Bonusapp belohnt nachhaltigen Konsum auch nach dem Einkauf

Das Team von Wertewandel ® Nicolai Kaufmann

Nachhaltiges Handeln endet nicht beim Kauf, denn auch Bonusprogramme- und Dienste müssen mit der Zeit gehen. Wertewandel-Geschäftsführer Sebastian Schulz im Interview.

06.06.2017

Grüne-Startups.de: Würden Sie uns Wertewandel kurz vorstellen und die bisherige Entwicklung schildern?

Sebastian Schulz: Wertewandel ist das Bonusprogramm, das Konsumenten für nachhaltiges Einkaufen belohnt: Unsere Mitglieder sammeln mit jedem Kauf nachhaltiger Produkte Bonuspunkte. Die Punkte haben einen echten Geldwert, der sich innerhalb unseres Netzwerks in Form von Einkaufsgutscheinen oder für nachhaltige Prämien einlösen lässt. Alternativ kann man sein Guthaben auch an gemeinnützige Projekte spenden. Der große Unterschied zu den Bonussystemen am Markt ist, dass unser Bonusprogramm ganzheitlich nachhaltig ausgestaltet ist.

Die Idee zu Wertewandel kam mir während meines Studiums der BWL mit dem Motto „Wirtschaft neu denken“ an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft, das ich gemeinsam mit meinem Co-Gründer Milan absolvierte. Ende 2014 schlossen wir uns zusammen, seither ist wahnsinnig viel passiert: Wir entwickelten aus der Idee ein Geschäftsmodell, nahmen an Gründerwettbewerben teil, gingen auf dutzende Messen, kontaktierten zahlreiche Unternehmen, warben finanzielle Mittel ein, entwickelten einen ersten Prototyp des Bonusprogramms und machten damit einen Markttest mit EDEKA in Bonn.

Mittlerweile steht hinter Wertewandel ein starkes Team bestehend aus sechs Personen, das Onlinepunkten ist seit Mai möglich und in wenigen Wochen geht die Wertewandel App an den Start, mit der man für den Einkauf im Supermarkt und in der Drogerie per einfachem Kassenbon-Scan punkten kann.

Welches grüne Problem möchte Wertewandel lösen und welche Vision steckt hinter dem Konzept?

Wertewandel will bei mehr Menschen ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit schaffen und durch die Belohnung zu nachhaltigem Denken und Handeln motivieren. Daraus resultiert idealerweise auch eine dauerhafte Veränderung des Einkaufsverhaltens der Verbraucher. Die veränderte Nachfrage hat wiederum Auswirkungen auf Produktionsmuster, wodurch sich die Qualität von Produkten und so auch das Marktangebot langfristig verbessern. Wir möchten mit Wertewandel so den Anteil nachhaltiger Produkte in den Supermarktregalen steigern sowie ihre Wahrnehmung stärken. Darüber hinaus möchten wir mit unserer Spendenwelt zur Erreichung sämtlicher ökologisch und sozial ausgerichteter Ziele der gelisteten Organisationen beitragen.

Wie und von wem wird Ihr Angebot genutzt und ist eine gesteigerte Nachfrage erkennbar?

Der Kreis unserer Mitglieder ist sehr vielschichtig, wobei wir durch unser digitales Produkt vor allem eine jüngere und technologieaffine Zielgruppe erreichen. Dabei zielen wir zum einen auf Verbraucher, die bereits nachhaltig konsumieren, mehr aber noch adressieren wir die Verbraucher, die nur gelegentlich nachhaltig einkaufen, um ihr Konsumverhalten in die richtige Richtung zu stupsen. Eine gesteigerte Nachfrage nach unserem Angebot erleben wir glücklicherweise tagtäglich.

Wie kann man nachhaltiges Verhalten für die breite Masse attraktiver machen?

Wir denken, dass wir das zum einen durch den Bonus und zum anderen durch Information schaffen: Menschen mit ihrem „Urinstinkt zum Jagen und Sammeln“ werden durch die Bonuspunkte und den Wunsch, davon möglichst viele zu haben, motiviert und dabei von uns angeleitet. Dass unsere App im ganz normalen Supermarkt um die Ecke und nicht nur im Bio-Fachmarkt funktioniert, kommt der breiten Masse an Menschen entgegen, die nur für den Kauf nachhaltiger Produkte nicht ihre alltägliche Einkaufsstätte wechseln kann oder möchte, sondern im klassischen Einzelhandel zu Bioprodukten greift.

Wie sieht ihr Geschäftsmodell aus?

Unser Bonusprogramm ist im Grunde ein Marketinginstrument für nachhaltige Unternehmen. Wir bewerben die Produkte unserer Partner und schaffen über Wertewandel einen Draht zwischen ihnen und ihren Kunden, was insbesondere Markenherstellern heute nur bedingt bis gar nicht möglich ist. Dafür erhalten wir dann eine Vergütung durch die Partner. Wichtig zu betonen ist an dieser Stelle, dass wir – anders als andere Bonusprogramme am Markt – persönliche Kundendaten nicht weitergeben oder monetarisieren.

Was waren die bisher größten Herausforderungen für Wertewandel?

Die größten Herausforderungen lagen ganz gewiss zum einen im Versuch der Reduktion der Komplexität und der Widersprüche, die sich hinter dem unkonkreten Wort „Nachhaltigkeit“ verstecken, und zum anderen in der Vereinbarkeit unserer ideellen Absichten mit den Marktgesetzen. Dadurch mussten wir zunächst sehr vieles bis ins letzte Detail durchdenken und dabei die vielen Teilnehmer in unserem Netzwerk und deren teils gegensätzlichen Interessen und Bedürfnisse berücksichtigen. Ein Produkt zu bauen, das Endverbrauchern, Unternehmen, gemeinnützigen Organisationen und Geldgebern gleichermaßen gefällt, war und ist nicht einfach.

Glauben Sie, man kann die Gewohnheiten der Menschen beim Kaufen und Verbrauchen langfristig ändern?

Ja, davon gehen wir ganz stark aus.

Welche Rolle werden Bonusprogramme und Kompensationsdienste ihrer Meinung nach in Zukunft spielen?

Klassische Bonusprogramme und vergleichbare Dienste werden – nachdem sie sich schon in den letzten zehn Jahren kaum weiterentwickelt haben – ganz sicher an Attraktivität verlieren. Heutzutage schon wirkt derart aggressive Werbung überwiegend reizüberflutend und ermüdend. Gefühlt gibt es zu viele Marken, zu viele Produkte und im Nachhaltigkeitsbereich viel zu viele Siegel. Menschen möchten daher zunehmend aus vertrauensvoller Quelle ausgesuchte und wertvolle Empfehlungen erhalten. Wenn wir es schaffen, mit Wertewandel nicht nur ein einfaches Bonusprogramm zu sein, sondern ein nachhaltiges Netzwerk mit Persönlichkeit und dem stetigen Willen zum Bessermachen zu werden, dann werden wir auch in Zukunft eine Rolle spielen.

Ihr Insidertipp: Welches grüne Produkt hat Sie zuletzt fasziniert?

Das war die 18-in-1 Seife von unserem Partner Dr. Bronner’s, die sich – wie der Name schon vermuten lässt – für 18 Verwendungszwecke von der Aromatherapie, über die Boden- und Gesichtsreinigung bis hin zum Zähneputzen einsetzen lässt. Ein ganz verblüffendes Produkt, das einen daran zweifeln lässt, ob es für alles wirklich immer irgendeines speziellen Produktes bedarf, wie es die Werbung suggeriert.

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