Umweltbelastungen bei Gebäuden in der Planungsphase reduzieren

Die Bauindustrie ist in Europa für 36 Prozent der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Die innovative Software CAALA hilft bei der Verbesserung der Energieeffizienz und bezieht den vollständigen Lebenszyklus bei der Gebäudeoptimierung mit ein. Damit werden die Kosten deutlich reduziert.

GRÜNE STARTUPS: Herr Dominguez, stellen Sie doch bitte Ihr grünes Startup CAALA kurz vor. Wofür steht der Name?

SEBASTIAN DOMINGUEZ: Der Name CAALA steht für Computer Aided Architectural Life-cycle Assessment.

Architektur- und Ingenieurbüros müssen bei der Planung von Gebäuden komplexe Anforderungen bei den ökologischen Zielsetzungen und Vorschriften zur Energieeffizienz berücksichtigen. CAALA ist die einzige Software, die bereits in einer sehr frühen Planungsphase die finanziellen und ökologischen Folgen von Entwurfsentscheidungen kalkulieren kann. Die Software berechnet den Energiebedarf und erlaubt es, durch das Vergleichen von Varianten das Optimum möglicher Maßnahmen in Bezug auf Gebäudegeometrie und Materialien über den gesamten Gebäudelebenszyklus herauszufinden. Im Vergleich zu anderen auf dem Markt verfügbaren Produkten benötigt CAALA nur ein Zehntel der Rechenzeit. Für die Produktentwicklung und Tests des Prototypen haben die vier Gründer von CAALA eine Reihe an Architektur- und Ingenieurbüros als Pilotkunden gewonnen.

Mit CAALA können energetische Bilanzierungen, ökologische Lebenszyklusanalysen und die Lebenszykluskostenberechnung von Gebäudeentwürfen früh in der Planung und in Echtzeit durchgeführt werden. Mit unserem Prototyp konnten wir in Studien Einsparungen der Treibhausgasemissionen von 66 Prozent und Senkungen der Lebenszykluskosten um 30 Prozent erzielen.

StartGreen Award Sieger 2016: https://start-green.net/netzwerk/gruenes-startup/caala/

Interview: https://start-green.net/aktuelles/nachrichten/caala-im-inteview/

Welches „grüne“ Problem lösen Sie und welche Vision steckt hinter Ihrem Konzept?

Die Bauindustrie ist für 40 Prozent des EU-Energieverbrauchs, 50 Prozent des EU-Ressourcenverbrauchs sowie 36 Prozent der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Gleichzeitig ist sie mit einem Jahresumsatz von 1,2 Billionen Euro die wichtigste Wirtschaftstätigkeit. Energieeffizienz ist einer der entscheidenden Faktoren, um die EU-Klimaziele zu erreichen. Bislang lag der Schwerpunkt auf der Verringerung des Energieverbrauchs im Betrieb von Gebäuden. Dabei wurden jedoch der Energieverbrauch und die Umweltbelastung bei der Herstellung, dem Austausch und der Entsorgung von Baustoffen vernachlässigt. Mit CAALA als der ersten Software, die lebenszyklusübergreifend Gebäudedesigns optimiert, können Architekten sowohl die Lebenszykluskosten um 30 Prozent reduzieren als auch die Umweltbelastungen – um teilweise mehr als 50 Prozent CO2-Äquivalente! Das sorgt für ökonomische und ökologische Nachhaltigkeit.

Wie geht es Ihrer Branche aktuell?

Die Baubranche digitalisiert sich. Prozessabläufe, Planungsaufwand und Kommunikation werden kosteneffizienter.  Nachhaltigkeitszertifikate und die damit verbundene Lebenszyklusanalyse gewinnen an Bedeutung. Diese beiden Trends führen dazu, dass Gebäude effizienter, schneller, kostengünstiger, nachhaltiger und qualitativ hochwertiger geplant werden können. Die Software CAALA bündelt diese Vorteile und hält damit Architekten bei der Planung den Rücken frei, um ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen. Dabei stellt CAALA sicher, dass die Entwürfe die stetig angepassten energetischen Richtlinien einhalten.

