Nachhaltigkeit und coole Mode schließen sich nicht aus – bei evidend fashion findet man beides

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INTERVIEW | Egal ob Streetwear, Boheme oder klassischere Schnitte. Für seine Kundschaft sucht evidend fashion die coolsten ökologischen und fairen Labels. So will das Startup nachhaltige Mode in der Gesellschaft verbreiten. Mehr dazu erfährst du im Interview. 

Viele Klamotten möglichst billig kaufen und schnell wegwerfen. So in etwa funktioniert das Prinzip der Fast Fashion. Dass dabei die Umwelt und Menschenrechte missachtet werden, ist leider Standard. Dabei gibt es bereits eine Vielzahl an Labels, welche auf Nachhaltigkeit und Fairness in der Textilindustrie setzen. Sogenannte Fair Fashion Marken haben in der Gesellschaft jedoch öfters mit Vorurteilen zu kämpfen, wenn es um die Ästhetik geht. Um die negative Konnotation des Öko-Looks zu minimieren und nachhaltige Marken sichtbarer zu machen, gibt es evidend fashion. Doch wie kam es zu der Idee, einen Online Shop zu gründen und wie funktioniert er? Mit Kai Urban, einem der beiden Gründer und Geschäftsführer, haben wir deshalb ein Interview geführt. 

GRÜNE-STARTUPS: Für die Leser*innen die euer Startup noch nicht kennen, stell evidend fashion einmal kurz vor.

Kai Urban: evidend fashion ist ein neuer Online Shop für faire Styles. Bei uns finden Kund:innen mehr als 1.500 Looks von 18 nachhaltigen Marken. Ab Juli kommen sukzessive weitere Styles und Labels dazu. Unser Sortiment umfasst alle gängigen Kategorien für Frauen und Männer: Man findet von Kleidern über Jacken und Unterwäsche bis hin zu Schuhen alles für ein nachhaltiges Outfit. Dabei legen wir größten Wert darauf, Brands zu selektieren, die für einen einzigartigen Stil stehen. So finden Kund:innen bei uns garantiert einen Look, der zu ihnen passt – welchen Style sie auch bevorzugen. Mit unseren 12 evidend Kriterien aus den drei Bereichen Gesellschaft, Materialien und Umwelt erhalten interessierte Kund:innen weiterführende Informationen darüber, in welchen Bereichen eine Marke nachhaltig agiert. Auch bestehende Zertifizierungen und Siegel einer Marke werden auf jeder Produktdetailseite dargestellt.

v. l. n. r.: Kai und Bene, Gründer von evidend fashion – Bild: evidend

Was hat euch inspiriert, evidend fashion zu gründen?

Mehr Menschen davon zu überzeugen, dass Sie bei fairer Mode keine Kompromisse eingehen müssen. Das Angebot an nachhaltigen Labels, die zeitlose und zeitgemäße Mode designen, ist riesig. Als wir mit der Idee zu evidend gestartet sind, haben wir eine erste Auswahl aus über 300 Marken getroffen. Alle mit ihrem eigenen Stil. Gleichzeitig zeigt sich in Studien der Leuphana Universität Lüneburg ein Attitude-Behaviour-Gap auf Kundenseite: es gibt eine überwältigende Bereitschaft und Awareness in der Gesellschaft, Kleidung nachhaltiger zu kaufen. Schaut man sich die Marktzahlen an, macht nachhaltige Mode derzeit jedoch gerade einmal 5-10% vom Gesamtumsatz der Textilbranche in Deutschland aus. Die Frage, die wir uns also gestellt haben: Wie können wir dazu beitragen, dieses Gap zu schließen, wenn doch Angebot und Nachfrage vorhanden sind? Mit evidend fashion möchten wir einer breiteren Zielgruppe Zugang zu fairen Labels verschaffen und mit Vorurteilen á la ‚Ökomode‘ und ‚Schlabberlook‘ aufräumen. Deshalb stellen wir den Aspekt der Mode und die unterschiedlichen Styles unserer Labels in den Mittelpunkt. Jeder von uns konsumiert Kleidung. Viele haben eine hohe Kaufkraft und können mit ihrer Kaufentscheidung aktiv dazu beitragen, etwas zu verändern. Und dabei müssen wir noch nicht einmal verzichten. Wir sind davon überzeugt, dass man die meisten Menschen mit einem alternativen Angebot überzeugt. Ohne erhobenem Zeigefinger oder schlechtem Gewissen.

In eurem Shop findet man eine Reihe an Labels. Welche Kriterien müssen diese erfüllen, um von evidend aufgenommen zu werden?

Unsere Marken haben alle ihre eigene Identität und stehen für einen individuellen Stil: ob Streetwear, Boheme oder klassischere Schnitte. In der Auswahl unserer Marken stellen wir uns deshalb immer die Frage, ob Sie unser Portfolio ergänzen. Darüber hinaus muss sie selbstverständlich ‚ehrlich‘ nachhaltig agieren. Deshalb setzen wir uns intensiv mit einem Label auseinander, bevor wir es listen. Das geschieht über die öffentlich zugänglichen Informationen als auch in direkten Gesprächen mit den Marken. Eine Marke muss nicht zwangsläufig zertifiziert sein oder eine Zahl von Siegeln vorweisen. Denn Zertifizierungen schaffen zwar Standards, sie sind für einige Marken jedoch finanziell nicht darstellbar. Einige Labels entscheiden sich auch bewusst dafür, das Geld lieber in eine direkte Veränderung in der Wertschöpfungskette zu investieren. Wichtiger ist der Aspekt, dass die Marke verantwortungsvoll handelt, zum Beispiel in dem sie nachweislich mit den produzierenden Partnern in Kontakt steht, sicherstellt dass Arbeitnehmer:innen eine faire Bezahlung erhalten, eingesetzte Materialien organischer Herkunft sind und umweltschonend produziert wird. Das geht auch ohne Zertifikate und Siegel. Weisen Brands Siegel vor, so stellen wir diese selbstverständlich dar.

