Mobilität neu gedacht – Sono Motors

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Sono Motors hat es sich zum Ziel gesetzt, die Mobilität in Richtung Klimafreundlichkeit und Fairness zu gestalten. Wir haben uns mit CEO Laurin Hahn über das Unternehmen und die Vision dahinter unterhalten.

Grüne Startups: Für die Leser*innen zuhause: Was ist Sono Motors?

Laurin Hahn: Wir sind ein junges Münchner Unternehmen, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, die individuelle Mobilität grundlegend neu zu denken – denn wir glauben an eine klimafreundliche, ressourcenschonende und faire Mobilität. Aus dieser Vision entstand 2016 Sono Motors und damit die Idee für unser erstes Fahrzeug: Der Sion.

Ihr wollt mit dem Sion in eine erdölfreie Zukunft der Mobilität führen. Was war der Auslöser für diese Vision?

Tatsächlich begann alles mit einem Telefonat. Mein Mitgründer Jona und ich sprachen dabei über die Verschwendung von Erdöl. Kaum eine Ressource polarisiert mehr. Das haben wir zuletzt im Golf von Mexiko gesehen, als ein Gas-Leck nahe der Ölplattform Ku-Charly für schwere Brände mitten im Ozean sorgte. Die Fotos gingen um die Welt und entfachten eine neue Debatte um fossile Energien.

Der Mobilitätssektor spielt dabei eine sehr große Rolle. 61 % des geförderten Erdöls verbrennen wir für unsere Mobilität – und das trotz zahlreicher Alternativen. Jona und ich haben uns daher entschieden, die Sache selbst in die Hand zu nehmen.

Sich in der deutschen Automobilbranche durchzusetzen ist schwer welche Hürden habt ihr bisher überwunden und welche stehen euch noch bevor?

Bisher konnten wir der Welt zwei verschiedene Generationen unserer Prototypen präsentieren. Den ersten 2017 in München, und den zweiten Anfang des Jahres im Rahmen der Consumer Electronics Show (CES). Diese Fahrzeuge zu entwickeln, zu fertigen und zu testen sind die natürlichen Grundlagen unserer täglichen Arbeit.  Sie bilden das Fundament, auf dem wir die späteren Serienfahrzeuge aufbauen. Eine große Herausforderung ist dabei natürlich immer die Finanzierung, denn die Entwicklung von Fahrzeugen kostet viel Geld.

Hinzukommt, dass wir mit unserer proprietären (in Eigentum befindlicher) Solar-Integration auch eine neue Fahrzeugkomponente etablieren möchten. Das erfordert natürlich viele Tests und einen ausgeprägten Entwicklungsaufwand. Bisher haben wir diesbezüglich wirklich beeindruckende Erfolge erzielen können. In unserem aktuellen Prototyp funktionieren die Solarpaneele rundum und versorgen die Fahrzeuge bereits mit Energie.

Wie finanziert sich Sono Motors?

In unserer Finanzierung setzen wir auf zwei Eckpfeiler: Der eine ist unsere Community – also die Menschen, die schon einen Sion reserviert und angezahlt haben. Das sind über 13000 Menschen, wovon viele schon komplett angezahlt haben. Das gibt uns natürlich einerseits finanzielle, aber andererseits natürlich auch eine ideelle Absicherung. Zweitens konnten wir immer wieder Investor*innen gewinnen, die unsere nachhaltige Vision und die Werte von Sono Motors teilen.

Integrierte Solarzellen und bidirektionales Laden machen den Sion besonders. Was genau bedeutet das und was hat euer Elektroauto noch zu bieten?

In die Karosserie integrierte Solarzellen ermöglichen es, den Sion mehrere Tage zu benutzen, ganz ohne ihn aufladen zu müssen.

Insgesamt 248 Zellen generieren im Spitzenwert bis zu 1,2 Kilowatt. Diese Energie kann in Sommermonaten Strom für bis zu 245 Kilometer (durchschnittlich 112 km) pro Woche erzeugen. Das ist zwar abhängig von regionalen Wetterbedingungen, hat aber ein enormes Potenzial.  Im Jahr sind das bis zu 5.800 Kilometer emissions- und kostenfreie Reichweite in einer Stadt wie München. Diese Technologie ermöglicht es, einen Großteil der durchschnittlich gefahrenen Kilometer pro Tag allein durch Sonnenenergie zurückzulegen.

