Green Startup Monitor – Einblick in das grüne Ökosystem

Wie sieht die Landschaft der grünen Startups in Deutschland aus? Der Green Startup Monitor gibt darüber seit 2019 Auskunft. Hier findest du die wichtigsten Infos. 

Ein Wandel hin zu mehr Nachhaltigkeit und Klimaschutz ist für eine lebenswerte Zukunft unausweichlich. Besonders grüne Startups sind bei der Transition eine große Stütze. Sie sind wegweisend, innovativ, bahnbrechend und nicht an Konventionen gebunden. Einen Einblick in das deutsche Ökosystem der grünen Startups gewährt der Green Startup Monitor. Diese Studie wird von dem Borderstep Institut und dem Bundesverband Deutsche Startups erstellt. Gefördert von der DBU wurde der Monitor 2019 zum ersten Mal und seitdem jährlich veröffentlicht. Anhand der Studie werden die Bedeutung, Herausforderungen und Bedürfnisse grüner Startups im deutschen Gründungsgeschehen aufgedeckt. Anschließend werden den verschiedenen Akteuren Verbesserungsmaßnahmen vorgeschlagen, damit grüne Startups entsprechend gefördert werden. In jedem Monitor werden außerdem Beispiele erfolgreicher grünen Startups vorgestellt. Als Innovationstreiber einer Green Economy ist es wichtig, über die jegliche Facetten der grünen Startups Bescheid zu wissen und ihren Bedürfnissen gerecht zu werden. In diesem Beitrag schildern wir dir die Schlüsselergebnisse der ersten beiden Monitore sowie eine Zusammenfassung über die Ergebnisse 2021. Bevor wir damit anfangen, müssen wir allerdings klarstellen, was mit ‘Green Startups’ gemeint ist.

Was ist ein grünes Startup? 

Die Daten, anhand welchen der Green Startup Monitor erstellt wird, stammen von deutschen Startups. Diese müssen jünger als 10 Jahre alt sein, (sehr) innovativ sein und/oder ein (geplantes) Mitarbeiter- Umsatzwachstum haben. 

Ein solches Startup wird als grün eingestuft, wenn es mit seinen Produkten, Technologien und Dienstleistungen einen Beitrag zu den ökologischen Zielen einer Green Economy leistet. Deutschland zählt etwa 6.000 grüne Startups. Wirtschaftlicher Erfolg ist grünen Startups nicht wichtiger als ihre ökologische oder gesellschaftliche Wirkung. Die ökonomische Dividende (z. B. Schaffung von Arbeitsplätzen) geht Hand in Hand mit der gesellschaftlichen oder ökologischen Dividende (z. B. Senkung der CO2-Emissionen). Hierbei spricht man von einer doppelten Dividende. 

Green Startup Monitor 2018 – der Erste aber nicht der Letzte 

2018 wurde der erste Green Startup Monitor erstellt. Zwischen dem 14. Mai und dem 17. Juni wurden die Daten von 1.158 deutschen Startups durch einen Onlinefragebogen erhoben. Nach der Auswertung stand Folgendes fest: 

  • Zwei Drittel aller befragten Startups streben danach, eine positive gesellschaftliche oder ökologische Wirkung zu erzielen.
  • 26 % aller Startups können als grün eingestuft werden, weil sie mit ihren Produkten, Technologien und/oder Dienstleistungen einen Beitrag zu den ökologischen Zielen einer Green Economy leisten. 
  • Grüne Startups planen ein ähnliches Umsatz- Mitarbeiterwachstum wie nicht-grüne Startups.
  • Grüne Startups wollen sowohl betriebswirtschaftlich erfolgreich sein, als auch eine positive ökologische und gesellschaftliche Wirkung erzielen.
  • Grüne Startups schätzen ihre Innovativität höher ein als nicht-grüne Startups.
  • Grüne Startups haben trotz des allgemeinen Fachkräftemangels deutlich weniger Probleme, IT-Fachkräfte zu rekrutieren.
  • Der Frauenanteil unter grünen Startups Gründerinnen und Gründern ist etwas höher als bei nicht-grünen Startups, mit 18 % jedoch trotzdem gering. 
  • Zwei Drittel der Startups in den Bereichen Energieerzeugung, chemische Erzeugnisse, Landwirtschaft und Mobilität können als grüne eingestuft werden.
  • Grüne Startups sehen in der Kapitalbeschaffung deutlich häufiger eine Herausforderung als nicht-grüne Startups.
  • Besonders innovative und wachstumsorientierte grüne Startups wünschen sich von der Politik Unterstützung beim Austausch mit etablierten Unternehmen.

