Bunter Corona-Schutz: Handgefertigte Masken aus Afrika

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Corona-Schutz muss nicht einfarbig und langweilig sein. Bei Afyamoto findest du faire, handgefertigte Masken, die den tristen Winter etwas bunter gestalten!

Schlüssel, Handy, Geldbeutel… und seit 2020 auch Maske, check! Was in Ländern wie China schon vor Corona Alltag war, ist für uns heute auch Realität. In der Öffentlichkeit schützen wir uns gegenseitig vor einer Infizierung mit einer Mund-Nasen-Maske. Diese ist als Einweg- oder Mehrwegmaske zu kaufen. Dass Einweg-Masken nicht wirklich nachhaltig sind, ist klar. Doch auch die Produktion von Mehrwegmasken ist nicht immer fair und ökologisch nachhaltig. Dem möchte Afyamoto entgegenwirken. In ihrem Shop findest du handgefertigte Masken, fair produziert aus Afrika. Wir haben mit den Gründern Katrin und Leon gesprochen, welche uns ihr Startup einmal vorstellen.

Gruene-Startups.de: Liebe Katrin, lieber Leon, bitte erklärt einmal kurz unseren Leser*innen, die Afyamoto noch nicht kennen, was ihr macht.

Katrin und Leon: Afyamoto ist ein nachhaltiges Fair-Trade-Label, das durch eCommerce und sozialem Unternehmertum zu gesellschaftlichem Wandel in Afrika beitragen will. Unsere Mission: Nachhaltig und fair produzierte, afrikanische Mode und Accessoires mit zeitlosem Design zu kombinieren und der Welt zugänglich zu machen. „Wir wollen eine ganz neue Art der Mode kreieren, die Innovation und hohe Qualitätsstandards europäischer Mode mit traditioneller afrikanischer Couture verbindet“, sagt Katrin. Immer im Fokus dabei: Fairness und Respekt im Umgang mit Mensch und Natur. Mit unseren ersten Produkten, handgefertigte Mund-Nasen-Masken aus farbenfrohem, tansanischen Kitenge, wollen wir zum Tragen von wieder verwendbaren, waschbaren Masken anregen. Das vermeidet Müll und sichert Ressourcen an medizinischen Produkten, die an anderer Stelle dringend gebraucht werden.

Hat der Name “Afyamoto” eine bestimmte Bedeutung? Wenn ja, verratet ihr uns welche?

Afyamoto ist Kisuaheli, die Amtssprache in Tansania. Es bedeutet wörtlich übersetzt Gesundheit (Afya) und Feuer (Moto). Wir haben ihn aus unserem damaligen Uni-Projekt „Afyamoto Cookstoves“ übernommen, welches sich für die Bekämpfung von „Indoor Air Pollution“ eingesetzt hat. „Ziel war es, durch den Bau eines Ofens die Gesundheit der ärmeren Bevölkerung Tansanias zu schützen, da diese teilweise immer noch mit offenem Feuer in geschlossenen Räumen kocht“, so Leon. „Die symbolische Bedeutung geht aber viel weiter“, ergänzt Katrin. Feuer ist auch Energie, Lebensfreude und Wärme. Gesundheit bezieht sich auf Mensch und Natur, die nur durch eine nachhaltige Lebensweise sichergestellt werden kann. Afyamoto will beides in Einklang bzw. Gleichgewicht bringen.

Was bedeutet für euch persönlich das Thema Nachhaltigkeit und wo setzt ihr es um?

Nachhaltigkeit hat für uns beide eine zentrale Bedeutung, ob beruflich oder privat. Wir müssen endlich begreifen, dass ein nachhaltiger Lebensstil und nachhaltiges Wirtschaften Voraussetzung für ein sicheres Fortbestehen auf diesem Planeten sind. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass wir mit den bisherigen Anstrengungen die Klimaziele bis 2030 nicht erreichen. „Neben der Politik braucht es also noch mehr Akteure aus Wissenschaft und Wirtschaft, bis hin zum Handeln jedes Einzelnen. Nachhaltigkeit ist zudem vielschichtig und in hohem Maße von sozialen Infrastrukturen, dem Zusammenhalt der Gesellschaft abhängig. Es braucht daher einen ganzheitlichen, integrativen Ansatz“, sagt Katrin. Denn: Klimawandel und Entwicklungsdefizite stehen in einem wechselseitigen Verhältnis. So sind Menschen in Entwicklungsländern meist am Stärksten von Umweltschäden betroffen. Ein Teufelskreis weiterer Ungleichheit beginnt. Soziale Nachhaltigkeitsziele sind daher ebenso wichtig wie die Ökologischen.

