Grüne-Startups ist die Plattform für Startups zu den Themen Nachhaltigkeit und grüne Innovationen.

Zurück zum Ursprung – der Haferdrink aus der Region

Newsletter abonnieren und Neues über die Grüne Startup-Szene erfahren

Bild: Kornwerk

Der Haferdrink aus der Region und in umweltfreundlichen Glasflaschen. Das Startup Kornwerk setzt auf Nachhaltigkeit und alte Getreidesorten.

Pflanzendrinks haben in den letzten Jahren einen großen Hype auf dem Markt ausgelöst und mittlerweile lieben nicht nur Veganer*innen ihren Kaffee oder ihr Müsli zusammen mit der Milchalternative. Kennst du schon Kornwerk? Auch dieses Startup hat sich auf die Herstellung von Haferdrinks spezialisiert. Wie sich Kornwerks Geschäftsmodell von anderen Anbieter*innen unterscheidet, was das Startup nachhaltig macht und wie sich das Startup als reines Frauenteam geschlagen hat, erzählt uns Marlene Bruce im Interview.

Grüne-Startups.de: Bitte stellt Kornwerk einmal kurz vor. Welche Idee steckt hinter dem Startup?

Marlene Bruce: Bei Kornwerk verstehen wir uns als Teil einer Bewegung, die einen sozial-ökologischen Wandel unserer Ernährungsweise anstrebt. Vor allem ist uns das Thema Biodiversität sehr wichtig. Um unsere Produkte herzustellen, verarbeiten wir alte Getreidesorten. Das sind Getreidesorten, die unsere Großeltern noch kannten und von denen es vor 100 Jahren sehr viele gab. Doch ca. 90% dieser Sorten gingen durch die Industrialisierung der Landwirtschaft verloren. Die verbleibenden Sorten werden dank der Arbeit von Vereinen und anderen Initiativen zwar angebaut, aber es gibt kaum Projekte, die sie zu Lebensmitteln weiterverarbeiten. Das machen nun wir und sehen die Aufgabe, diese Vielfalt auf Acker und Teller zurückzuholen als das Herzstück unserer Arbeit.

Als erstes Produkt haben wir alte Hafersorten zu einem frischen regionalen Haferdrink verarbeitet. Andere Produkte werden folgen, unter anderem Backwaren aus dem Hafertreber, der bei der Herstellung des Drinks anfällt.

Bild: Kornwerk

Noch wichtiger als die Idee ist das Team. Wer steckt hinter Kornwerk?

Hinter Kornwerk stehen drei Frauen: Marlene, Swenja und Miriam. Wir bringen alle unterschiedliche Kompetenzen für das Projekt mit, haben unterschiedliche Nachhaltigkeitsaspekte im Blick und ergänzen uns gut. Mit Lebensmittelherstellung hatten wir in unserer wissenschaftlichen Laufbahn nicht viel Erfahrung, haben aber in den letzten Jahren jede Menge gelernt und ausprobiert. Wir arbeiten gerne in einem Frauenteam!

Was macht Kornwerk nachhaltig?

Das Wort Nachhaltigkeit ist in aller Munde und stellt sich manchmal nur als Marketingfloskel heraus. Doch uns ist klar, dass eine sozial-ökologische Wende mit wirklichen Veränderungen in unserem Ernährungssystems einhergehen muss. Neben dem bereits erwähnten Aspekt der Biodiversität und der Verarbeitung alter Getreidesorten produzieren wir regional. Das bedeutet, dass Herstellung und Verkauf binnen 350km stattfinden. Außerdem füllen wir unsere Produkte in Pfandflaschen aus Glas und vermeiden somit Plastikverpackungen. Das regionale Konzept ist einerseits aus einem ökologischen Aspekt wichtig, denn lange Transportwege würden bei Glasflaschen zu hohen CO2 Emissionen führen. Ein weiterer Aspekt ist, dass alte Getreidesorten standortspezifisch angepasst sind und es in unterschiedlichen Regionen andere Sorten gibt oder sogar anderes Getreide, was dort besser angepasst ist. Deshalb wollen wir mit Kornwerk unser regionales Konzept gerne auch in andere Regionen übertragen. Das ist aber noch nicht alles.