Online-Shops für nachhaltige Mode gibt es einige. Was macht evidend fashion besonders bzw. einzigartig gegenüber anderen Anbietern?

Wir begegnen den Themen Mode und Nachhaltigkeit mit positiver Energie – das wollen wir mit evidend transportieren, denn beides ist möglich. Wir glauben daran, dass Mode fair und nachhaltig hergestellt werden muss. Wir glauben aber auch daran, dass Kleidung, Mode und der eigene Stil eine Form des persönlichen Ausdrucks von Lebensfreude sein dürfen. Wir suchen die coolsten eco & fairen Labels für unsere Kundschaft, sodass diese mit einem guten Gefühl nach neuen Lieblingsteilen stöbern kann. Unsere Kund:innen können sich dabei sicher sein, dass sie ausschließlich nachhaltige Labels bei uns finden und wir keine Labels im Sortiment führen, die Greenwashing betreiben. Eine Kund:in soll sich auf den Style, das Shoppingerlebnis konzentrieren können, ohne vorher lange nach der passenden Marke zu suchen oder sich im Wirrwarr von Zertifikaten und Siegeln zu verlieren.

Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit bei dem Versand eurer Online-Bestellungen?

Spannende Frage und ein Grund, warum wir uns bewusst für das risikoreichere Geschäftsmodell des klassischen Händlers (und kein Marktplatz) entschieden haben. Wir bestimmen selbst, wie wir versenden und aus welchen Materialien unsere Versandverpackungen bestehen. Kund:innen erhalten ihre Bestellung in einem Paket, auch wenn sie unterschiedliche Brands bei uns bestellen. Versendet wird bei uns klimaneutral mit DHL GoGreen. Unsere Verpackungsmaterialien und Aufkleber sind aus recyceltem Papier von biobiene und Raja Pack. Selbstverständlich plastikfrei. Darüber hinaus legen wir keine ausgedruckten Retourenlabel mit in die Pakete und animieren unsere Kund:innen zur mobilen Retoure. Den QR-Code zeigt man einfach im DHL Shop oder beim DHL Boten vor, ein Label wird dadurch nur dann gedruckt, wenn es benötigt wird. So unterstützen wir gemeinsam die Einsparung von 70% der Etiketten – ausgehend von einer Retourenquote von 30%. Ein kleiner Effekt, der große Wirkung hat, wenn es jeder Online Shop so handhabt. Zu guter Letzt stehen wir mit unseren Marken in direktem Austausch, wie die Ware bei uns angeliefert wird. Da gibt es noch viel Potential, um das Müllaufkommen zu reduzieren.

Showroom – Bild: evidend

Wie stellt ihr euch die Fashion Industrie der Zukunft vor?  

Die Fashion Industrie der Zukunft ist klimaneutral, ermöglicht sichere und fair bezahlte Arbeitsplätze unter Einhaltung von Menschenrechten und richtet sich stärker nach den Bedürfnissen der Konsumenten aus. Fast Fashion, die den Textilmarkt mit günstigen Kleidungsstücken überflutet, führt zu der Erwartungshaltung vieler Konsumenten, dass Mode jederzeit günstig verfügbar sein muss. Das ist alles andere als zeitgemäß. Konsumenten, Marken und Händler tragen gleichermaßen dazu bei, dass der Impact von Kleidung auf unsere Umwelt und unsere Gesellschaft minimiert bzw. verbessert wird. Als Händler sehen wir unseren Beitrag darin, einer breiteren Zielgruppe nachhaltige Kleidung näher zu bringen und diese für einen bewussteren Konsum zu sensibilisieren. Dadurch wächst der Druck auf konventionelle Marken, die Arbeits- und Produktionsbedingungen zu hinterfragen und nachhaltiger zu gestalten.

Auf was können sich eure Kundinnen und Kunden in nächster Zeit gefasst machen?

Wir werden unser Sortiment in jeder Saison um neue Marken und Styles erweitern. Auch neue Kategorien werden zukünftig dazu kommen, zum Beispiel Baby- und Kinderkleidung oder nachhaltige Outdoor-Marken. Ein zweites spannendes Thema ist für uns Nachhaltigkeitsaspekte transparent und für den Kund:innen verständlich auf Artikelebene darzustellen. Dazu möchten wir Technologien integrieren, die es dem Kund:innen ermöglichen, schneller zu verstehen was an einem Style nachhaltig ist. Darüber hinaus werden wir unseren Service stetig verbessern,  z.B. die Retourenabwicklung vollständig digitalisieren um den Papierverbrauch zu reduzieren.

Vielen Dank für das Interview, Kai! 

Dir schwebt nun auch noch eine Frage im Kopf herum, die du gerne an evidend stellen möchtest?

Dann schreib sie in die Kommentare – wir freuen uns auf den Austausch mit dir!

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Bilder: Unsplash, evidend

 

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