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Elektrocarsharing braucht mehr Ladesäulen

Damit Elektromobilität und Carsharing sich ergänzen, müssen in Berlin die Rahmenbedingungen besser werden – so Björn Hornemann von Multicity Carsharing im Interview.

9.05.2017

GRÜNE-STARTUPS.de: Würden Sie uns Multicity kurz vorstellen und die bisherige Entwicklung schildern?

Björn Hornemann: Multicity Carsharing ist seit 2012 in Berlin aktiv und eine Marke von Citroen Deutschland. Aktuell betreiben wir 330 Fahrzeuge in Berlin, davon rund 230 Elektrofahrzeuge vom Typ C-ZERO, und verzeichnen mehr als 20.000 Kunden in Berlin.

Die Ergebnisse aktueller Studien zu den Themen Carsharing und CO2 Ausstoßreduzierung sind unscharf. Wie schätzen Sie den Stellenwert von Carsharing hier ein?

Carsharing kann die Anzahl privat zugelassener PKW reduzieren und trägt gleichzeitig zu einer höheren Nutzung von Fahrzeugen bei. Der Anteil an allen PKW-Fahrten insgesamt liegt noch im einstelligen Prozentbereich, wird sich in den kommenden Jahren aber erhöhen und trägt damit zu Reduzierung des Ausstoßes bei.

Wie will Multicity konkret zur Energiewende beitragen?

Wir werden auch in Zukunft mehrheitlich Fahrzeuge mit niedrigem CO2 Ausstoß in unserer Flotte haben. Selbst der Verbrenner C1, den wir neben den Elektrofahrzeugen betreiben ist in einer der höchsten Energieeffizienzklassen.

Welche Trends verfolgen Sie im Bereich Carsharing mit Spannung?

In Deutschland sind das in erster Linie Entwicklungen welche die technischen Eingangskanäle betreffen und die dem technisch Möglichen noch hinterherhinken. Das Auto ist eine Sache, personalisierte Angebote und die Kunst, das Fahrzeug in die Nähe des Kunden zu bringen, eine andere.

Was waren die bisher größten Herausforderungen für Multicity?

Als zunächst reiner Elektrocarsharing Anbieter haben wir seit 2012 in Berlin Pionierarbeit geleistet. Es gibt in dieser Stadt immer noch viel zu wenige Schnell-Ladesäulen und seitens des Senats und der Bezirke sehen wir keine großen Bemühungen, dies zu verbessern. Dazu haben wir noch unterschiedliche Standards, was den Vorgang selbst für die Kunden kompliziert gestaltet. Tanken kann jeder. Fahrzeuge laden ist da schon eine andere Sache wenn Säule und Fahrzeug nicht miteinander Können. Abgesehen davon sind die Ladesäulen sehr oft von Verbrenner-Fahrzeugen zugeparkt und nicht nutzbar. Bis sie abgeschleppt werden dauert es zuweilen Stunden. Ergebnis: Längere Standzeiten, weniger Nutzbarkeit, der Kunde kann das Fahrzeug nicht laden, der Betreiber zahlt drauf.

Das bedeutet für uns wiederum das wir aus wirtschaftlichen Gründen das Thema Elektromobilität äußerst kritisch hinterfragen müssen solange sich die Rahmenbedingungen in Berlin nicht signifikant verändern.

Welche langfristigen Ziele verfolgt das Unternehmen?

Wir möchten zu den zwei großen Anbietern aufschließen und unseren Marktanteil deutlich erhöhen.

Welche Rolle wird Carsharing ihrer Meinung nach in zehn Jahren spielen?

Carsharing wird dann vermutlich genauso Normalität sein wie Bus, U-Bahn oder Taxi.

Ihr Insidertipp: Welches grüne Produkt hat Sie zuletzt fasziniert?

Sea Bin, im Prinzip schwimmende Netze, die den treibenden Plastik-Müll auf der Meeresoberfläche reduzieren können. Ein spannendes Produkt aus Australien das hoffentlich bald auf den Markt kommt.

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