Yummy Organics: Gewürze aus Sri Lanka

Schon nach ihrem ersten Aufenthalt in Sri Lanka war Laura Brandt, Gründerin von Yummy Organics klar, dass sie die Gewürze der Lodge nach Deutschland bringen und damit die Kleinbauern dort vor Ort unterstützen möchte. Sie hat sich damit hierzulande eine eigene Marke aufgebaut und geht jetzt endlich an den Start.

28.09.2017 – das Interview führte Gessica Mirra

Wann und wie entstand die Idee für Yummy Organics?

Im Frühjahr 2015 habe ich eine zweimonatige Auszeit von meinem Job als Online-Konzepterin in einer Bremer Digitalagentur genommen und mich als Volontärin auf der „Singharaja Garden Eco Lodge“ im Dschungel von Sri Lanka engagiert. Dort habe ich gemeinsam mit den Einheimischen in der Küche gestanden, Gäste betreut und viel über die Kultur und den Bio-Gewürzanbau im eigenen Garten gelernt. Zurück in Deutschland habe ich nach einigen Monaten nochmals einen Beutel voller toller Gewürze nachbestellt und sofort stieg mir der Duft Sri Lanka´s in die Nase und weckte die Erinnerungen an tropische Hitze, exotische Gerichte und Wolkenbrüche voll warmen Regen. Der fruchtig-würzige Duft des echten Ceylon Zimts ist wirklich unbeschreiblich!

Da ich schon länger überlegte, mich selbstständig zu machen, aber der letzte Funke noch fehlte, schoss es mir sofort in den Sinn: Warum nicht die tollen Gewürze der Lodge als eigene Marke in Deutschland verkaufen und die Kleinbauern vor Ort unterstützen?!

Also etwa ein Jahr nach meinem ersten Besuch in Sri Lanka kam die Idee auf und seitdem sind weitere 1,5 Jahre vergangen, bis mein Business nun endlich an den Start geht.
Mit Yummy Organics verbinde ich meinen Beruf und meine Erfahrung in Marketing, Design und E-Commerce mit meinen privaten Leidenschaften für´s Reisen, Essen, Kochen, Nachhaltigkeit und sozialem Engagement.

Welche Philosophie verfolgt euer Startup?

Gemeinsam etwas bewegen

Ich will es schaffen, Aufmerksamkeit für das Thema des fairen Handels in der Gewürzwelt zu erzeugen und ein Bewusstsein dafür, welche Konsequenz eine Kaufentscheidung tatsächlich mit sich bringt. Ich starte ein Experiment, indem ich den Kunden die Möglichkeit gebe, den Preis meiner Produkte zu bestimmen. Ziel ist es, mehr als nur den kostendeckenden Preis einzunehmen, sodass wir soziale und ökologische Projekte im Anbauland unterstützen und gemeinsam etwas an der Situation der Bauern verändern können.

Wieviel ist ein faires Produkt wert?

Immer mehr Menschen kochen häufig selbst und legen einen hohen Wert auf die Herkunft und Qualität ihrer Lebensmittel. Bio & Fairtrade sind im Massenmarkt angekommen, doch was bedeutet dies genau? Wie kann ein Produkt fair hergestellt werden und welche Macht geht vom Verbraucher tatsächlich aus, wie es doch immer so schön heißt? Yummy Organics bietet volle Transparenz für den Verbraucher vom Bauern bis zur Lieferung nach Hause. Und das geht soweit, dass ich die Kunden selbst bestimmen lasse, wieviel ihnen ein faires Produkt wert ist.

Mit Gewürzen von Yummy Organics erhältst du nicht nur pure Exotik, höchste Qualität und besten Geschmack, sondern auch das gute Gefühl, die Bauern vor Ort und fairen Handel zu unterstützen. Meine Mission: Meine Leidenschaft für Reisen und Genuss bringt exotische Gewürze von Kleinbauern aus der ganzen Welt zu dir nach Hause. Durch direkten und fairen Handel können wir gemeinsam etwas bewegen – für Mensch & Umwelt.