Wie sieht Ihr Geschäftsmodell aus?

CAALA wird über eine Cloud als Dienstleistung (Software-as-a-Service, SaaS) angeboten und die Nutzung über ein Lizenzmodell abgerechnet. Unsere Mitglieder zahlen eine feste Lizenzgebühr pro Jahr.

Was waren und was sind die größten Herausforderungen für Ihre Unternehmung auf dem bisherigen Weg?

Grüne Gründer in Deutschland haben es nicht leicht. Die Thematik „Klimawandel“ ist bekannt, präsent und wird als wichtig wahrgenommen. Allerdings ist die Bereitschaft dafür eine „Premiumgebühr“ zu bezahlen selten vorhanden.

Wie ist Ihr Gründerteam aufgestellt? Welche fachlichen und sozialen Kompetenzen waren für den bisherigen Erfolg ausschlaggebend?

Gründer:

Sebastian Dominguez: 31 Jahre; 6 Jahre Berufserfahrung in CAD & Simulation, Berufserfahrung im Bereich Facility Management; M.Sc. Bauingenieurwesen (TU München), Executive MBA in Innovation & Entrepreneurship (TU München)

Dr. Alexander Hollberg: 31 Jahre; 4 Jahre Berufserfahrung als wissenschaftlicher Mitarbeiter, Praktika in Ingenieur- und Architekturbüros; Mitgründer von „vonPappe“; Dr. Ing. der Architektur, M.Sc. Archineering (Bauhaus-Universität Weimar), B.Sc. Bauingenieurwesen (TU München)

Milen Iwanow: 38 Jahre; 15 Jahre Berufserfahrung in Softwareentwicklung; Mitgründer von Cloudia24; Postgraduiertenstudium in Informatik (TU München), Masterstudiengang Kommunikationstechnik und Technologien (TU Sofia)

Philipp Hollberg: 27 Jahre; Berufserfahrung in Innovationsberatung; Mitgründer von „vonPappe“, „EIT Startup Days“ und einer NGO; M.Sc. Nachhaltige Energiesysteme (UPC Barcelona, KTH Stockholm), Design Thinking (HPI Potsdam), B.Sc. Wirtschaftsingenieurwesen (Karlsruher Institut für Technologie (KIT))

Zusätzliche Teammitglieder:

Die vier Gründer werden von sechs weiteren Teammitgliedern unterstützt. Sie sind u.a. ein ehemaliger IBM Senior IT-Architekt, ein Promotionsstudent der Computer Linguistik, ein Bauphysiker der Bauhaus-Universität Weimar, ein am Fraunhofer IMWS tätiger Architekt und Energieberater und ein Stadtplaner und Internetredakteur.

Interdisziplinarität ist der Schlüssel unseres Startups. Unsere Teammitglieder vereinen unterschiedliche Fachkompetenzen und Perspektiven die essentiell sind, um komplexe Fragestellungen mit einer einfach nutzbaren Software beantworten zu können.

Suchen Sie aktuell Mitarbeiter und wenn ja, welche Qualitäten sollten diese mitbringen?

Wir suchen zurzeit Verstärkung im Bereich Softwareentwicklung.

Wo soll die Reise für Ihr Startup in den nächsten 3 Jahren hingehen?

Mit CAALA möchten wir Architekten das nachhaltige Bauen erleichtern und die Nachhaltigkeit als Entwurfskriterium etablieren. Dazu wollen wir in den nächsten 3 Jahren kontinuierlich neue Kunden im deutschen als auch europäischen Markt dazugewinnen und CAALA technisch weiterentwickeln. Damit wollen wir einen essentiellen Beitrag dazu leisten die Umweltziele der Bundesregierung und der EU zu erreichen.

Zum Abschluss: Welchen Tipp möchten Sie zukünftigen Gründern mit auf den Weg geben?

Technologie-Startups sollte das Thema Produktkommunikation nicht unterschätzen und sich gegebenfalls Unterstützung in diesem Bereich suchen.

Vielen Dank

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*