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Bündnis 90/Die Grünen und das Thema “Startups”

Danyal Bayaz Grüne

Welche Rolle spielt das Thema Startups für die Grünen? Das fragten wir Dr. Danyal Bayaz, den Startup-Beauftragten der Grünen im Bundestag.

GRUENE-STARTUPS.de: Herr Dr. Bayaz, welche Rolle spielt das Thema Startups für die Grünen?

DR. DANYAL BAYAZ: Sie fragen den Startup-Beauftragten der Grünen im Bundestag, für mich ist das ein zentrales Thema: denn mit Startups stellen wir die Weichenstellungen für die Wirtschaft und den Mittelstand von morgen. Ich merke aber auch, wie es ein Querschnittsthema bei uns geworden ist: ob Energiewende, Gesundheit oder neue Mobilität – wer den Strukturwandel positiv gestalten möchte, der kommt ohne Startups nicht weit.

Dr. Danyal Bayaz Grüne

Welche Art von Startups möchten Sie fördern? Spielen für Sie nachhaltige und grüne Startups eine besondere Rolle?

Nachhaltige Startups im Sinne der SDGs (Sustainable Development Goals) liegen mir besonders am Herzen. „Mit Grünen Ideen schwarze Zahlen schreiben“, deswegen habe ich mich vor 15 Jahre für Grüne Wirtschaftspolitik begonnen zu interessieren. Ohne technologische Innovationen werden wir den Kampf gegen den Klimawandel nicht schaffen. Und natürlich ist die Förderung von nachhaltigen Gründungen Teil der Grünen DNA. Wir sollten uns aber nicht zu vorschnell eingrenzen, sondern eher Cluster fördern, die Zukunftsziele abbilden: Emissionsarme Mobilität, CO2-effiziente Prozesse in der Produktion, intelligente erneuerbare Energienetze, nachhaltige Finanzprodukte. Und wir dürfen nicht vergessen: technologische Innovation kann nur die volle Wirkung entfalten, wenn sie von sozialen und kulturellen Innovationen begleitet werden.

Firmengründungen in Deutschland sind seit Jahren rückläufig. Gründungen grüner Startups nehmen hingegen zu. Werden Startups Ihrer Meinung nach heute schon ausreichend gefördert oder warum gehen Firmengründungen insgesamt zurück?

Das stimmt, aber es sind vor allem die Gründungen zurückgegangen, die sich ein zusätzliches Einkommen schaffen wollen. Dafür gibt es mehr Menschen, die damit ihre eigene Geschäftsidee verwirklichen. Das ist also eine gute Entwicklung. Trotzdem ist noch Luft nach oben, was die Förderung von Startups angeht. Zum Beispiel stagniert der Anteil weiblicher Gründerinnen bei 15%. Da geht uns viel Potenzial verloren. Diversity und Innovation sind zwei Seiten derselben Medaille.

Wie möchten Sie den Standort Deutschland für Startup-Unternehmen attraktiver machen?

Als Mitglied der Opposition kann ich leider nicht so viel umsetzen, wie ich das möchte. Aber ich sehe vier Bereiche, die ich gezielt angehen würde. Ich würde die Mitarbeiterbeteiligung umfassend überarbeiten und die Rahmenbedingungen für Gründerinnen verbessern. Außerdem müssen wir dafür sorgen, dass ausreichend Wagniskapital zur Verfügung steht, gerade in der Wachstumsphase. Und ich würde dezentrale Ökosysteme stärken, um Ausgründungen aus Universitäten zu fördern. Die Qualität unserer Forschung und Entwicklung in der Breite ist eine unserer großen Stärken. Wir haben eben mehr als Berlin oder München. Ich denke z.B. an Karlsruhe, Bielefeld oder Jena. Diese Dezentralität und Stärke der Fläche unterscheidet uns auch von anderen Regionen wie z.B. Frankreich, wo der Großteil der Industrie in der Metro-Area Paris sitzt.

Was benötigen Ihrer Meinung nach die jungen Gründer am dringendsten?

