Es geht um die Nuss – fairfood Freiburg

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INTERVIEW | Veganer Käse, Bolognese und Pastatoppings aus Nüssen? fairfood Freiburg macht´s möglich.

Auf dem Markt findest du inzwischen für fast jedes Nahrungsmittel mindestens eine vegane Alternative. Das vegane Schnitzel oder vegane Butter sind nur ein kleiner Teil des Sortiments. Auch fairfood Freiburg ist daran interessiert, Alternativen zu schaffen, die dir eine vollends vegane Ernährung erleichtern. Wir haben einige sehr interessante Fragen an fairfood Freiburg gerichtet und dabei Erkenntnisse gewonnen, die dich sicherlich interessieren.

GRUENE-STARTUPS: Für alle, die fairfood Freiburg noch nicht kennen – Stellt euer Startup kurz vor.

Isabel: Wir machen Nüsse fair. Deshalb beziehen wir unsere Nüsse und Früchte nur direkt von Fairtrade-Produzent*innen, die unsere Produkte nach Bio-Standards anbauen und im Anbauland verarbeiten. In unserer Freiburger Manufaktur rösten wir die Nüsse dann schonend von Hand, verarbeiten sie zu Nussmus, Nuss-Bolognese oder veganem Pasta-Topping. Weil Fairness für uns auch bedeutet, unseren Müll nicht zu verbrennen und exportieren, füllen wir unsere Nüsse in Pfandgläser oder verkaufen sie am liebsten unverpackt.

Wie kamt ihr auf Idee, faire Bio-Snacks herzustellen und zu verkaufen?

Die Idee entstand 2015. Damals lernte Amos Bucher Okey Ugwu kennen und erfuhr von ihm, dass in seiner Heimatregion in Aku, Nigeria, zwar viele Menschen über wertvolle Cashewbäume verfügten, davon aber nicht leben könnten. Sie erhielten für die Rohware nämlich extrem niedrige, schwankende Preise, und das Verrückteste: Anstatt die Cashews vor Ort zu knacken und zu trocknen, werden 95% der afrikanischen Cashews nach Vietnam und Indien exportiert, um dort unter preisgünstigen und widrigen Bedingungen für die Arbeiter*innen geknackt zu werden. Sozialer und ökologischer Irrsinn!

Das wollten wir ändern: Gemeinsam mit Okey Ugwu haben wir in Nigeria eine Cashew-Produktion aufgebaut, in der die Kerne geröstet und von dort direkt nach Freiburg gebracht werden. Hier haben wir damals in der eigenen Küche die ersten Nüsse geröstet und gemerkt: Faire Nüsse, die gut schmecken, kommen an.

Seit wann gibt es fairfood Freiburg und welche Herausforderungen habt ihr bisher gemeistert?

fairfood Freiburg gibt es jetzt seit sechs Jahren. Eine der größten Herausforderungen bestand sicherlich darin, den Schritt aus der privaten Küche zu wagen und eine professionelle Küche zu mieten. Weitere Meilensteine waren die Bio- und Fairtrade-Zertifizierungen und die Anerkennung durch den Weltladen-Dachverband, die alle ihre eigenen, sehr strengen Standards anlegen und einfordern. Da das Gründerteam “fairfood Freiburg” damals noch nebenberuflich aufgebaut hat, war das eine echte Belastungsprobe.

Heute sehen die Challenges anders aus: Erst kürzlich sind wir von vier verteilten Standorten in Freiburg in ein gemeinsames Büro mit eigener Küche und großem Lager gezogen. Das hat nicht nur eine solide Finanzierung, sondern auch jede Menge Planung erfordert. Nun gilt es, unser Team zusammenwachsen zu lassen und unsere neuen Projekte gemeinsam umzusetzen.

Bild: fairfood Freiburg

Wie habt ihr euer Startup finanziert?

Die Finanzierung hat sich über die Jahre verändert. Zu Beginn haben die Gründer ihre eigenen finanziellen Mittel in das Projekt gesteckt. Da das nicht für große Sprünge reichte, haben uns im Folgejahr auch Familie und Freundeskreise finanziell unterstützt. Eine große Erleichterung war der Einstieg eines Business Angel im Jahr 2017, der uns bis heute begleitet. 2020 haben wir dann den Unternehmerkredit der KfW und einen Kredit bei der GLS Bank erhalten.

Um den Bau und die Einrichtung unserer neuen Küche zu finanzieren, in der wir die Nüsse rösten, haben wir im letzten Jahr zum ersten Mal ein Crowdinvestment gestartet. Von der Rückmeldung unserer Unterstützer*innen waren wir extrem begeistert. Das war für uns eine tolle Möglichkeit, das Projekt zu finanzieren und gleichzeitig unsere Fans am Wachstum teilhaben zu lassen.

