Schlaue Steckdosen für E-Autos

Das wichtigste Ziel ist für uns der Aufbau einer flächendeckenden, intelligenten Ladeinfrastruktur, die Elektrofahrzeuge überall mit grünem Strom versorgt. – Alexa Thiele von ubitricity im Interview.

5.05.2017

GRÜNE-STARTUPS.de: Würden Sie uns ubitricity kurz vorstellen und die bisherige Entwicklung schildern?

Alexa Thiele: ubitricity wurde 2008 von Knut Hechtfischer und Frank Pawlitschek in Berlin gegründet. Ziel war es flächendeckende, bezahlbare Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge anbieten zu können. Hierzu wurde zunächst ein mobiler Stromzähler entwickelt. So kann ein Teil der Technik, die üblicherweise in einem Ladepunkt benötigt wird, in ein intelligentes Ladekabel verlagert werden. Für dieses Ladekabel wird vom Nutzer ein Mobilstromvertrag abgeschlossen und wann immer an den entsprechenden Ladepunkten geladen wird, geschieht das kWh-genau und zu den günstigen Konditionen des Mobilstromvertrags. Gleich ob hier oder an Fremdladepunkten geladen wird, alle Ladevorgänge werden einfach, sicher & transparent auf einer Rechnung erfasst und abgerechnet.

So kann der Ladepunkt selbst auf eine simple und besonders günstige Systemsteckdose reduziert werden. Und die sonst üblicherweise anfallenden Kosten am Ladepunkt entfallen auf diese Weise auch nahezu vollständig.

Mit diesem System kann ubitricity für jede Anforderung die richtige Lade- und Abrechnungslösung für die Elektromobilität anbieten. Insbesondere mit Lösungen für Stadtwerke, Flotten- und Fuhrparkmanagement, Immobilienwirtschaft aber selbstverständlich auch für Endkunden.

Welches grüne Problem möchte ubitricity lösen und welche Vision steckt hinter dem Konzept?

Hier sind zwei Punkte zu erwähnen. Zum einen wird im Zuge der Energiewende immer mehr Strom aus erneuerbaren Energiequellen ins Stromnetz eingespeist – Strom aus fluktuierender Erzeugung also. Schließlich kann Windenergie nur dann erzeugt werden, wenn der Wind auch weht. Die Organisation eines solchen Systems ist anspruchsvoller als die des heute vorherrschenden hierarchischen Systems, in dem zentrale Erzeugungsanlagen nach Fahrplänen Strom produzieren. Um das Netz für die steigenden Anteile fluktuierender Erzeugung fit zu machen, sind dezentrale, steuer- und regelbare Verbraucher sehr wertvoll. 

Hier setzt ubitricity an: Mit dem intelligenten Kabel kann ein Elektroauto gesteuert geladen werden – so wie es zum Wetter passt. Zum Beispiel kann am Arbeitsplatz so geladen werden, wie zuhause die Sonne auf die Solaranlage scheint. Oder es wird geladen, wie der Wind weht. In jedem Fall kann das Verhalten den aktuellen Gegebenheiten angepasst werden – online und flexibel. Mit dem mobilen Stromzähler im Kabel lässt sich dann nämlich nicht nur das Laden, sondern auch das wieder Einspeisen von Energie in das Netz tarifieren.


Zum anderen stehen wir aktuell noch immer vor der Herausforderung der Etablierung der Elektromobilität. Zwar steigt die Bereitschaft der Autofahrer, auf elektrischen Antrieb umzusteigen, jedoch gibt es immer noch keine flächendeckende Ladeinfrastruktur. Umfragen zeigen aber, dass das ein entscheidendes Kriterium wäre. Mit der Lösung von ubitricity wird es
möglich, überall dort günstig Ladepunkte zu schaffen, wo Elektroautos per se parken. Und wenn die Parkzeit immer und überall zur Ladezeit wird, gerät auch die aktuelle Diskussion über die Reichweite der Fahrzeuge etwas in den Hintergrund.

Kann man Ihrer Meinung nach davon sprechen, dass der Bereich Erneuerbare Energien Schritt für Schritt auch dem Endkunden zugänglicher wird?

Dieser Bereich wächst natürlich und ist dementsprechend auch in den Köpfen vieler Verbraucher viel präsenter geworden. Im Bereich Elektromobilität wurden im letzten Jahr viele neue Entwicklungen auf den Weg gebracht – das hat sich auch auf den einschlägigen Automobilmessen 2016 gezeigt. Wer sich für ein Elektrofahrzeug entscheidet, möchte das auch in der Regel mit Energie aus erneuerbaren Quellen betreiben. Daher können wir das für unsere Kunden nur bestätigen.

Wie ist Ihr Gründerteam aufgestellt? Welche fachlichen und sozialen Kompetenzen waren für den bisherigen Erfolg ausschlaggebend?

