Von Kokosnüssen, Startproblemen und Schulmahlzeiten in Afrika

© Lycka

Ihre Produkte liegen in den Regalen von Rewe und Edeka bis Denn’s und Alnatura und finanzieren dabei Schulmahlzeiten in Afrika – aber die richtige Balance will Sven Perten, Mitgründer von lycka noch finden.

24.05.2017

Grüne-Startups.de: Würdest Du uns lycka kurz vorstellen und die bisherige Entwicklung schildern?

Sven Perten: Mit Lycka machen wir leckere Lebensmittel mit denen wir uns für eine Welt ohne Hunger einsetzen. Wir verkaufen unsere Bio-Produkte wie Frozen Yogurt, veganes Eis und Mini Power-Riegel in bereits über 3.000 Supermärkten und konnten in Zusammenarbeit mit der Welthungerhilfe bisher über eine halbe Million Schulmahlzeiten für Kinder in Burundi Afrika ermöglichen.

Wie ist die Idee zu lycka enstanden?

Im Auslandssemester haben wir Frozen Yogurt kennengelernt. Felix, Johannes und ich haben gemeinsam an der Nordakademie in Elmshorn BWL studiert. Felix und ich haben damals zusammen in einer WG gewohnt. In mehreren Projekten haben wir immer mal wieder darüber nachgedacht, dass wir etwas zusammen gründen wollen. Dabei kam dann Felix Leidenschaft für gute Lebensmittel zusammen mit meinem Ziel etwas soziales zu machen. Ich hatte vorher schon kleinere Fundraising-Aktionen an der Uni organisiert und wollte eigentlich ein grünes Modelabel gründen. Da dachten wir kombinieren wir doch gute Lebensmittel mit dem etwas Gutes tun.

Was ist das Geschäftsmodell und wie ist lycka aufgestellt?

Wir stellen Lebensmittel nach unseren Vorstellungen her und verkaufen diese vor allem über Supermärkte wie Rewe, Edeka und andere Bio-Ketten wie Denn’s, Bio Company und Alnatura. Von unserem Umsatz geht ein fester Betrag an ein Schulspeisungsprogramm in Burundi Afrika. Dadurch finanzieren die hier verkauften Produkte warme Schulmahlzeiten. 

Welches Feedback bekommt ihr von euren Kunden?

Das Feedback ist vielfältig, allerdings merken wir immer wieder, dass den Leuten unser soziales Engagement am Herzen liegt. Gleichzeitig ist es nicht der Hauptgrund warum Leute unsere Produkte kaufen. Natürlich wollen sie wirklich gute Lebensmittel und dahingehend bekommen wir auch sehr viel Feedback. Unser veganes Coconut Icecream ist da grade echt spannend – da bekommen wir extrem gutes Feedback zu dem Geschmack, den Nährwerten und der Zutatenliste. Wir hatten nach unserem Frozen Yogurt auch einen veganen Frozen Yogurt herausgebracht auf Sojabasis. Der kam nicht so gut an, sodass wir ihn jetzt aus dem Sortiment nehmen und dafür das Coconut Icecream einführen. 

Welche Trends verfolgst du im Bereich vegane Ernährung mit Spannung?

Besonders fällt mir da die Geschwindigkeit und die Vielfalt der Entwicklung auf, also gar nicht so besonders in einem bestimmten Trendbereich, sondern eher die Gesamtentwicklung von veganen Lebensmitteln im Handel. Mittlerweile gibt es überall Ersatzprodukte und viele Innovationen, sogar teilweise schon in Discountern. Das Thema wird mit guten Gründen größer. Persönlich beobachte ich vor allem mit Spannung, wie die Leute nach und nach bewusster mit ihrem Konsum umgehen und vegane Ernährung oftmals eher bedeutet, mehr in Richtung „back to the roots“ zu gehen, weniger verarbeitet, natürlicher. Ich denke, in diese Richtung wird es auch weiter gehen, da die Wissenschaft zu diesem Thema gute Argumente liefert. Spannend wird hier auch wie die Lebensmittelindustrie diese Erkenntnisse mit dem Kundenwunsch nach Convenience zusammenbringt.

Was waren die bisher größten Herausforderungen für lycka?

Da werde ich wahrscheinlich nicht der erste Gründer sein, der das sagt, aber ich würde es sagen immer wieder den richtigen Fokus zu halten und abzuwägen wie das Team in welcher Konstellation am besten funktioniert. Wir sind da schon gegen einige Wände gelaufen wie Business Angels die uns auf Schadensersatz verklagen wollten, große namhafte Kunden, die Aufträge in letzter Sekunde zurückziehen, Umstellungen im Team und viele mehr. Für mich persönlich war es zwischenzeitlich auch so, dass ich ziemlich ausgebrannt war und da weiterhin für mich auf dem Weg bin, die richtige Balance zu finden.

Welche langfristigen Ziele verfolgt das Unternehmen?

Wir arbeiten gerade ein Erfolgsbild aus, dass für die nächsten 5-10 Jahre die Richtung vorgeben soll. Dabei soll Lycka einen wichtigen Beitrag für eine Welt ohne Hunger leisten. Gleichzeitig soll das Unternehmen bei starkem Wachstum aber nicht zum Konzern werden, vorher würden wir Ausgründungen ermöglichen oder andere Wege gehen. In fünf Jahren wollen wir ein Co2 neutrales Lebensmittelunternehmen mit einer 100% transparenten und fairen Lieferkette sein, die jährlich mehrere Millionen Schulmahlzeiten ermöglicht.

Welche Rolle werden deiner Meinung nach pflanzliche Produkte in zehn Jahren spielen?

Meiner ganz persönlichen Meinung nach werden in 10 Jahren rein pflanzliche Produkte eine Lösung für das Problem der knappen und endlichen Ressourcen sein. Allerdings können auch Dinge wie künstliche Tierersatzprodukte eine Möglichkeit darstellen, die – was die Anbauflächen und Ressourcen wie Wasser und Abfälle angeht – effizienter sind. Dabei bin ich persönlich recht skeptisch, da man bei allen Neuentwicklungen von Ersatznahrung keinerlei Langzeitstudien zur Verfügung hat und dafür eben auch nicht die Zeit ausreicht in Sachen Klimawandel. Wenn sich die Menschheit nicht zu einer pflanzlichen Ernährung bewegen lässt, dann wären technische Innovationen jedoch noch eine möglicherweise erfolgversprechende Alternative.

Dein Insidertipp: Welches grüne Produkt hat Dich zuletzt fasziniert?

Ich bin fasziniert von Africa GreenTec, den Gründer Torsten Schreiber durfte ich auf der SensAbility 2017 kennenlernen und das Projekt mit ihren mobilen Solarenergie-Stationen für Afrikas Energiewende finde ich ziemlich genial, da sie ihre Solarstationen in Container bauen, bestehende Strukturen nutzen und dabei auch sehr ganzheitlich gedacht haben, was die Integration von Wasserfilterungsanlagen und noch vieles mehr für die Nutzer angeht.

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