Green Startup Monitor 2020 – Trend zu mehr grünen Gründerinnen

2020 wurde der Green Startup Monitor zum zweiten Mal erstellt. Die Daten stammen aus dem Zeitraum zwischen dem 13. Mai und dem 23. Juni 2019. Anhand eines Onlinefragebogens konnten Daten von 1.620 geeigneten Startups erfasst und verarbeitet werden. Hier die Schlüsselergebnisse: 

    • 21 % aller deutschen Startups können als grün eingestuft werden, weil sie mir ihren Produkten und Dienstleistungen einen konkreten Beitrag zu Umwelt- und Klimaschutz leisten.
    • Die Erwartungen für die Geschäftslage ist bei grünen Startups besser als bei nicht-grünen und viel besser als bei der etablierten Wirtschaft.
    •  Grüne Startups sind genauso wachstums- und gewinnorientiert, schaffen aber zusätzlich einen gesellschaftlichen und ökologischen Mehrwert. 
    • Mit 22 % haben grüne Startups eine deutlich höhere Gründerinnenquote als nicht-grüne Startups (13 %). 
    • Die Förderung und Beteiligung ihrer Beschäftigten ist grünen Startups deutlich wichtiger als nicht-grünen Startups.
    • Die Kapitalbeschaffung ist für grüne Startups eine deutlich größere Herausforderung, besonders für sehr innovative grüne Startups. 
    • Sehr innovative grüne Startups haben ein ausgeprägtes Interesse an einer Finanzierung durch Business Angels.

Green Startup Monitor 2021 – Startups in Zeiten von Corona 

Vom 11. Mai bis 21. Juni 2020 wurden die Daten für den Green Startup Monitor 2021 erhoben. Ausgewertet wurden die Antworten von 1.690 deutschen Startups. Das erfreulichste Ergebnis: Der Anteil grüner Startups in der gesamten deutschen Startup-Landschaft steigt auf 30 Prozent. Somit ist fast jedes dritte Startup in Deutschland grün. 2018 war es noch jedes vierte. Bei der Identifizierung grüner Startups dient der DIN SPEC 9051-1. Als Praxistool führt dieser einen neuen Nachhaltigkeitsstandard ein, nachdem Startups und ihre Wirkung eingeordnet werden. Auch Kapitalgeber, die ihr Portfolio nachhaltiger gestalten wollen, können sich daran orientieren. Wenn sich das Handeln eines Unternehmens positiv oder negativ auf die Umwelt oder das Klima auswirkt, kann es frühzeitig verbessert oder gefördert werden. Der Orientierungsrahmen DIN SPEC 90051-1 wurde im Rahmen des Förderprogramms DIN-Connect vom Borderstep Institut zusammen mit dem Bundesverband Deutsche Startup und SDG INVESTMENTS induziert und unterstützt. 

Ergebnisse des Green Startup Monitor 2021

  • Deutsche Startups werden zunehmend grüner und wirkungsorientierter. Problemen wie Klimawandel, Energiewende oder Mobilitätswende wollen sie sich annehmen. 76 % der Startups haben angegeben, dass ihre ökologische und gesellschaftliche Wirkung strategierelevant sei. Der GSM hat 30 % der Startups als grün eingestuft.
(Bildquelle: Grafik – Green Startup Monitor 2021 / Bundesverband Deutsche Startups)
  • Grüne Startups haben einen stärkeren Hardware-Bezug. Jedes vierte grüne Startup setzt auf Technologieentwicklung oder Technologieproduktion als Geschäftsmodell. Dabei handelt es sich oft um eine Kombi aus physischer Hardware und digitalen Elementen.  
  • Grüne Startups sehen sich als innovativer. 82 % von ihnen stufen sich als innovativ bis sehr innovativ ein. Bei den nicht-grünen Startups sind es 73 %. 
  • Grüne Startups haben eine höhere aber stagnierende Gründerinnenquote. Mit 19 % liegt diese über der Quote von 14 % für nicht-grüne Startups. Allerdings ist die Quote im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Der Trend zu mehr Frauen in der grünen Gründung wurde unterbrochen.
  • Grüne Startups wünschen sich mehr Venture Capital und eine bessere Frühphasenfinanzierung. Nur 16 % der grünen Startups haben bereits Venture Capital erhalten. Dabei wünschen es sich 42 %. 
  • Ein Exit ist nur für die Hälfte der grünen Gründungsteams interessant. Bei den nicht-grünen Startups sind es nur 37 %, die ihr Unternehmen nicht verkaufen wollen. Die Zahlen sind ein Indiz dafür, dass sich grüne Startups nicht als Einhorn, sondern als Zebra sehen. Einhörnern ist es wichtig, so schnell wie nur irgend möglich zu wachsen. Mit einer doppelten Dividende (schwarz und weiß) ist Zebras ihr wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Impact gleich wichtig.
  • Die Zufriedenheit grüner Startups mit ihrem regionalen Ökosystem variiert.
(Bildquelle: Grafik – Green Startup Monitor 2021 / Bundesverband Deutsche Startups)
  • Die Schwierigkeiten mit der Kapitalbeschaffung spitzen sich weiter zu. Die Hälfte der grünen Startups oder mehr geben an, dass Vertrieb, Kapitalbeschaffung und Produktentwicklung die größten Challenges für sie sind. 
  • Grüne Startups sprechen sich für eine Förderlinie ‚Sustainability‘ und mehr staatliche VC-Finanzierung aus. Jedes zweite grüne Startup erhofft sich zielgruppengerechte Finanzierungsangebote von der Politik. Außerdem sollen die Verwaltungsdienstleistungen vereinfacht werden. 