Was ich immer wieder von Startups höre, was entscheidend ist für ihren Erfolg: Ein starkes Team. Das heißt auch, dass man top ausgebildeten Fachkräften etwas bieten kann. Deswegen setze ich mich im Bundestag dafür ein, dass gerade für Mitarbeiter von Startups die Beteiligung am Unternehmen steuerlich erleichtert wird. Außerdem geht man mit einer Gründung natürlich auch ein Wagnis ein. Da sehe ich die Politik in der Aufgabe, Hilfestellung zu leisten. Daher schlagen wir zinslose Gründungsdarlehen vor. Das gilt umso mehr bei Gründungen von Frauen: so darf zum Beispiel eine Schwangerschaft nicht existenzbedrohend werden, nur weil es keinen lückenlosen Mutterschutz gibt. Und wir sollten Gründerkultur als solches fördern. Das heißt Eigenverantwortung schon in der Schule stärken, aber auch Fehler erlauben. Scheitern gehört zum Gründen dazu. Wichtig ist: Wieder aufstehen, weitermachen.  

Benötigt Deutschland mehr Risikokapital oder sollte sich der deutsche Staat mehr mit Fördermitteln einbringen?

Wir brauchen eindeutig mehr Risikokapital, vor allem für Later-Stage Investitionsrunden. Momentan sind erfolgreiche Startups oft auf ausländische Investoren angewiesen. So fließen Gewinne und Know-how ab – das wollen wir verhindern. Wir arbeiten deswegen an einem Modell für einen Grünen Zukunftsfonds. Da werden auch öffentliche Mittel investiert, aber sie hebeln zusätzliche private Investitionen. Damit erreichen wir einen Fördertopf, mit dem man auch große Investitionsrunden stemmen kann. Außerdem wollen wir das Vergabeverfahren stärker für Startups und Innovationen öffnen. Denn der Staat gibt durch öffentliche Aufträge jährlich 500 Milliarden Euro aus. Nur erhalten junge Unternehmen mit innovativen Angeboten selten den Zuschlag. Würde man diese Kriterien reformieren, könnte man Startups in einer ganz neuen Größenordnung fördern.

Wie könnte man Europa attraktiver für Startups machen, woran mangelt es momentan?

Ich finde die Frage super, denn die europäische Perspektive kommt oft zu kurz. Der europäische Markt ist zusammengenommen der größte der Welt. Nutzen wir ihn! Dafür sollten wir die Vollendung der Kapitalmarktunion und den digitalen Binnenmarkt vorantreiben. Denn dann kann ein Startup sein Produkt anhand von einem Set an Regeln entwickeln, die auch für die Nachbarländer gelten. So kann es schnell grenzübergreifend skalieren, ohne dass es zusätzliche Compliance-Kosten für jedes neue Land hat. Und auch auf Finanzierungsseite wären wir mit der vollendeten Kapitalmarktunion besser dran. Das hieße mehr Wettbewerb unter den Kapitalgebern und bessere Bedingungen für pan-europäische Finanzierung. Dann hätten KMUs mehr Zugang zu Kapital und gleichzeitig wären auch große Investments leichter möglich.

Warum sollte man als nachhaltig agierender Startup-Unternehmer die Grünen wählen?

Zuerst einmal: das Wichtigste ist mir, dass Menschen demokratisch wählen. Die offene Gesellschaft ist Grundlage für eine innovative Wirtschaft. Das geht Hand in Hand. Und als Grüner sage ich: Ein Upgrade unserer sozialen Marktwirtschaft mit ambitioniertem Klimaschutz ist auch eine mega Chance für viele unternehmerische Vorhaben. Dafür bieten wir einen verlässlichen, langfristigen Rahmen und eine Partnerschaft. So schaffen wir es nicht nur, wettbewerbsfähig zu bleiben und die Pariser Klimaziele zu erreichen, sondern auch unsere technologische Souveränität zu erhalten. Dass jüngst herauskam, dass über 40% aus der Startup-Community die Grünen wählen wollen, macht uns natürlich happy – und ist zugleich Auftrag für eine Menge Erwartungen. 

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