Bild: Afyamoto – Leon und Katrin

Mit Afyamoto wollen wir Verantwortung übernehmen und Menschen in Entwicklungsländern wie Tansania ein faires Einkommen ermöglichen, Armut bekämpfen, die Einhaltung von Menschenrechten sicherstellen und die Umwelt schützen. Wir wollen das Bewusstsein für nachhaltigen Konsum in Deutschland und Europa weiter stärken. Unser großes Ziel ist es, die gesamte Wertschöpfungskette nachhaltig zu gestalten, bis hin zum Bio-Baumwollproduzenten in Tansania. Auch bei unseren Verpackungen setzen wir auf regenerative Materialen wie Graspapier, die aktuell umweltfreundlichste Alternative zum herkömmlichen Papier aus Holz. Zur Erreichung unserer sozialen Ziele investieren wir 50% der Gewinne in den Aufbau unserer nachhaltigen Wertschöpfungskette sowie Infrastruktur & Bildung in Tansania – nachhaltig und von innen heraus.

Wie kam die Verbindung nach Tansania zustande? Tragen die Einwohner*innen Tansanias auch auf Grund der Corona Pandemie Schutzmasken?

„Die Idee, ein Unternehmen zu gründen, das sich wirtschaftlich tragen kann und gleichzeitig der tansanischen Community zum sozialen Fortschritt verhilft, kam mir während meines FSJ 2015“, sagt Leon. „Ich war beindruckt von der atemberaubenden Natur, der farbenfrohen Kultur, vor allem aber von der Lebensfreude der Menschen, die sie trotz der schwierigen Lebensumstände beibehielten: Jeder zweite Tansanier lebt unter der Armutsgrenze, das Bildungs- und Gesundheitssystem weist tiefgreifende Lücken auf und die Ungleichbehandlung von Mann und Frau ist nach wie vor Gang und Gebe – um nur einige Probleme zu nennen.“ Nachdem wir beide bereits Erfahrungen im eCommerce als Co-Founder von Clouberry, einer B2B-Plattform für nachhaltige Corporate Gifts, sammeln konnten, kam uns im Zuge der Corona-Pandemie die Idee, den Menschen vor Ort u.a. durch den Verkauf von handgefertigten und fair produzierten Masken zu helfen. Das Land ist stark vom Tourismus abhängig, der durch die Krise schlagartig ausblieb.

In touristisch genutzten, geschlossenen Räumen wird auf Mund-Nasen-Bedeckung und 1,5 Meter Mindestabstand Wert gelegt. In lokalen Restaurants, auf den Straßen und Märkten ist dies aber schnell wieder vergessen. Nachdem die im März befürchtete Corona-Katastrophe ausblieb, haben viele Tansanier ihren alten Lebensstil wieder aufgenommen. Für Tansania weist die Weltgesundheitsorganisation 508 Corona-Infizierte und 21 Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19 aus. Allerdings werden kaum Tests durchgeführt und seit Ende April keine Daten mehr an die WHO gemeldet. Während Infektions- und Sterbezahlen auf anderen Kontinenten zwischendurch explodierten, blieb Afrika tatsächlich von einer hohen COVID-19-Mortalitätsrate verschont.

Bild: Afyamoto by Oliver Magda

Inwiefern profitieren eure Mitarbeiter*innen in Tansania von Afyamoto?

Fairness und Respekt sind zentrale Säulen unserer Unternehmensphilosophie. Das gilt insbesondere auch in Bezug auf die Menschen, die Afyamoto erst zu dem machen, was es ist. Wir setzen uns daher für faire Arbeitsbedingungen und faire Bezahlung ein, begegnen unseren „Wegbegleitern“ mit echter Wertschätzung und auf Augenhöhe, egal ob in Deutschland oder Tansania. Unseren Nähern*innen in Tansania zahlen wir 50% mehr Lohn als ortsüblich.

Was sind eure Pläne und Wünsche für die Zukunft?

Auch, wenn Masken den Startschuss für unsere Unternehmung gegeben haben: Wir hoffen natürlich, dass schnellstmöglich ein geeigneter Impfstoff zur Eindämmung der Pandemie für alle Menschen verfügbar ist. Neben weiteren Designs, die wir demnächst veröffentlichen, arbeiten wir bereits an weiteren nachhaltigen Modeartikeln, made in Tansania. Ihr dürft gespannt sein. Unsere Vision ist die Produktion einer komplett nachhaltigen Kollektion, made in Africa, als einer der Produktionsstandorte für nachhaltige „Slow Fashion“. Wir hoffen auf diesem Weg möglichst vielen Menschen ein faires und regelmäßiges Einkommen garantieren zu können und gesellschaftlichen Wandel und strukturellen Aufbau in Afrika voranzutreiben.

Vielen Dank für das Interview ihr beiden!

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Mehr innovative Ideen findest du hier: Diese blinde Dame hat das Rezept für Frikadellen mit sozialem Impact

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Bilder: Afyamoto by Oliver Magda

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