Grüne Startups in der Covid-19-Krise: Erste Erkenntnisse und Hypothesen

Mit dem Virus kamen auch enorme Herausforderungen. So wie viele andere Unternehmen sind auch Startups stark von den Auswirkungen der Pandemie betroffen. Das zeigt ein Bericht des Bundesverband Deutsche Startups. Bereits im März 2020 konnten 90 Prozent der deutschen Startups ihrer Geschäftstätigkeit nicht ausführlich nachgehen. 80 Prozent sahen sich ihrer Existenz bedroht. Die Daten für den Green Startup Monitor 2021 wurden im Mai und Juni 2020 gesammelt. Die folgenden drei Hypothesen basieren also auf Einschätzungen nach dem ersten Lockdown. Der weitere Verlauf der Pandemie und die Gewinnung neuer Daten sollen diese ergänzen und prüfen. 

    • Grüne Startups sehen sich in der Krise ähnlichen Herausforderungen ausgesetzt, wie nicht-grüne. Aufgrund ihres stärkeren Hardware-Bezugs trifft sie die Unterbrechung von Lieferketten jedoch deutlich häufiger. 
    • Ein Teil der grünen Startups engagiert sich aktiv in der Bekämpfung der unterschiedlichen Aspekte der Krise, indem spezifische Produkte und/oder Dienstleistungen entwickelt werden. Vorreiter sind hier Onlinenetzwerke die angewandte IT und der Onlinehandel. 
    • Grüne Startups profitieren in der Krise von der Stabilität staatlicher Finanzierungsprogramme. Die Verlängerung bestehender Förderungen ist damit deutlich häufiger eine wichtige Unterstützungsmaßnahme. 

Handlungsempfehlungen für Politik und Startup-Ökosystem

  • Gründungsförderung: Neue Förderlinie „Sustainability“. Mit diesem zielgruppengerechten Finanzierungsangebot sollen fokussiert grüne Startups gefördert werden. Diese Maßnahme ist den grünen Startups allgemein am wichtigsten. 
  • Etablierung eines bundesweiten Netzwerks regionaler Sustainability Innovation Hubs. Diese würden vor allem dazu dienen, grüne Startups mit relevanten Playern wie etwa etablierte Mittelstandsunternehmen oder relevante Wissenschaftsorganisationen zu vernetzen. Auch finanzielle Akteure sollen eingebunden werden. So können Startups nachhaltig in die Welt der Unternehmen eingebunden werden und als Innovationstreiber den Klima- und Umweltschutz unterstützen. 
  • Optionen zum Ausbau staatlicher VC-Finanzierung und passgenaue Finanzierungsformen. Die Ergebnisse zeigen, dass eine der Hauptherausforderungen für grüne Startups dies Beschaffung von Kapital ist. Deshalb fordern 40 Prozent der grünen Startups den Ausbau der staatlichen Risikokapitalversorgung. Bei den ‘Zukunftsfonds’ soll dies mit eingeplant werden. 
  • Sustainability4All: Nachhaltigkeit als Erfolgsfaktor in allgemeinen Gründungsförderprogrammen. Das Projekt Sustainability4All soll Startups darin unterstützen, frühzeitig Nachhaltigkeitsaspekte in ihr Geschäftsmodell einzubinden. Auch Startups die sich zu solchen Aspekten zuvor keine Gedanken gemacht haben, können so für Nachhaltigkeitsthemen sensibilisiert werden. Das Projekt soll in Zusammenarbeit mit den relevanten Playern des Gründungsökosystems umgesetzt werden. 

Fazit: Es wird grüner 

Für das Anstreben einer nachhaltigen Wirtschaft und Zukunft fungieren grüne Startups als Schlüsselfunktion. Der Green Startup Monitor gewährt einen Einblick in die Bedürfnisse und Herausforderungen grüner Startups. Anhand dieser können konkrete Maßnahmen zur Verbesserung ihres Ökosystems vorgeschlagen und von der Politik umgesetzt werden. Den Klimawandel interessiert es herzlich wenig, dass wir uns momentan mit einer Pandemie herumplagen. Nur durch innovative und zukunftsgerichtete Ideen können wir aktiv das Klima und unsere Umwelt schützen. Wir sind bereits gespannt auf den nächsten Green Startup Monitor. Hoffentlich steigt der Anteil grüner Startups und Gründerinnen. 

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Bilder: Unsplash, Bundesverband Deutsche Startups e.V. 

 

 

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