Welche Gewürze bietet ihr an und wie kommen diese bei den Kunden an? Was wird besonders geschätzt?

In meinem ersten Start-Sortiment biete ich Ceylon Zimt, Pfeffer, Chili, Ingwer, Muskatnuss, Kurkuma, Kardamom, Nelken, Macis und Curryblätter an. Sowohl in kleinen 50g Dosen als auch in Nachmüllbeuteln bzw. gemahlen oder ganz. Schon bald sollen aber neue Sorten & Mischungen hinzukommen. Das erste Feedback auf meine Proben war sehr positiv: Die Kunden schätzen den intensiven Duft & Geschmack der Gewürze, den sie so von den Supermarkt-Produkten gar nicht mehr kennen. Beim Zimt zum Beispiel ist es total interessant: Einige erkennen erst gar nicht, dass es Zimt ist, da er viel süßer und milder duftet als der günstige Cassio-Zimt aus China. Auch der Pfeffer duftet noch stark nach ätherischem Öl, da wir es vermeiden die Gewürze zu fein zu vermahlen und somit das empfindliche Aroma schützen. Meine Betreuerin aus meinem Startup-Förderprogramm sagte zu mir: „Seitdem wir Ihren Zimt Zuhause haben, mag mein Sohn sogar wieder Pfannkuchen.“ Das fand ich ein sehr schönes Feedback.

Wie setzt sich Yummy Organics für Nachhaltigkeit ein, wie lebt ihr Nachhaltigkeit?

Direkt gehandelte Gewürze von Kleinbauern-Kooperativen aus Entwicklungsländern – ohne Zusätze, volle Transparenz.

Yummy Organics bietet von Hand angebaute und verarbeitete Gewürze ohne jegliche Zusätze – beste Qualität also zu einem fairen Preis für Bauern und Verbraucher. Auf der Verpackung ist ein Tracking-Code angegeben, der die gesamte Lieferkette bis zum Bauern online nachvollziehen lässt. Yummy Organics wird der erste Onlineshop, bei dem der Kunde den Preis selbst bestimmt. Durch volle Transparenz zeige ich auf, wie ein faires Produkt hergestellt wird und wie sich der Preis des Produkts auf die Situation der Bauern in den Entwicklungsländern auswirkt, z.B. durch soziales Engagement vor Ort. Ein Teil der Gewinne fließt zurück in Projekte vor Ort, z.B. in den Bau von Schulen.

Von Hand angebaut und mit Liebe verarbeitet

Gewürze von Yummy Organics zeichnen sich durch einen besonders exotischen Duft und intensiven Geschmack aus. Unsere Rohstoffe werden in Mischkulturen angebaut, von Hand geerntet, verarbeitet und schonend getrocknet. Es wird auf eine industrielle Weiterverarbeitung wie z.B. Bestrahlung sowie auf Pestizide und Zusatzstoffe (z.B. Geschmacksverstärker, Rieselhilfen, Streckmittel) verzichtet. Durch die traditionelle, ursprüngliche Art von Anbau und Verarbeitung werden die wichtigen ätherischen Öle geschützt und eine höhere Qualität als im klassischen Einzelhandel erzielt. Wir verzichten dank geringer Mengen auf eine lange Lagerung und mahlen die Gewürze erst kurz vor dem Verkauf in eigener Manufaktur in Bremen, sodass auch hierdurch möglichst wenige Aromastoffe verloren gehen.

Verpackung & Versand

Unsere Verpackungen bestehen aus Kraftpapier und sind recyclebar (bis auf die Nachfüllbeutel, die leider innen beschichtet sind). auch beim Versand achten wir auf Verpackungen ohne Plastik und versenden klimaneutral mit DHLgogreen. Unseren CO2-Austoß durch Seefracht von Sri Lanka nach Hamburg gleichen wir ab der nächsten Lieferung über die Klimaagentur Atmosfair aus.

Vor welchen Herausforderungen standet ihr bisher mit eurer Geschäftsidee?