Wo kommen eure Nüsse und Früchte her und mit welchen Partnern kooperiert ihr?

Mittlerweile sind das verschiedene Länder und Partner*innen. Bis jetzt erhalten wir Cashews aus unserer Produktion in Nigeria. Mehr bio-faire Cashews und getrocknete Mangos bekommen wir aus Burkina Faso. Die Paranüsse beziehen wir aus einem tollen Fairtrade-Projekt in Bolivien, wo ihre Ernte den dortigen Regenwald schützt. Die Ananas kommen aus Tansania, die Datteln aus Tunesien, Mandeln aus Palästina und Pakistan.

Was wir über die Herkunft aller unserer Produkte sagen können ist, dass sie nur von Bio- und Fairtrade-zertifzierten Produzent*innen stammen. Alle werden aus dem Anbauland ohne Zwischenhandel direkt zu uns gebracht. Viele unserer Lieferant*innen haben wir besucht und kennen sie persönlich.

Bild: fairfood Freiburg

Welche Maßnahmen ergreift fairfood Freiburg, damit der Handel fair ist und bleibt?

Die Zertifizierungen von Fairtrade Labelling Organizations (FLO) und Fair for Life (FFL) sind für uns die Grundlage, dass der internationale Handel unserer Produkte fair abläuft. Dazu kommt der direkte Handel, den wir erwähnt haben und der die Lieferkette überschaubar macht. So landet unser Geld bei den Produzent*innen und nicht bei Zwischenhändlern.

Für uns bedeutet Fairness aber mehr als das. Anders als in der internationalen Nuss-Branche üblich sorgen wir dafür, dass unsere Nüsse und Früchte nicht als Rohware exportiert, sondern in den Anbauländern selbst geknackt, geschält und getrocknet werden. So entstehen nämlich zusätzliche fair entlohnte Arbeitsplätze, die Existenzen sichern und die lokale Wirtschaft stärken.

Worauf seid ihr besonders stolz?

Wenn wir auf die letzten sechs Jahre zurückschauen sind wir richtig stolz darauf, dass wir aus unserer ersten Idee bis heute eine kleine Firma mit mehr als 50 Beschäftigten aufgebaut haben. Im Vergleich zu ein paar Kilo Cashews, die wir 2015 an Bekannte und Familie verkauft haben, bringen wir heute mehrere hundert Tonnen faire Bio-Nüsse pro Jahr von den Produzent*innen direkt auf den deutschen Markt.

Unserer Vision “Wir machen Nüsse fair” kommen wir damit immer näher. Es macht uns glücklich, dass wir immer mehr Menschen ein sicheres und faires Einkommen ermöglichen und in strukturschwachen Regionen neue Arbeitsplätze schaffen. Wir wollen nämlich nicht nur die Weltläden und Bio-Käufer*innen erreichen, sondern dazu beitragen, dass in Zukunft alle Nüsse auf dem internationalen Markt fair gehandelt werden!

Was habt ihr für die Zukunft geplant, um fairfood Freiburg weiter zu optimieren?

Abgesehen vom Ausbau unserer Produktionslinie, die angesichts der vielen Handarbeit gerade an ihre Grenzen stößt, legen wir den Fokus aktuell auf den Aufbau von zwei neuen Nuss-Projekten. Schon im Aufbau ist eine Produktion für Macadamia in Ruanda. Dort haben wir mit unserem ruandischen Partner Gorilla Nuts ein Produktionsgebäude errichtet, in dem schon bald die ersten Nüsse geknackt werden. Wir schulen Farmerinnen in der Bio-Landwirtschaft und erwarten Ende 2021 die erste Lieferung. Psst: Hierzu wird es ein Crowdfunding geben!

Parallel beginnen wir damit, unsere erste Cashew-Produktion in Nigeria zu professionalisieren. Back to the roots quasi. Wir wollen mehr Farmer*innen an Bord holen, die Produktion ausbauen und mehr fair bezahlte Arbeitsplätze schaffen. All das kostet viel Arbeit, macht uns aber glücklicher und stolzer als jede Umsatzzahl.

Vielen Dank für das Interview Isabel!

Dir schwebt nun auch noch eine Frage im Kopf herum, die du gerne an fairfood Freiburg stellen möchtest?

Dann schreib sie in die Kommentare – wir freuen uns auf den Austausch mit dir!

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Alle Rechte bei fairfood Freiburg.

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