Eine weitere Besonderheit ist das bidirektionale Laden. Damit kann der Sion nicht nur Strom aufnehmen und speichern, sondern auch wieder abgeben. Der Sion verfügt über eine Haushaltssteckdose, über die alle gängigen elektronischen Geräte mit bis zu 3,7 kW Leistung betrieben werden können. Über den Typ-2-Stecker kann das Auto sogar noch mehr Leistung liefern. Mit bis zu 11 kW können dann andere Elektroautos, und ebenfalls Starkstromgeräte betrieben werden. In Verbindung mit der Solar-Integration wird der Sion somit zum mobilen Kraftwerk.

Bild: Sono Motors – Laurin Hahn und Jona Christians vor dem Sion.

Zusätzlich wollt ihr mit dem Sion Mobilitätsdienstleistungen revolutionieren, wie funktioniert das?

Eine ganz grundlegende Sache, die in der individuellen Mobilität schiefläuft, ist die Effizienz, mit der wir unsere Autos nutzen. Den Großteil des Tages und im europäischen Durchschnitt fast  23 Stunden täglich, stehen Fahrzeuge in der Gegend herum: Auf Parkplätzen, in Parkgaragen, am Straßenrand. Das ist eine riesige Platz-, und damit auch Ressourcenverschwendung. Wir haben uns daher entschieden, den Sion von Anfang an als ein Fahrzeug zu konzipieren, das man immer mit anderen Menschen teilen kann.

Konkret sieht das so aus: In den Sion integriert sind verschiedene Mobilitätsdienstleistungen, die die Nutzer*innen über eine App abrufen können. Mithilfe deines Smartphones kannst du dann anderen Menschen eine Mitfahrgelegenheit anbieten, oder auch gleich das ganze Fahrzeug für einen bestimmten Zeitraum zur Verfügung stellen.

Du fährst von München nach Berlin? Teil deine Reise in der App und vielleicht finden sich andere Interessenten, die gerne mitreisen möchten.

Du fährst in den Urlaub? Stelle deinen Sion für diesen Zeitraum anderen Menschen zur Verfügung. Auf diese Weise triffst du neue Menschen, reduzierst deine eigenen Kosten und schonst die Umwelt.

Elektroautos sind toll aber was tut ihr noch um nachhaltig zu arbeiten?

Nachhaltigkeit bedeutet für uns Fairness, Ressourcenschonung und Klimaschutz. Wir möchten transparent zeigen, was wir diesbezüglich erreichen und was faire Arbeitsbedingungen und aktiver Umweltschutz für uns bedeuten. Dafür veröffentlichen wir einmal im Jahr unseren Nachhaltigkeitsbericht. Darin zeigen wir auf, wie viel CO2 unsere Arbeit erzeugt, wie viel Strom und wie viel Wasser wir verbrauchen.     Die dabei entstehenden Emissionen kompensieren wir im nächsten Schritt durch die Unterstützung von zertifizierten Klimaprojekten.

Aber natürlich gibt es auch viele Mittel, wie man Emissionen vermeiden kann, bevor sie überhaupt entstehen. Das fängt bei vermeintlichen Kleinigkeiten an. Wir arbeiten fast ausschließlich mit Computern aus zweiter Hand, die wieder fit gemacht wurden.

Außerdem ist das Catering in unserem Büro komplett vegan und auf Geschäftsflüge verzichten wir weitestgehend.

Was kommt nach dem Sion? Auf welche Innovationen können sich die Kund*innen in Zukunft freuen?

Ein ganz zentrales Ziel ist es, unsere Solartechnologie auch in andere Fahrzeuge zu integrieren. Dafür konnten wir bereits mehrere Partnerunternehmen gewinnen, mit denen wir aktuell zusammenarbeiten. Eines davon ist MAN, einer der weltweit größten Hersteller von LKWs. Auf diesen Fahrzeugen gibt es riesige Flächen, die wir zur Energiegewinnung nutzen können. Die Idee dahinter lässt sich natürlich auch beliebig auf andere Transportmittel erweitern. Was nach dem Sion kommt, möchten wir an dieser Stelle allerdings erstmal offenlassen. Unser aktuelles Hauptziel besteht darin, den Sion 2023 auf die Straße und damit zu den tausenden Menschen zu bringen, die uns seit Jahren unterstützen.

Vielen Dank für das Interview, Laurin Hahn!

Dir schwebt nun auch noch eine Frage im Kopf herum, die du gerne an Sono Motors stellen möchtest?

Dann schreib sie in die Kommentare – wir freuen uns auf den Austausch mit dir!

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