ihnen lernen. Das ist der große Anspruch unserer Plattform. Nur wenn ein wirklicher Mehrwert für unsere Kund*innen besteht, haben wir unsere Arbeit gut gemacht.
 
Woher kennt ihr beiden euch und wie kam es dann letztendlich zur Gründung von mitunsleben?

Cornelia: Torsten hatte bei einer Tagung von der mitunsleben GmbH erfahren und war so interessiert, dass er mich einfach anschrieb. Daraufhin haben wir beim ersten Telefonat gleich drei Stunden über verschiedene Modelle für Plattformen in der Sozialwirtschaft gesprochen. So haben wir uns kennengelernt.

Torsten: Als ich Cornelia kennengelernt habe, war die mitunsleben GmbH bereits gegründet worden und sie Gründungsgeschäftsführerin. Das Vorhaben eine Plattform aus der Sozialwirtschaft für die Sozialwirtschaft zu entwickeln hat mich sofort fasziniert und daher war ich gleich bereit als zweiter Geschäftsführer einzusteigen.

Cornelia: Für mich war eine Doppelspitze immer ein Idealbild. Einen Sparringspartner zu haben, mit dem ich mich jederzeit austauschen kann, der mich vertreten kann und dem ich 100% vertraue, ist eine rießen Bereicherung.  

Bild: mitunsleben GmbH, Masa Yuasa

Ihr seid das größte ökumenische Start-up Deutschlands. Was bedeutet das genau und welche etablierten Gesellschafter aus der Pflege- und Sozialwirtschaft stehen hinter euch?

Cornelia: Die mitunsleben GmbH wurde von ursprünglich 15 Gründungsgesellschaftern 2018 ins Leben gerufen, darunter u. a. viele diakonische Träger. Da alle 15 Gründungsgesellschafter einen kirchlichen Hintergrund haben, sowohl evangelisch als auch katholisch, sind wir damit das größte ökumenische Start-up. Mittlerweile haben wir u. a. mit dem Caritasverband der Erzdiözese München und Freising, der evangelischen Landeskirche in Württemberg sowie der Bank für Sozialwirtschaft weitere große Partner gewinnen können.
Mit der Bezeichnung „ökumenisches Start-up“ verbinden wir die Verpflichtung gegenüber unseren Gesellschaftern, gemeinwohlorientiert zu agieren und uns als soziales Start-up zu positionieren. Ein Start-up, das soziales und wirtschaftliches Handeln nicht als Widerspruch sondern als Ansporn versteht.

Torsten: Das heißt auch, dass wir nicht exit-orientiert agieren, kein Hochkaufen der Anbieter mit dem größten Marketingbudget möglich ist, und vor allem, dass es keine Transaktionsgebühren gibt bei erfolgreichem Matching von Pflegebedürftigem und Pflegeanbietern.

Cornelia: Als Start-up in der Sozialwirtschaft versuchen wir mit unseren Ideen, aber auch durch unsere Arbeitsweise im Unternehmen, längerfristig wichtige gesellschaftliche Entwicklungen voranzutreiben. Die Pflege ist einer von vielen relevanten Bereichen, in denen Verbesserungen mithilfe der Digitalisierung möglich und nötig sind.
 
Seid ihr in eurem Bereich als Startup First Mover oder gibt es Konkurrenz? 

Wir sind nicht die einzige Plattform, die Pflegevermittlung anbietet. Wir sind aber die einzige Plattform, die aus der Sozialwirtschaft für die Sozialwirtschaft entwickelt wird. Und die einzige mit KI-basierter Digitaler Beratung, für diejenigen die noch nicht wissen was sie eigentlich suchen.
 
Gibt es etwas das euch als Start-up noch fehlt? Ein Investor oder vielleicht Mitarbeiter?

Torsten: Wir öffnen unseren Gesellschafterkreis im Augenblick wieder für weitere strategische Partner, die Interesse haben, sich im Bereich Digitalisierung und Pflegewirtschaft zu engagieren und auch unsere nächsten Schritte mit zu gestalten.
Cornelia: Dazu zählt u. a. die Entwicklung einer weiteren Plattform mit dem Namen mitbehinderungleben.de. Aufgrund der großen Resonanz für mitpflegeleben.de arbeiten wir bereits an einem weiteren Portal, das die Suche nach Informationen sowie Assistenz- und Teilhabeangeboten für Menschen mit Behinderungen und deren Angehörige ermöglicht. Es soll im nächsten Jahr zur Verfügung stehen.

Was wünscht ihr euch für die Zukunft?

Torsten: Ich wünsche mir, dass die Pflege mehr in die gesellschaftliche Mitte rückt, dass es einen nachhaltigen Dialog darüber gibt, wie wir im Alter leben wollen und wie gepflegt werden soll.  Das heißt konkret, dass man sich als Angehöriger oder Pflegesuchender keine finanziellen Sorgen machen muss, ob man sich selbstbestimmt zuhause Pflege überhaupt leisten kann. Und das heißt auch, dass sich die Arbeitsumstände und die Entlohnung von Pflegekräften in Deutschland deutlich verbessert werden muss.

Cornelia: Und Pflege ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Neben den Angehörigen, Pflegeeinrichtungen oder Pflegeanbietern sind auch die Kommunen gefragt. Sie können die Vernetzung der verschiedenen Akteure im Pflegebereich ermöglichen und dabei Betroffenen entscheidend bei der Informationssuche helfen. Im Zuge des Online-Zugangs-Gesetztes, in dem die Kommunen dazu angehalten sind, Verwaltungsleistungen in Zukunft verstärkt digital anzubieten, bieten wir deshalb an den Teil Richtung Pflege zu übernehmen. Das ist für Kommunen viel günstiger als selbst digitale Lösungen zu entwickeln und wir können gegenseitige Synergieeffekte nutzen.  Die Stadt Wiesbaden zum Beispiel nutzt dieses Angebot bereits. Damit ist ein kleiner Schritt getan, von denen ich mir viele wünsche, um den Pflegedschungel weiter zu durchbrechen.

 

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Bilder: mitunsleben GmbH, Masa Yuasa & Unsplash

 

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