Seid ihr First Mover? Was unterscheidet Kornwerk von der Konkurrenz?

Wir sind die erste Firma, die mit einem frischen Haferdrink auf den Markt gekommen ist. Inzwischen gibt ähnliche Produkte, auch wenn nicht ganz so nachhaltig. Es gibt andere Firmen, die auch Haferdrinks in Glasflaschen anbieten, diese Flaschen aber sehr weit transportieren. Für die Arbeit mit den Bäuer*innen, die unsere Getreide anbauen, haben wir ein solidarisches Modell entwickelt. Wir vereinbaren einen festen Preis, der ertragsunabhängig über die Anbauperiode hinweg ausgezahlt wird, statt das Risiko der Ernte allein den Landwirt*innen zu überlassen. Wir kennen keine andere Firma, die ein solidarisches Modell mit den Bäuer*innen praktiziert oder die diese alten Getreidesorten weiterverarbeitet.

Wie finanziert ihr euch? Erwirtschaftet ihr mit Kornwerk bereits Gewinne? 

Wir haben erst dieses Jahr gestartet und erzielen noch keine Gewinne. Bisher finanzieren wir uns über Förderprogramme, ein bisschen eigenes Geld sowie Bürgschaften von Freund*innen und Verwandten.

Ihr seid ein reines Frauenteam. Hattet ihr aufgrund dessen mit Vorurteilen oder Herausforderungen zu kämpfen?

Teilweise sind wir als reines Frauen Team schon mit Herausforderungen konfrontiert. Andere Projekte mit überwiegend Männeranteil werden oft als ambitionierter und schneller wahrgenommen. Das beeindruckt manche Partner*innen von außen. Wir sind vielleicht vorsichtiger, vielleicht auch langsamer bevor wir Entscheidungen treffen. Aber das hat sich als sehr wertvoll herausgestellt, eine vorsorgende Wirtschaftsweise, die gut zu uns passt und auch nachhaltig ist.

Bild: Kornwerk

Wie sieht eure Zielgruppe aus?

Unsere Zielgruppe sind Menschen, denen wie uns eine grundlegende Umstrukturierung unserer Ernährungsweise am Herzen liegt. Indem sie zu unseren Produkten greifen, zeigen sie, dass sie bereit sind eine andere Art der Lebensmittelproduktion zu unterstützen: die solidarische Arbeitsweise mit den Getreideproduzent*innen, Pfandsysteme statt Plastik, Biodiversität und Regionalität. Wir würden uns wünschen, dass diese Qualitäten nicht nur denjenigen zur Verfügung stehen würden, die sich unsere Drinks leisten können, sondern dass diese Aspekte irgendwann zur allgemeinen Praxis in der Lebensmittelverarbeitung werden.

Wo seht ihr Kornwerk in drei Jahren?

In drei Jahren wird sich die Produktpalette von Kornwerk erweitert haben. Wir möchten verschiedene andere Sorten Pflanzendrinks anbieten und somit Anbau und Verarbeitung von unterschiedlichen alten Getreidesorten fördern. Es ist unsere Hoffnung, dass andere Firmen nachziehen und wir andere inspirieren, mit ähnlichen Werten zu arbeiten und zu produzieren. In drei Jahren haben wir unsere eigene Produktionsstätte aufgebaut, für die wir aktuell schon eine*n Produktionsleiter*in suchen. Außerdem streben wir Kooperationen in anderen Regionen Deutschlands an, durch die es möglich ist standortspezifische Produkte aus alten Sorten herzustellen.

 

Nicht bei Kuhmilch aufhören, der Käse ist als nächstes dran: Happy Cheeze – Wie die Cashew den Käsemarkt erobert

Wir sind jetzt auch auf Instagram! Schau doch mal vorbei und folge uns: Gruene_Startups.de

Bilder: Kornwerk

Vera Kluck
Über Vera Kluck 44 Artikel
Kommunikation und Marketing. Redakteurin bei Gruene-Startups.de.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Unsere Premium Partner

Logo High Tech Gründerfonds
Logo Next Economy Award
Logo OMR
Logo Bits und Pretzels
Logo Postcode Lotteries