Die kann ich alle gar nicht mehr aufzählen. Zum Glück waren noch keine großen Katastrophen dabei und es lief bisher alles erstaunlich gut, aber kleine und große Herausforderungen muss man jeden Tag meistern, ich glaube das gehört auch dazu. Man freut sich riesig über eine gute Nachricht, einen erreichten Meilenstein oder ein gelöstes Problem und schon kommt eine schlechte Nachricht oder zwei neue Probleme auf einen zu – es ist eine einzige Achterbahnfahrt. Neben der großen Herausforderung, die wohl jedes Startup hat – die Finanzierung – ziehe ich Yummy Organics gerade noch neben meinem Vollzeitjob hoch, was natürlich eine enorme Doppelbelastung ist und sich im Alltag nicht immer einfach regeln lässt, z.B. was das Beantworten von Mails, Telefonanrufen oder Postings auf Social Media angeht etc., das muss dann eben warten.

Am meisten Bauchweh hat mir bisher aber der Import meiner Waren bzw. die um einen Monat verzögerte Abfertigung gemacht. Dies war aber auch gleichzeitig das Thema mit dem ich mich am wenigsten auskannte und ich nur schlecht einschätzen konnte. Am Anfang lief alles easy und mein Produzent hat unter Hochdruck daran gearbeitet, die Ware zu trocknen und pünktlich zur Verschiffung im Hafen abzuliefern. Allerdings haben die Sri Lankischen Behörden dann noch vier Wochen gebraucht, um alle Anforderungen & Dokumente zu klären bis es endlich losgehen konnte. Soviel Puffer hatte ich nicht eingerechnet und ich stand unter hohem Druck, da das Crowdfunding und Weihnachtsgeschäft starten sollte und hatte einige schlaflose Nächte. Letztendlich musste ich ausnahmsweise auf Luftfracht mit sehr viel höheren Kosten umsteigen, aber es ging dann alles gut und wir haben viel dazu gelernt, beim nächstes Mal wissen wir wie es läuft.

Welche Trends und Entwicklungen findet Ihr im Bereich der grünen Food-Startups aktuell besonders spannend?

Ich finde vor allem die Lösungen zur Lebensmittelverschwendung interessant, weil unser Konsum und die Überproduktion einfach irre und pervers ist. Also einerseits Reste zu verwerten und z.B. Pulver oder andere Produkte daraus zu machen oder auch eine App, die ich gerade getestet habe und glaube ich großes Potenzial hat: „Toogoodtogo“ – damit kann man günstige Restportionen von Restaurants kurz vor Feierabend abholen, bevor es sonst entsorgt werden müsste. Außerdem finde ich auch die Entwicklung von „Fleischersatz“ aus Insekten super spannend. Ich glaube, wir kommen in Zukunft nicht ohne solche Konzepte aus und müssen unser Verhalten überdenken. Ich bin zwar seit 20 Jahren Vegetarierin, würde ein solches Produkt aber sogar einmal probieren!

Welche Pläne und Ziele habt Ihr mit Yummy Organics für die Zukunft?

Ich verfolge natürlich auch Business-Ziele wie Wachstum und Skalierung, dazu gehört z.B. schnell das Sortiment auszubauen und auch andere Vertriebskanäle anzugehen. Aber viel wichtiger ist mir, das Thema Fairer Handel noch mehr in die Öffentlichkeit zu tragen und mit meinem Preis-Konzept klassische Geschäftsmodelle und BWL-Grundsätze zu hinterfragen bzw. zu beweisen, dass es auch anders geht, dass wir gemeinsam etwas bewegen und verändern können. Ich wünsche mir, dass meine Idee aufgeht und die Kunden den wahren Preis für ein hochwertiges Produkt erkennen. Im nächsten Jahr möchte ich außerdem viele weitere Kooperativen und unterstützungswerte Projekte auch in anderen Ländern finden und deren tolle Produkte auf den deutschen Markt bringen, sodass alle etwas davon haben: Die Bauern, wir Verbraucher und die Umwelt.

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