Knut Hechtfischer und Dr. Frank Pawlitschek sind Rechtsanwälte und lernten sich als Kollegen einer Berliner Kanzlei kennen. Beide trieb jedoch seit jeher eine Begeisterung für Energiewende und für innovative Technologien um. Die Idee des mobilen Stromzählers entwickelte Knut bereits 2007 und steckte Frank mit seiner Begeisterung an, der schon im Silicon Valley Erfahrungen mit intelligenten Technologien und der Entwicklung von Startups gemacht hatte. Gemeinsam entwickelten die beiden aus der ersten Idee ein vielversprechendes und intelligentes Geschäftsmodell, mit dem sie Investoren und öffentliche Förderer überzeugen konnten. Neben dieser Begeisterung für Innovation und erneuerbare Energien sind sowohl Knut als auch Frank begnadete Netzwerker – ihr Elan und Enthusiasmus wirkt ansteckend sowohl auf Mitarbeiter als auch auf Kunden und Geschäftspartner. Darüber hinaus sehen sich beide als Teamplayer, die ihre Mitarbeiter in die Entwicklung neuer Ideen mit einbeziehen und so ein enthusiastisches, kompetentes und vielseitiges Team aufstellen konnten, das mit ebenso viel Motivation an der Etablierung des Systems arbeitet wie die beiden Gründer.

Was waren die bisher größten Herausforderungen für ubitricity?

Als ubitricity anfing, steckte die Elektromobilität noch in den Kinderschuhen. Mit der Idee, auf der Basis eines mobilen Zählers neue, intelligente Lade- und Abrechnungslösungen für die Elektromobilität anzubieten, waren wir der Zeit voraus.

Daher haben wir Zeit gebraucht, bis wir dem Markt erfolgreich beweisen konnten, dass unser Ansatz für alle von Vorteil ist. Mit den günstigen, überall einfach zu installierenden Ladepunkten und dem intelligenten Kabel samt damit verbundenen Mobilstromvertrag können wir auch für die vermeintlich kniffligen Anwendungsfälle des Ladens, wie z.B. in Mehrparteienhäusern, einfach passende Lösungen anbieten.

Welche langfristigen Ziele verfolgt das Unternehmen?

Das wichtigste Ziel ist für uns natürlich der Aufbau einer flächendeckenden, intelligenten Ladeinfrastruktur, die Elektrofahrzeuge überall mit grünem Strom versorgt. Diese ermöglicht dynamische Preismodelle und intelligente Netzauslastung – so leistet sie einen unverzichtbaren Beitrag für eine vollständige Umstellung auf erneuerbare Energien. Zu dieser wollen wir beitragen – mit passender Technologie und intelligenten Geschäftsmodellen.

Das „Internet of things“ ist großer Hoffnungsträger im Bereich der Erneuerbaren Energien. Die rapide zunehmende Vernetzung ist allerdings auch mit Skepsis und Befürchtungen verbunden. Wie stehen Sie zu diesem Thema?

Neue Ansätze werden in der Regel erst einmal mit Skepsis betrachtet. Mit dem Mobiltelefon war es ähnlich – heute ist es nicht mehr aus unserem Leben wegzudenken. Es bedarf daher sicher einen Blick auf die Vorteile, die uns diese Entwicklung verschaffen kann. In dem Bereich, in dem sich ubitricity bewegt, liegen die nämlich auf der Hand. Wer künftig dem Energielieferanten erlaubt, sein Elektro-fahrzeug zu steuern, schafft damit einen Wert, der über den Tarif zurückgegeben werden kann. So profitieren Verbraucher und Ökostromlieferanten zugleich. Wenn man diesen Ansatz weiter verfolgt, kommt man schnell zu dem Punkt, dass mit dem mobilen Stromzähler eigentlich jedes elektrische Gerät eigens tarifiert werden kann. Wir sind überzeugt, dass Tarife für einzelne steuer- bzw. regelbare elektrische Verbraucher die Zukunft sein werden.

Was würden Sie jemandem raten, der heute ein grünes Startup gründen will?

Für eine Studie wurden vor zwei Jahren fast 400.000 Persönlichkeitsprofile ausgewertet, darunter auch viele Gründer. Neben einer guten Idee und Kompetenz benötigt es, so sagt die Studie, auch Selbstvertrauen, Empathie und Durchhaltevermögen. Wer das mitbringt, ist schon einmal gut beraten, denn all das wird man auf dem Weg brauchen. Was darüber hinaus hilfreich ist, ist ein gutes Netzwerk, ein Team, das hinter der Idee steht und dafür brennt und am Ende natürlich das vielzitierte Quäntchen Glück. War ubitricity seiner Zeit zu beginn noch etwas voraus, kann man aber heute sagen, dass gerade für grüne Startups ein gutes Klima herrscht. Große Teile der Gesellschaft sind an einem Punkt des Umdenkens angelangt und das schafft eine gute Grundlage für neue Ideen. Wir wünschen jedem bei für diesen Schritt viel Erfolg.

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